Schon bald könnte es zu einem Engpass bei den PCR-Testen kommen. Foto: Mrdja

Durch steigende Corona-Infektionszahlen könnte es schon bald zu einem Engpass bei PCR-Tests kommen. Für viele Patienten im Kreis Freudenstadt wird das wohl schon Ende der Woche der Fall sein.

Kreis Freudenstadt - Was bedeutet das? Die Redaktion befragte den Arzt Wolfgang von Meißner.

 

Herr von Meißner, wie lange müssen Sie derzeit auf das Laborergebnis eines PCR-Tests warten?

Priorisierte Abstrichergebnisse von symptomatischen Patienten erhalten wir bisher noch am Abend des selben Tages. Der Ergebnisabruf erfolgt unabhängig von den Praxisöffnungszeiten über den QR-Code, den die Patienten beim Abstrich erhalten. Die nicht-priorisierten Abstriche dauern länger. Nicht-priorisiert sind zum Beispiel die Abstriche zum "Freitesten" oder bei nicht-symptomatischen Patienten mit einer Kontakt-Warnung in der Corona-Warn-App.

Rechnen Sie mit einem Engpass bei den PCR-Tests?

Wir rechnen mit einem Laborengpass schon diese Woche. Am jetzigen Montag hatten wir 60 Prozent mehr Abstriche als am vergangenen. Nicht nur das Labor, sondern auch wir kommen personell an unsere Grenzen.

Wie viele PCR-Tests macht Ihre Praxis täglich, und wo liegt die Kapazitätsgrenze?

Wir führen aktuell bis zu 180 Tests am Tag durch. In der schlimmsten Phase der ersten Welle waren es über 300 am Tag. Theoretisch hatten wir damals unsere personelle Kapazität auf 400 Tests am Tag ausgelegt. Die Labore waren damals aber auch überlastet, und es kam zu Wartezeiten von bis zu fünf Tagen. Damals haben nur wenige Ärzte im Landkreis Freudenstadt PCR-Abstriche angeboten. Das ist zum Glück heute anders. Damals gab es auch noch keine Schnelltests und keine Schnelltestzentren.

Rechnen Sie mit einer Lösung, und falls ja: Wie könnte diese Aussehen?

Wir warten auf die neue Testverordnung, die diese Woche noch kommen soll. Wir erwarten, dass vor allem symptomatische Patienten weiterhin mit PCR getestet werden sollen. Das ist auch sinnvoll. Hierbei kann auch beim Abstrich bei Bedarf eine kurze Untersuchung erfolgen. Tests von asymptomatischen Kontaktpersonen und "Freitestungen" werden wahrscheinlich nur noch über Schnelltests erfolgen. Das können die Apotheken und Schnelltestzentren übernehmen.

Welche direkten Folgen hätte es für Patienten, wenn sie länger auf ein Ergebnis warten müssen?

Wir sehen aktuell bei dreifach geimpften – also "geboosterten" – Patienten nur selten schwere Verläufe mit der aktuellen Omikron-Variante. Wenn ein Tag verstreicht bis zum Ergebnis, ändert das an der Therapie und am Verlauf nicht viel. Die Patienten bleiben zu Hause und schonen sich körperlich.

Welche Rolle spielt Omikron?

Falls die neue aggressivere Omikron-Variante ihren Weg schnell zu uns findet, kann sich das aber ändern. Omikron wird nicht die letzte Variante sein. Wir rechnen fest damit, dass die Buchstaben im griechischen Alphabet nicht ausreichen werden und wir noch viele Varianten kennen lernen müssen. In einer durch Impfung oder Durchseuchung immunisierten Bevölkerung wird die Erkrankung dann hoffentlich immer bedeutungsloser. Große Sorgen machen uns aktuell die ungeimpften Kinder. Ab fünf Jahren ist die Impfung zugelassen. Aus unsere Sicht ist die Impfung immer der Erkrankung vorzuziehen. Für Kinder unter fünf Jahren – regulär ab sechs Monaten – bieten wir sogenannte "off-label"-Impfungen an. Eltern kommen mittlerweile aus ganz Deutschland zu uns, um ihre Kinder unter fünf Jahren impfen zu lassen.

Mittlerweile ist der Genesenenstatus von sechs auf drei Monate verkürzt. Überrascht Sie das?

Es überrascht uns nicht. Eine Infektion mit der Delta-Variante schützt nicht von einer Infektion mit der Omikron-Variante. Die sogenannte Genesenenimpfung nach drei Monaten verbessert den Schutz erheblich und ist daher notwendig.

Ist das politische Willkür oder aus medizinischer Sicht nachvollzieh- und begründbar?

In der Pandemie müssen wir täglich dazu lernen und uns am wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn orientieren. Aktuell haben wir das Problem, dass auch vollständig geimpfte und "geboosterte" Personen an Omikron erkranken können. In der Regel mit einem leichten Verlauf. Sobald der "Update-Impfstoff" zur Verfügung steht, werden wir uns wahrscheinlich alle nochmals "boostern" lassen müssen. Auch jetzt kann es für Risikopatienten sinnvoll sein, eine vierte Impfung im Abstand von drei bis vier Monaten zum ersten "Booster" durchzuführen. Dabei erscheint es vorteilhaft, wenn man den mRNA-Impfstoff wechselt. Wer bisher Biontech hatte, sollte für den zweiten "Booster" Moderna wählen. Unsere Patienten in den Baiersbronner Altersheimen haben wir bereits Ende 2021 das zweite Mal mit Moderna "geboostert". Ich selbst habe ebenfalls den zweiten "Booster" mit Moderna erhalten.

Bleibt Genesenen nur derselbe Ausweg wie jenen, die sich mit Johnson & Johnson grundimmunisieren ließen – eine Auffrischungsimpfung?

Genesenen Patienten bleibt nur die Genesenenimpfung nach drei Monaten, um wieder als vollständig immunisiert zu gelten.

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