Autor Jürgen Lück ist in der Gäubahn-Frust-Falle in Stuttgart-Vaihingen gelandet. Foto: Jürgen Lück

Drei Streckensperrungen parallel machen das Pendeln auf der Gäubahn zum Geduldsspiel. Und die Bahn stellt noch eine „Frust-Falle“ auf. Ein Report.

Einen Tag vorher kam die Schock-Nachricht raus: Gleich drei Streckensperrungen auf einmal machen das Pendeln auf der Gäubahn zur Qual. Drei Stunden von Rottweil bis Hauptbahnhof Stuttgart. Doch es kommt noch eine „Frust-Falle“ dazu – die noch mal eine Stunde Fahrzeit kostet.

 

Morgens um 8.45 Uhr auf die VVS-App geschaut. Der Bus soll um 9.02 Uhr an der S-Bahn-Station ankommen. Perfekt. Weil die Panoramabahn in Stuttgart gesperrt ist, geht es derzeit von Stuttgart-Hauptbahnhof bis Horb nur mit der S-Bahn bis Stuttgart-Vaihingen. Dort muss man dann in die Gäubahn Richtung Horb-Oberndorf-Rottweil einsteigen. Der IC fährt um 9.30 Uhr von Vaihingen Richtung Süden ab.

Ein Szenario, das mit der Kappung der Gäubahn zum Hauptbahnhof Stuttgart für mehrere Jahre droht.

Normalerweise alle fünf Minuten eine S-Bahn

Weil ich in Stuttgart-West wohne, ist mein Umstieg die Schwabstraße. Normalerweise fahren hier die S-Bahnen (Deutsche Bahn, über Hauptbahnhof Stuttgart) bis Vaihingen alle fünf Minuten. Der späteste Zug wäre der um 9.20 Uhr. Er wäre um 9.29 Uhr in Vaihingen. Ein Sprint durch die Unterführung in Vaihingen auf Gleis 6, wo die Gäubahn steht – da könnten 60 Sekunden reichen.

Um 9.03 Uhr bin ich am S-Bahn Gleis in der Schwabstraße. Auf der Anzeigetafel: Jede Menge S-Bahnen, die in der Schwabstraße enden. Die nächste Richtung Vaihingen wird in acht Minuten angezeigt. Das würde ja noch reichen, um die Gäubahn Richtung Horb zu erreichen.

Die S-Bahn-Station in Stuttgart-Vaihingen. Frustriert warten die Fahrgäste auf die nächste S-Bahn Richtung Vaihingen. Foto: Jürgen Lück

S-Bahn für S-Bahn rollt ein. Oben steht nur: „Nicht einsteigen.“ Während die Minuten rinnen, bleibt die „Acht-Minuten“-Anzeige für die nächste S-Bahn nach Vaihingen konstant. Die Fahrgäste starren auf ihre Smartphones, ein Mann mit Maske blickt verzweifelt nach oben.

Die Anzeigetafel oben gibt Hoffnung, unten wächst der Frust

Auf der Anzeige-Tafel gibt jetzt ein bisschen „Entertainment“: Mal soll die S-Bahn Richtung Flughafen in zwei Minuten kommen. Dann die S-Bahn Richtung Herrenberg. Es ist 9.15 Uhr. Der DB-Navigator zeigt: Nächste Abfahrt 9.20 Uhr Richtung Vaihingen. Und die Ansage: „Der Anschluss zum IC wird voraussichtlich nicht erreicht.“

Die Stimmung sackt endgültig in den Keller. Ich bewege mich nach vorne, um gleich den optimalen Startpunkt für den Sprint in Vaihingen zu haben.

Der Sprint zur Gäubahn in Vaihingen

Um 9.22 Uhr rollt endlich eine S-Bahn ein. Schnell rein. Um 9.32 Uhr hält sie in Vaihingen. Schnell raus, den Sprint eingelegt. Doch die träge Masse bremst einen aus. Und mitten auf der Treppe abwärts bleibt noch ein ältere Mann stehen und dreht sich um. Der Klassiker. Ein Gefühl fast so wie beim Experiment von Pro Gäubahn im Bahnhof Vaihingen als Protest gegen die Kappung der Gäubahn.

Beim Weg aus der Unterführung Richtung Gleis 5 und 6 ist das Desaster schon auf den Anzeigetafeln zu sehen. Links die Gäubahn Richtung Horb. Abfahrt: 10.42 Uhr.

So falsch ist Bahn-Ansage

Voll in die Frust-Falle getappt. Wie kann es sein, dass die Deutsche Bahn es nicht mal schafft, den Gäubahn-IC in Stuttgart-Vaihingen so lange warten zu lassen, bis die S-Bahn vom Hauptbahnhof da ist?

Der Screenshot der VVS-App um 8.45 Uhr. Er verspricht eine reibungslose Verbindung von Stuttgart-West bis auf die Gäubahn ab Vaihingen. Foto: Screenshot/Jürgen Lück

Die Bahn schreibt: „In den Abend- und Nachtstunden kann es im Bereich des S-Bahn Netzes zeitweise zu weiteren Bauarbeiten kommen. Reisende sollen sich vor Fahrtantritt in den Apps über aktuelle Verbindungen informieren.“

Habe ich getan. Ich wurde getäuscht und bin enttäuscht. Ab morgen wieder Auto.

Die Stuttgarter Zeitung liefert mir wenigstens eine Erklärung. Sie titelt: „Wieder Bauarbeiten – S1, S2 und S3 nur alle 30 Minuten.“

Warum der IC aus Sicht der Bahn nicht warten kann

16.04 Uhr. Der Frust ist schon fast verdaut. Dann erklärt ein Bahnsprecher, warum die Gäubahn nicht warten konnte: „Wegen der Verspätung eines vorausfahrenden Zuges hat sich die von Ihnen erwähnte S1 heute bis zur Station Schwabstraße um zwölf Minuten verspätet.“

Der Bahnsprecher weiter: „Leider konnte der IC in Richtung Süden die verspätete S1 in Stuttgart-Vaihingen nicht abwarten. Beide Züge fahren im weiteren Verlauf die gleiche Strecke. Entweder hätte sich die S1 noch weiter verspätet und wäre dann auch zu spät für die Rückfahrt gewesen, oder der IC wäre der S1 hinterher gefahren und hätte dadurch die Fahrzeit nicht eingehalten. Dadurch wäre der Kreis von Verspätungen betroffener Fahrgäste noch größer geworden.“