Suche, Kontaktmöglichkeit, Angebote, Preisfilter-Funktion und sogar der Hinweis auf Cookies - die Seite "Schiltach Brennholz" wirkt sehr professionell. Sie ist es aber nicht. Foto: Screenshot Riesterer

"Diese Mailbox steht momentan nicht zur Verfügung", sagt die typische Telefon-Frauenstimme jenen, die beim Onlineshop "Schiltach Brennholz" anrufen wollen. Kein Wunder: Es handelt sich dabei um einen Fake-Shop.

Schiltach - Zu spät kommt diese Erkenntnis allerdings für eine 44-jährige Schiltacherin, die bei dem Shop zwei Paletten Holzpellets bestellt, aber nie bekommen hat. Wie die Polizei am Freitag mitteilt, überwies die Frau direkt nach der Bestellung den fälligen Rechnungsbetrag von rund 600 Euro. Doch eine Lieferung der Ware erfolgte nie. Erst im Nachgang, so die Polizei weiter, entpuppte sich der Anbieter als Fake-Shop.

Professionell aufgezogen

Wer die Seite aufruft, deren Link die Polizei mitgeschickt hat, dem fällt auf: Es ist gar nicht so einfach, den Onlineshop als Betrugsseite zu entlarven. Sie ist professionell aufgemacht, wartet auf der Startseite mit reduzierten Produkten auf und wirbt mit dem Verkauf von Brennholz, Holzöfen und Holzpellets. Kontakt, Impressum, Suche,Zahlungsarten wie Kreditkarte und Vorkasse und AGBs – alles da. Selbst der obigatorische Cookie-Hinweis taucht auf. Wer es eilig hat, bekommt die Ware in ein bis zwei Tagen für 19,99 Euro per Expressversand geliefert, verspricht der Händler. Wer drei bis vier Tage warten kann, für den ist die Lieferung laut Internetseite kostenlos.

Betreiber geben Qualitätsversprechen

Unter dem Reiter "Wir über uns" wird zwar nicht klar, welche Personen, wie das sonst oft bei Onlineshops üblich ist, hinter "Schiltach Brennholz" stehen. Der vermeintliche Händler indes wirbt dort aber: "Langjährige Erfahrung und ein hoher Anspruch an Holzqualität und Nachhaltigkeit sind unsere Stärken. Selbstverständlich liefern wir Ihnen Brennholz, Feuerholz, sowie Hack- und Hauklötze in höchster Qualität. Die Gesundheit des Waldes in Einklang mit nachhaltiger Forstwirtschaft stehen dabei stets im Fokus unserer Arbeit, der wir mit Liebe und Leidenschaft zum Holz nachgehen. Bei Schiltach Brennholz können Sie sich auf Qualitätsbewusstsein und Nachhaltigkeit verlassen – garantiert!"

Anhaltspunkte fallen kaum auf

Wer die angegebene Adresse bei Google-Maps eingibt, bekommt ein Haus in Hinterlehengericht angezeigt. Wie also darauf kommen, dass der Shop nicht echt ist? Ein paar kleine Hinweise gibt es – aber die fallen wahrscheinlich nur dem auf, der explizit darauf schaut. Der Shop lädt beispielsweise sehr langsam, braucht manchmal mehrere Minuten, bis eine neue Seite geladen ist. Wer allerdings generell eine schlechte Internetverbindung hat, den bringt so etwas nicht unbedingt ins Grübeln. Dass die angegebene Handynummer ins Leere läuft, dürfte auch nur den wenigsten Onlineshoppern auffallen – denn wer ruft da schon an, solange alles in Ordnung ist?

Plötzlich nur noch Vorkasse

Was Nutzer jedoch immer stutzig machen sollte: Wer seinen Warenkorb vollgepackt hat und die Bestellung abschließen möchte, dem wird als Zahlungsart plötzlich nur noch Vorkasse angezeigt – die Option auf Kreditkarte ist weg.
Wer bei Google etwas nach unten scrollt, bekommt übrigens zwei Warnungen angezeigt, dass die Seite "Brennholz Schiltach" Betrug ist.

Durch den Betrug entstand der Frau ein Schaden von rund 600 Euro. Die Polizei warnt generell vor den zahlreichen unseriösen Onlineshops. Tipps und Tricks, wie solche schwarzen Schafe im Internet erkannt werden, findet man auf den Präventionsseiten der Polizei unter www.polizei-praevention.de, www.polizei-beratung.de oder auch auf den Seiten des Verbraucherschutzes unter www.verbraucherschutz.de. Die Kriminalprävention im Kreis Rottweil ist unter Telefon 0741/477301 erreichbar.

Zu den wichtigsten Tipps gehören:

Auf Sprache achten: Immer noch haben zahlreiche Fakeshops ein Problem mit der deutschen Sprache, auch wenn Übersetzungsprogramme inzwischen deutlich besser geworden seien. 

Impressum prüfen: Kaufinteressierte sollten Suchmaschinen wie Google nutzen, um mehr über den Firmennamen, die Personen, Adresse oder Telefonnummer in Erfahrung zu bringen. Vielleicht gebe es dort auch erste Warnungen anderer Käufer oder der Polizei.

Anrufen: "Rufen Sie einfach mal an", rät die Polizei. Viele Fakeshops erfinden Telefonnummern, die ins Leere führen oder gar nicht geschaltet sind.

Vorsicht bei Vorkasse: "Suggeriert der Shop mit zahlreichen Logos verschiedene Zahlungsarten und bleibt am Ende des Bestellvorgangs nur die Option Vorkasse – womöglich auf ein Bankkonto im Ausland – übrig, dann sollten Sie das Geld an einen unbekannten Verkäufer nicht überweisen", rät die Polizei.

Kundenbewertungen: Betrüger nutzen gern erfundene Kundenbewertungen. Sie können ein  weiteres Indiz für einen Fakeshop sein. "Sich allein auf die ausschließlich positiven Bewertungen innerhalb eines Shops zu verlassen, ist gefährlich", stellt die Polizei klar.

Handelsplattformen: Alle genannten Tipps gelten auch für Shops auf Handelsplattformen. "Wird vom dortigen Verkäufer eine Bezahlung außerhalb der Plattform gefordert, sollten Sie die Finger davon lassen", so die Polizei. Der Kauf sei dann nicht abgesichert, und Betrüger gelangen über Vorkasse so an das Geld und die persönlichen Daten des vermeintlichen Kunden.