Bis die Zollern-Alb-Bahn elektrifiziert ist, kommen auf Bahnpendler aus Hechingen harte Zeiten zu. Dabei besteht derzeit schon Unmut über die Direktanbindung nach Stuttgart.
Die Theorie klingt gut: Wer von Hechingen nach Stuttgart mit der Bahn fahren will, erreicht sein Ziel – angenommen den Stuttgarter Hauptbahnhof – in etwas mehr als einer Stunde. Der zweistündlich verkehrende Regionalexpress 6 verspricht diese Fahrt sogar ohne Umstieg. Eine attraktive Alternative zum spätestens ab der Anschlussstelle Bodelshausen drohenden Stau auf der B 27.
Dass die Theorie in der Regel aber nicht die Praxis ist, berichtete CDU-Stadtrat Ronny Stengel in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Zuvor hatte Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands Regionalstadtbahn, die Pläne für die Zollern-Alb-Bahn der Zukunft erläutert. Stengel, inzwischen bei der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart tätig, ist leidgeprüfter Bahnpendler. Sein Kommentar: „Täglich ist die Zugfahrt mit dem RE 6 ein Lotteriespiel.“ Kurzfristig angekündigte Verspätungen oder gar Zugausfälle seien keine Seltenheit.
Bernecker dazu: „Mit der derzeitigen Qualität der Zollern-Alb-Bahn kann man nicht zufrieden sein.“ Die Faktoren Pünktlichkeit und Verlässlichkeit sollen sich im Zuge des Ausbaus der Regionalstadtbahn massiv verbessern. Das sei auch ein Hauptgrund, weshalb das Großprojekt überhaupt initiiert worden sei. Verspätungen vermeiden sollen künftig Kreuzungsbahnhöfe und zweigleisig ausgebaute Abschnitte wie beispielsweise zwischen Tübingen und Mössingen. „Die Planungen sind darauf ausgerichtet, dass ein stabiler Betrieb der Zollern-Alb-Bahn gewährleistet ist“, so Tobias Bernecker weiter.
Ab Ende 2026: Umstieg in Tübingen
Bis die Regionalstadtbahn in Betrieb genommen wird, kommen auf Hechinger Bahnfahrer harte Einschränkungen zu. Denn: Ab voraussichtlich Dezember 2026 wird es nicht mehr möglich sein, ohne Umstieg in Tübingen nach Stuttgart zu fahren. Hintergrund ist, dass in den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof keine dieselbetriebenen Züge mehr einfahren dürfen. Das Land als zuständiger Aufgabenträger habe daher entschieden, ab Inbetriebnahme von Stuttgart 21 bis zum Abschluss der Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn die Regionalexpress-Züge in Tübingen enden lassen.
Anschlüssen in Tübingen sollen erreichbar sein
Doch: Wie es vom Regionalverband auf Nachfrage heißt, lege das Land bei seinen Planungen ein besonderes Augenmerk darauf, dass ab Tübingen gute Anschlüsse sowohl in Richtung Stuttgart als auch in die Gegenrichtung entstehen. Sobald die Zollern-Alb-Bahn elektrifiziert ist, werden die REs wieder durchgehend verkehren.
Weit schlimmer kommt es während der Bauarbeiten zur Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn. Dann – vermutlich in den 2030er-Jahren – wird die Bahnstrecke komplett gesperrt.
Ronny Stengel forderte daher Alternativen: „Bis dahin brauchen wir unbedingt den Ausbau der B 27 .“ Sonst sei der Zollernalbkreis in Richtung Tübingen und Stuttgart abgeschnitten. Er schlug vor, zu einer der nächsten Sitzungen einen Vertreter des Regierungspräsidiums Tübingen als zuständige Planungsbehörde einzuladen, um diesen auf die Dringlichkeit des Straßenbau-Projekts aus Hechinger Sicht aufmerksam zu machen.