Ist bald nicht mehr das Gesicht des Stuttgarter Volleyballs: Kim Renkema und der Bundesliga-Verein gehen nach der laufenden Saison getrennte Wege. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der Volleyball-Bundesligist und seine Sportdirektorin können sich nicht auf eine Verlängerung des nach der Saison auslaufenden Vertrages einigen – wir erklären die Hintergründe.

Es ist ein paar Wochen her, da sprach Kim Renkema in einem Interview Klartext – und davon, dass Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart vor dem größten Umbruch seiner Geschichte stehe. Manche Leute, die beim Triple-Sieger der vergangenen Saison hinter die Kulissen blicken, ahnten schon damals, dass die Sportdirektorin dabei nicht nur an die Top-Spielerinnen Krystal Rivers (30), Roosa Koskelo (32) und Maria Segura Pallerés (32) dachte, deren Karrieren zwangsläufig bald zu Ende gehen werden. Sondern auch an sich selbst. Mittlerweile ist klar: Sportdirektorin Kim Renkema und Allianz MTV Stuttgart werden nach der laufenden Saison getrennte Wege gehen.

 

Wie es dazu kam? Ist eine längere Geschichte. Als offenes Geheimnis gilt, dass Kim Renkema und Aurel Irion nicht die größten Freunde sind, trotzdem haben die Sportdirektorin und der Geschäftsführer den Club gemeinsam zu großen Erfolgen geführt – und zuletzt zweimal (im Dezember 2018 und im Februar 2022) ihre Verträge um jeweils drei Jahre verlängert. Dazu wird es diesmal nicht kommen.

Kim Renkema scheitert mit ihren Wünschen

Kim Renkema hat nach Informationen unserer Zeitung sehr lange warten müssen, ehe das Gespräch über ihre Zukunft, um das sie gebeten hatte, stattfand – kurz vor Weihnachten haben sich die drei Gesellschafter Rainer Scharr (Chef des Hauptsponsors Scharr), Frank Fischer (Webix Solutions) und Nico Helwerth (Präsident des MTV Stuttgart) mit ihr getroffen. Mit dem Ergebnis ist die Sportdirektorin nach Recherchen unserer Zeitung alles andere als zufrieden gewesen. Sie selbst sagt dazu nur: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich zu dem Thema keine Stellung nehmen.“

Ihre Wege trennen sich: Aurel Irion und Kim Renkema. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Auf der Hand liegt, mit welchen Vorstellungen und Wünschen die Sportdirektorin in die Verhandlung mit den Gesellschaftern gegangen war: Kim Renkema, so ist zu hören, wollte mehr Verantwortung übernehmen, eventuell mit einem eigenen Budget, und sie hoffte darauf, in der vereinsinternen Hierarchie mehr Kompetenzen zugesprochen zu bekommen – um künftig zumindest annähernd auf Augenhöhe mit Aurel Irion agieren zu können. Dieses Ansinnen ist offensichtlich gescheitert. Stattdessen sollen die Gesellschafter Kim Renkema, die seit 2017 Sportdirektorin ist, nach zwei Drei-Jahres-Verträgen in der Vergangenheit (von Juni 2019 bis Juni 2022 und von Juni 2022 bis Juni 2025) diesmal nur einen Kontrakt mit einjähriger Laufzeit angeboten haben – diese Offerte hat die Sportdirektorin nicht angenommen.

Allianz verlängert nur um ein Jahr

„Das bedauern wir sehr“, sagt Hauptgesellschafter Rainer Scharr, „wir müssen kaufmännisch seriös agieren, haben ihr ein attraktives, aber realistisches letztes Angebot gemacht. Das hat sie leider abgelehnt.“ Hintergrund ist, dass der zweite Hauptsponsor Allianz laut Rainer Scharr angekündigt hat, seinen auslaufenden Kontrakt nur um ein Jahr verlängern zu wollen – somit fehlt es dem Verein an Planungssicherheit über diesen Zeitraum hinaus. „Folglich war es uns nicht möglich, im Fall von Kim Renkema anders vorzugehen“, erklärt Rainer Scharr, „ihr Verlust wiegt schwer, sie hat den Verein geprägt. Nun müssen wir dafür sorgen, ein neues Gesicht zu finden.“ Allerdings sei es nicht zwingend nötig, die Position von Kim Renkema und deren Aufgabenprofil exakt so beizubehalten: „Andere Vereine sind an dieser Stelle schlanker aufgestellt als wir.“

Wie es bei Kim Renkema beruflich weitergeht, ist offen. Allerdings hat sich die frühere Profi-Volleyballerin, die als Außenangreiferin mit Allianz MTV Stuttgart dreimal Pokalsiegerin wurde (2011, 2015 und 2017), ehe sie ins Management des Clubs wechselte und diesen als Sportdirektorin zur Nummer eins im deutschen Frauen-Volleyball machte, nicht nur in der Volleyballszene einen sehr guten Ruf erarbeitet. Nachdem bekannt wurde, dass sich die Vertragsverlängerung beim MTV hinzieht, sollen ihr von außen bereits mehrere Angebote unterbreitet worden sein.

Wer plant den nächsten Kader?

Schwer vorstellbar ist, dass Kim Renkema in dem halben Jahr bis zum Ende ihres Vertrags den Kader für die nächste Saison plant – sie kann als scheidende Sportdirektorin potenziellen Neuzugängen ja schlecht glaubhaft versichern, wie toll in Stuttgart alles laufe. Und zugleich ist fraglich, ob Spielerinnen wie Krystal Rivers, Roosa Koskelo (beide seit 2018 beim MTV) oder Maria Segura Pallerés (seit 2020 in Stuttgart), die bekanntermaßen eine vertrauensvolle Beziehung zu Kim Renkema pflegen, ihre Verträge noch einmal verlängern – weshalb tatsächlich ein Umbruch in bisher unbekannter Größe droht.