Pater Reinhard Neudecker SJ ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Er war Träger der Bürgergermedaille der Stadt Geislingen. Foto: SJ-Bild

Pater Reinhard Neudecker SJ ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Er war Träger der Bürgergermedaille der Stadt Geislingen.

Pater Reinhard Neudecker ist tot. Der Jeusitenpater ist am Abend des 22. Novembers im Alter von 87 Jahren in Unterhaching bei München verstorben.

 

Er wurde in Langenbrück (poln. Moszczanka) in Oberschlesien als jüngstes von vier Kindern geboren. Nach Kriegsende wurde die Familie vertrieben und fand nach einer Zwischenstation in Ostfriesland in Geislingen eine neue Heimat.

Nach der Schulzeit in den katholischen Knabenkonvikten in Rottenburg und Rottweil trat er 1959 in den Jesuitenorden ein und studierte im Anschluss an das Noviziat Philosophie in Pullach und, nach einem Interstiz in Sankt Blasien, Theologie in Innsbruck, wo er 1971 promoviert wurde.

Forschungsprojekte an der ganzen Welt

 Danach spezialisierte er sich auf rabbinische Literatur am Hebrew Union College in Cincinnati (USA), wo er 1978 erneut promoviert wurde. Von 1978 bis 2013 war er Professor für rabbinische Literatur am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom. Er übernahm zahlreiche Gastprofessuren, unter andrem an der römischen Päpstlichen Universität Gregoriana, an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und an der Hochschule für Philosophie München, in den USA, auf den Philippinen, in Indonesien, Korea und Japan. Außerdem veröffentlichte er zahlreiche Beiträge auf dem Gebiet der rabbinischen Literatur und des interreligiösen Dialogs.

Obwohl er auch nach seiner Emeritierung 2008 noch zahlreiche Forschungsprojekte plante, zwang ihn unter anderem eine zunehmende Erkrankung der Augen im Frühjahr 2013 zur Rückkehr nach Deutschland.

Lebensabend in Unterhaching

Zunächst lebte er in Sankt Blasien, von wo aus er noch Forschungsprojekte in den USA und in Japan begleitete, zog aber nach einer schweren Augen-OP ab 2018 ins Katholische Bürgerhospital nach Mannheim und von dort 2020 in die Seniorenkommunität nach Unterhaching, wo er vor einigen Tagen verstorben ist.

Pater Neudecker kam viele Jahrzehnte lang regelmäßig über die Weihnachtsfeiertage von Rom aus in seine Heimatgemeinde Geislingen und hielt die Festgottesdienste mit vielbeachteten Predigten.

Träger der Bürgermedaille

Die Geislinger schätzten stets sein weltweites Wirken und seinen humanitären Einsatz. Ein besonderes Herzensanliegen, bei dem er auch vor allem durch Spenden von Geislingern unterstützt wurde, war ihm die Atse Tekle Ghiorgis-Schule in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.

Wegen seiner besonderen Verdienste im wissenschaftlichen sowie humanitären Bereich wurde ihm im November 2018 die Bürgermedaille der Stadt Geislingen verliehen. „Die Stadt Geislingen wird Pater Reinhard Neudecker SJ für sein segensreiches Wirken, seine Verbundenheit mit seiner Heimatgemeinde und seinen Einsatz für die Mitmenschen ein ehrendes Andenken bewahren“, schreibt die Stadt Geislingen in einem Nachruf.

Die Beerdigung findet am Montag, 1. Dezember, ab 14.30 Uhr auf dem Ordensfriedhof beim Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum, Wolfratshauser Straße 30 im bayerischen Pullach statt. Anschließend das Requiem in der Kapelle des Schulzentrums.