Eine brillante Vorstellung mit viel Witz gab Patrick Salmen – Meister im Poetry-Slam sowie Lyrik- und Prosaautor – bei Kunst und Kultur im Farrenstall.
Aktuell ist der 37-Jährige in der Republik auf Tour mit seiner Live-Leseshow „Im Regenbogen der guten Laune bin ich das Beige“ und füllte den Bürgersaal in Dornhan vor allem mit jungem Publikum.
„Ich habe Schuhgröße 46 und Spaß beim Schreiben von Büchern“, so stellte er sich vor. Dann fesselte er seine Zuhörer von der ersten Minute an mit ergötzenden Absurditäten seines Alltags zum einen durch seinen Schreibduktus, zum anderen durch seine Vorlesekunst.
Originelle Gedankenausflüge
Er ließ die Besucher abtauchen und voller Spannung den nächsten Satz verschlingen oder auf diesen warten. Denn ab und an schweifte er ab in andere originelle Gedankenflüge, um dann volle Kanne auf die entsprechende Buchpassage zurückzukommen. Da war bei allem Lachen Konzentration angesagt.
Denn zwischen den humoristischen Kurzgeschichten verstand er es, erfrischend und verrückt über sich zu quasseln, das Publikum in ein Gespräch zu verwickeln oder ein Quiz zu veranstalten.
Er verriet gerne die Quellen seiner komischen, tragischen oder einfach nur skurrilen Geschichten – in aufgeschnappten Gesprächsfetzen an Nebentischen in Cafés, während unterhaltsamer Zugfahrten mit wildfremden Menschen, bei Männergrillabenden, beim Abholen von Ebay-Artikeln, kurzum in jeder Art von Kommunikation, die der Autor einzigartig wiedergibt, indem er Versprecher, Mehrdeutigkeiten oder Paradoxien amüsant überzieht.
Selfcare-Coach der Herzen
Um gegen seine Ängste anzukämpfen, wurde ihm ein Dankbarkeits-Tagebuch nahegelegt, aus dem er Auszüge vorlas wie: „Ich bin der Sonnenschein, der den Morgentau der Frühlingswiese küsst, der Selfcare-Coach der Herzen“. Das überaus begeisterte Publikum konnte feststellen, dass der „beige Salmen“ pure Lebensbejahung verkörpert und ganz und gar nicht der Metapher für konventionell, blass und unauffällig entspricht.
Zu Minimalismus und Tiny-House fand er, dass so ein Konzept höchstens zu Peter Lustig gepasst hätte. Da könne man ja auch gleich zur Obdachlosigkeit im offenen Raum übergehen.
„Hort Seehofer“
Zu einer Besucherin, die im Dornhaner Kinderhaus arbeitet, sagte der Poet: „Das ist nichtssagend und könnte auch eine Babyklappe sein“. Sein Vorschlag: „Die sieben Plagen“ oder „Hort Seehofer“ für eher konservative Kinder.
Dann erzählte Salmen, dass die Erzieherin seines Sohnes ihn gefragt habe, ob er nicht Elternvertreter werde wolle. Die Aufgabe sei leicht, man käme nur zwei Mal im Jahr zusammen. Da hätte er leider immer Tennis, lautete seine Antwort. Er war dann aber der einzige Kandidat und wurde Elternbeiratsvorsitzender. Tosender Applaus für einen Abend voller grandioser Pointen.