Killers Ortschaftsrat und die Scherenschleifer des Orts überreichen eine gemeinsame Spende für das Peitschenmuseum. Foto: Fotos: Rapthel-Kieser

"Ob es sich lohnt, den Anbau zu renovieren oder ob wir ihn ganz abreißen und neu bauen, das steht noch gar nicht fest", sagt der engagierte und ehrenamtliche Museumsleiter des Deutschen Peitschenmuseums in Killer, Oliver Simmendinger.

Burladingen-Killer - Noch immer hadern er, der im Hauptberuf der Bürgermeister von Jungingen ist, und der Heimatverein, der das einzigartige Museum im ehemaligen Bahnhofsgebäude betreibt, mit den Brandfolgen. Vor eineinhalb Jahren, Anfang April, gab es innerhalb von zwei Tagen zwei Brände im Peitschenmuseum.

Die Polizei ermittelte, ging Hinweisen nach, an einen Zufall glaubte niemand. Vor allem nicht, als es wenige Tage später und wenige hundert Meter weiter zum dritten Mal brannte. Die Täter wurden nie gefasst.

Es riecht immer noch extrem nach Rauch in dem Anbau, der einst der gesellschaftliche Mittelpunkt, das Café und die Einkehrmöglichkeit im einst so gut besuchten Peitschenmuseum in Killer war. Bis die Brandstifter genau jenen Teil des Gebäudes in Flammen aufgehen ließen. Die Scheiben hin zur Bahnlinie sind alle zersplittert und notdürftig abgeklebt. Stühle und Tische so gut es geht aufgeräumt und auf die Seite gestellt.

Und dann die Pandemie. Sie tat ein Übriges, um den Betrieb im Peitschenmuseum vollends zum Erliegen zu bringen. Dabei ist Simmendinger, der früher so oft und so gerne Gruppen durchs Haus führte und die Peitschen knallen ließ, noch froh darüber, dass fast alle der Ausstellungsstücke den Brand ohne Schaden überstanden haben.

Dabei war das Café eine wichtige Einnahmequelle für das Museum, dem ja sonst nur die Eintrittsgelder bleiben. Und dann sind da noch die Spenden. Auch die helfen mit, das Museum am Leben zu erhalten. Es weist mit seinen Ausstellungsstücken auch darauf hin, wie viele Peitschenmacher es einst in Killer gab. Hart arbeitende Handwerker, die ihre Produkte in der ganzen Region verkauften. Es waren so viele und der Berufsstand war so wichtig, dass die Peitsche auch im Ortswappen von Killer abgebildet ist.

Die Traditionen liegen den Bürgern besonders am Herzen

Diese Traditionen liegen nicht nur dem Ortschaftsrat von Killer, sondern auch den Scherenschleifern des Orts am Herzen. Sie lassen in jedem Jahr zur Fasnetszeit eine andere Tradition aufleben und ziehen mit Schleifwerkzeug von Haus zu Haus.

Gemeinsam übergaben sie jetzt an Oliver Simmendinger einen Grundstein der besonderen Art. Der Ortschaftsrat hatte 350 Euro durch seinen Wurstverkauf in der Fasnet gesammelt, die Scherenschleifer hatten bei ihrer Aktion ebenso 350 Euro eingenommen. Diese 700 Euro bekam Oliver Simmendinger jetzt in ganz besonderer Form überreicht.

Die Geldscheine steckten, zusammen mit Blumen von den Blumenwiesen des Orts, fein säuberlich zusammengerollt in einem Ziegelbaustein. "Es soll ein symbolischer Grundstein für den Wiederaufbau sein", kommentierte Ortsvorsteher Gerd Schäfer im Namen des Ortschaftsrats. Der hatte viele Vertreter aus den eigenen Reihen in Doppelfunktion entsandt. Denn einige sind seit Jahren auch bei den Scherenschleifern aktiv.

Simmendinger war sichtlich gerührt und erfreut. Und was den Herrn der Peitschen noch mehr freuen dürfte, ist die Zusage der Männer und Frauen von Killer, beim Aufbau aktiv mit Hand anzulegen. Und das, obwohl das Café noch in Schutt und Asche liegt.

Oliver Simmendinger hatte mit Bänken und Tischen für ein gemütliches Beisammensein neben dem alten Bahnhof und der einstigen Cafeteria vorgesorgt und bedankte sich auf seine Weise für den so wichtigen, ersten Grundstein.