Große Freude kurz nach dem Knockout: In Siegerpose präsentiert Labinot Xhoxhaj stolz seine WBC- und EBU-Gürtel. Foto: Piskadlo

Der Lahrer Labinot Xhoxhaj bleibt weiterhin EBU-Europameister im Schwergewichtsboxen. Er bezwang seinen Gegner Pezhman Seifkhani.

Es war ein Abend, auf den viele gewartet hatten – allen voran Labinot Xhoxhaj.

 

Der Lahrer Boxer stieg am Samstag  in den Ring, um seinen EM-Titel gegen  den Schweden Pezhman Seifkhani zu verteidigen. Mit diesem wolle er „kurzen Prozess“ machen, kündigte er noch am Donnerstag bei der Pressekonferenz an.

Zwei Tage später ließ Xhoxhaj auf seine Worte Taten folgen: Nach knapp  zehn Minuten schickte er seinen   Kontrahenten in der vierten von zwölf möglichen   Drei-Minuten-Runden    im Lahrer Hallensportzentrum  auf die Bretter.

Was hatte der Abend zu bieten?

Wie zu erwarten: eine ganze Menge Kampfsport. Bevor Xhoxhaj und Seifkhani  um die Europameisterschaft im Schwergewicht boxten, boten sich 14 weitere – teils internationale  – Teilnehmer in sieben Kämpfen die Stirn. Vom Mittel- bis Cruisergewicht war alles dabei. 

Boxer Elvin Sope gab sein Debüt. Foto: Piskadlo

Höhepunkt war das Debüt von Elvin Sope, der sich gemeinsam mit dem Lahrer Titelverteidiger auf den Abend vorbereitete – und demnach auch viel Zuspruch aus dem Publikum bekam. Er trat gegen den Georgier Tristan Khizanishvili an, dem er mit seinen flinken Kombinationen kaum Spielraum  ließ. Mit einem technischen K.o. in der zweiten Runde   holte sich Sope seinen ersten Sieg. Er ließ sich von den jubelnden Zuschauern feiern –  und Khizanishvili  sich von seinem Team verarzten. Der junge Debütant hatte ihm eine blutige Nase verpasst. 

Wie war die Stimmung?

Sehr gut. Rund 2000 Menschen strömten in das Hallensportzentrum, um das Box-Spektakel zu sehen – einige reisten sogar aus der Schweiz an.  Die Tribüne  war demnach voll besetzt und  auch bei den vorderen VIP-Rängen gab es kaum noch freie Plätze. Die Inszenierung war den ganzen Abend über, wie man es von einer Kampfsportveranstaltung erwartet: ein Ringsprecher, Einlaufmusik mit Nebeleffekten und reizende Frauen, die mit großen Schildern die jeweilige Rundenzahl anzeigen. Die Scheinwerfer setzten die Sportler dynamisch in Szene. Bei jedem Treffer sah man die Schweißperlen im Licht glitzern und durch die Luft fliegen.  Festgehalten wurde das Ganze indes auch von zahlreichen Kameraleuten – darunter auch das kosovarische Staatsfernsehen, das die Kämpfe in Echtzeit übertragen hatte. Weltweit wurde die Lahrer  Veranstaltung auf rund 200 Sendern ausgestrahlt. Flogen zwischenzeitlich mal nicht die Fäuste, sorgten Tänzer in den Pausen für Unterhaltung. 

Wie lief der Hauptkampf ab?

Rund drei Stunden nachdem die Ringglocke zum ersten Mal läutete,  waren     Xhoxhaj und Seifkhani an der Reihe. Letzterer lief zuerst ein, trug einen schwarz-goldenen Boxermantel mit seinem Nachnamen in funkelnder Schrift auf dem Rücken. Mit Kappe und Kapuze hielt er sich zunächst bedeckt, als habe er die Pfiffe und „Buh“-Rufe des Lahrer Publikums ausblenden wollen. Nahezu ohrenbetäubender Jubel gab es dagegen für Xhoxhaj, der mit breiter Brust und seinen Meistergürteln aus der Umkleide in den Ring lief. 

Beim Einlauf schien sich Pezhman Seifkhani seiner Sache noch sicher zu sein. Foto: Piskadlo

 

Von Anfang an zeigte der kosovarisch-stämmige  Lahrer Dominanz und zwang seinen Gegner stets  in die Defensive. Immer wieder fanden die wuchtigen Schläge des   90-Kilogramm-Mannes ihr Ziel im Gesicht des Schwedens, dem es sichtlich schwer fiel, dem hohen Tempo des Lahrers standzuhalten. So kam es nicht überraschend, dass Seifkhani in der vierten Runde  nach einer harten rechten Hand zum ersten Mal zu Boden fiel und vom Ringrichter angezählt wurde. Spätestens in diesem Moment konnte sich der  Großteil des Publikums nicht mehr auf ihren Plätzen halten und sprang jubelnd auf.

Seifkhani  kam zwar wieder auf die Beine, konnte das Blatt jedoch nicht mehr wenden. Xhoxhaj  legte kompromisslos nach und drängte den 35-Jährigen in die Seile. Mit einem knallharten Kinntreffer wurde der Schwede erneut auf die Bretter geschickt. Der Ringrichter beendete das Gefecht und ernannte Xhoxhaj  somit zum Sieger.

Welches Fazit ziehen Xhoxhaj und sein Team?

„Ich bin froh, dass ich den Titel heute in Lahr verteidigt habe“, sagte Xhoxhaj auf albanisch im Interview unmittelbar nach dem Kampf. Dafür habe sein Team und  er mehrere Monate „Tag und Nacht“ trainiert. „Wir sind wieder die Nummer eins in Europa. Wir wollen die großen Kämpfe haben – und wird sind bereit für die ganz großen Jungs“, zeigte sich der Lahrer zielstrebig. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte  sein Manager und Cousin Toklir Xhoxhaj: „Es lief alles gut. Jetzt können wir nach vorne blicken.“ Und wie bewertete er die Leistung des Gegners? „Er ist ein guter Kämpfer und hat versucht, alles zu geben. Doch ich habe ja gewusst, dass mein Junge stärker ist.“

Was sagt der Veranstalter?

„Ich bin sehr erleichtert, dass wir das Ganze über die Bühne gebracht haben“, zog Organisator Sezer Ülker eine positive Bilanz im Gespräch mit unserer Redaktion. Besonders für die Lahrer Jugend sei dieser Abend ein wichtiges Zeichen dafür gewesen, was man im Boxsport alles erreichen könne. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, so Ülker. Dieser Spruch habe sich auch bei der Organisation  bewahrheitet. „Das Ganze auf die Beine zu stellen, war eine Mammutaufgabe. Dass wir das innerhalb dreieinhalb Monate aufgebaut haben, ist sensationell“, blickte der Veranstalter zurück. Auch die große Besucheranzahl  sorgte bei ihm für Freude – und Erleichterung. „Ich habe die Halle als Boxer  im Jahr 2015 vollgemacht. Natürlich war es eine Herausforderung, sie als Veranstalter vollzukriegen – aber wir haben das Ziel  sogar übertroffen“, so Ülker.  Auf die Leistung des Lahrer Europameisters angesprochen, traf es Ülker auf den Punkt:   „Er gehört an die Weltspitze.“

Chaos vor der Halle

Bevor das Spektakel im Lahrer Hallensportzentrum begann, mussten viele Besucher bei der Suche nach einem Parkplatz einen  eigenen kleinen Kampf bewältigen. Die öffentlichen Stellplätze reichten bei Weitem nicht aus. So wurden kurzerhand Wiesen, Bushaltestellen und andere freie Flächen zu Parkplätzen umfunktioniert. Für einige blieb das nicht ohne Folgen: Immer wieder wurden zwischen den Kämpfen Kennzeichennummern ausgerufen. „Umparken oder abgeschleppt werden“, so die klare Ansage.