Günther Hermus kämpft verzweifelt und verlässt dabei die sachliche Ebene. Ein dynamisches Team um Bettina Preisser soll das Rottweiler Tierheim aus der Krise führen.
Die Worte kommen Günther Hermus auf der Mitgliederversammlung des Tierschutzes Rottweil nur schwer über die Lippen. „Ich werde auf der nächsten Hauptversammlung als Vorsitzender des Tierschutzvereins Rottweil zurücktreten“. Ein Schritt, mit dem er „den Unfrieden beilegen“ wolle.
Großer Unmut Immer wieder bricht Hermus Stimme. Er zeigt sich verletzt. Weniger von der Reaktion der Bürgermeister, die sich in unserer Zeitung öffentlich gegen den Vorsitzenden geäußert hatten. Vielmehr schmerzen ihn „die Sticheleien innerhalb des Vereins“, sagt er.
„Sticheleien innerhalb des Vereins“
Hermus Herz hängt am Tierschutz. Das sei ihm abgesprochen worden. Gefallen lasse er sich das nicht. Auch nicht auf der Mitgliederversammlung. Erneut reagiert er impulsiv, will sich durchsetzen und bekommt dafür Gegenwehr.
Er müsse sich an Recht und Gesetz halten, sagt ein Mitglied. Er, wie fünf weitere Mitglieder, verweigern danach die Gefolgschaft, als Hermus vorschlug, ein Nichtmitglied in den Beirat zu wählen.
Stellvertreterin leitet Versammlung
Bettina Preisser, die versucht die Situation zu deeskalieren, bedauert die kommunikativen Entgleisungen, steht ansonsten aber hinter Hermus. Er mache sehr viel für den Tierschutz, sagt sie. Opfere seine Zeit und kenne sich „unglaublich gut aus“.
Preisser ist Stellvertreterin von Hermus und musste die Sitzung am Montagabend leiten. Die letzte Sitzung, 2023, sei aufgrund von Unstimmigkeiten abgesagt worden. Die nächste, voraussichtlich im Frühjahr 2025 wolle sie dann als Vorsitzende leiten.
Die finanzielle Situation Über eine Lösung der finanziellen Situation, wurde auf der Sitzung nicht gesprochen. Allein im Jahr 2023 lagen die Einnahmen des Vereins bei 132 000 Euro, die Ausgaben bei 264 700 Euro. Der Erweiterungsbau im Kleintierbereich wurde durch eine hohe Erbschaftssumme ausgeglichen.
Finanzielle Lösung noch nicht in Sicht
Preisser – nach der Sitzung darauf angesprochen – informierte, dass sie die Gespräche mit den Bürgermeistern gemeinsam mit Verena Marquardt bereits aufgenommen habe.
Was rückliegend geschehen war, bedauere sie und nannte die einseitige Auflösung der Fundtierverträge mit den Gemeinden ein „vorschnelles Handeln“.
Die Wogen glätten In der Sache stärkt sie Hermus aber den Rücken. Er habe nicht allein gehandelt. Als 2021 die Fundtierverträge mit den Gemeinden beschlossen wurden, habe keiner geahnt, dass die mit den Gemeinden vereinbarten Beträge die Tierheimkosten nicht ausgleichen können.
Eskalation mit den Gemeinden
Seither liegen die Nerven blank, erklärt Preisser, wie es zur Eskalation mit den Gemeinden kommen konnte. Jetzt gelte es in gemeinsamen, ergebnisorientierten Gespräche die Wogen zu glätten. Mit der Stadt Rottweil sei das bereits gelungen. Ihr sei bestätigt worden, dass an dem Vertrag festgehalten werde.
Sorgen bleiben An den hohen Tierarztkosten, wie es dem Tierschutz von einer Gemeinde vorgehalten wurde, werde das allerdings nichts ändern. Zwar sei ihr aus Gesprächen mit Tierärzten bekannt, dass andere Vereine notwendige Behandlungen aus Kostengründen ausfallen lassen, aber diesen Weg werde der Tierschutz Rottweil nicht gehen. Auch eine Zahnoperation sei eben notwendig. Sie sei teuer, aber auch Tiere hätten Zahnschmerzen. Und als Tierschutz wären sie angetreten, um das Leid der Tier zu verhindern und ihr Wohl zu schützen.
Tierarztkosten bleiben hoch, Weihnachtsgeld bleibt
Ebenso wenig werde am hervorragenden Personal gespart. Hier liegen die größten Kosten. Das Gehalt, das im Tierschutz Rottweil bezahlt werde, liege höher als „in den allermeisten Tierheimen“. Aber: „Sie sollen nicht nur überleben, sondern leben“. Sie werde sich auch dafür einsetzen, dass entgegen Hermus Aussage, das Weihnachtsgeld auch weiter ausbezahlt werde.
Hilfe suche sie woanders. Beim Tierschutzbund und dem Landestierschutz, sagt Preisser und im Teamwork mit motivierten Mitgliedern. „Es ist ein Mammutaufgabe. Aber ich werde den Kopf nicht in den Sand stecken. Es wird eine Lösung geben und wir werden sie finden, das haben wir schon immer“.