Pastoralreferentin Susanne Tepel leitet zusammen mit Pater Jennis die Seelsorgeeinheit Horb mit ihren acht Kirchengemeinden. Sie erhofft sich vom neuen Papst auch, dass Frauen in der katholischen Kirche mehr als eine „Notlösung“ sind.
2021 trat Susanne Tepel als Pastoralreferentin die Nachfolge von Diakon Klaus Konrad als pastorale Ansprechpartnerin an. Seither gilt Tepel als Frau der klaren Worte in der Gemeinde.
Das wird auch in ihren Worten zum Wirken von Papst Franziskus und ihren Wünschen an den künftigen Papst deutlich.
Wie bewerten Sie das Wirken von Papst Franziskus?
Papst Franziskus hat nicht an den Dogmen gerüttelt, sondern pastoral neu angesetzt – mit dem Blick auf den einzelnen Menschen und dessen konkrete Lebenssituation. Das ist unbequem, aber zutiefst evangeliumsgemäß. Leider hat dieser Ansatz nicht überall Zustimmung gefunden – denn es ist einfacher, Regeln abzuarbeiten, als sich auf den Einzelfall einzulassen.
Was erhoffen Sie sich vom neuen Papst?
Ich wünsche mir Weltoffenheit – und bitte kein Zurück mehr vor das Zweite Vatikanische Konzil. Die Herkunft des Papstes ist für mich zweitrangig. Entscheidend ist, dass er das menschennahe, pastorale Denken weiterführt: weg von starren Mustern, hin zu einem echten Hinhören auf die Menschen. Es geht nicht um bloße Reformen, sondern um einen mentalen Wandel – darum, dass wir uns trauen, anders zu denken als „das haben wir schon immer so gemacht“.
Was wünschen Sie sich für Frauen in der katholischen Kirche?
Ich wünsche mir, dass Frauen nicht länger die Notlösung oder die „Ersatzbank“ der Kirche sind. Es braucht Mut, Selbstbewusstsein – und die Freiheit, einfach zu handeln, wo es nötig ist. Frauen gestalten Kirche längst mit – oft gegen Widerstände. Auch ich selbst kämpfe in meiner Leitungsfunktion immer wieder mit überkommenen Rollenbildern und muss mich durchsetzen. Ich wünsche mir, dass das irgendwann nicht mehr nötig ist – weil Teilhabe ganz selbstverständlich ist.
Wenn Sie sich eine andere Bedeutung der Frauen in der katholischen Kirche wünschen – bedeutet das, dass Sie sich auch wünschen, dass das Priesteramt für Frauen geöffnet wird?
Ich persönlich glaube nicht, dass die bloße Öffnung des Priesteramts für Frauen die grundlegenden Probleme der Kirche lösen würde. Es wäre vor allem eine Erweiterung des bestehenden Systems – nicht unbedingt eine Veränderung desselben. Der Klerikalismus, der vielen so zu schaffen macht, würde einfach nur auf mehr Schultern verteilt. Ein Blick zu unseren evangelischen Geschwistern zeigt: Dort sind Frauen selbstverständlich Pfarrerinnen, das Zölibat ist kein Thema – und dennoch stehen viele vor ganz ähnlichen Herausforderungen. Darum halte ich die Diskussion um das Priesteramt der Frau für wichtig, aber letztlich auch ermüdend, wenn sie zum alleinigen Ziel wird. Viel entscheidender ist für mich: dass wir alle – Männer wie Frauen – die Möglichkeiten ausschöpfen, die wir bereits haben, um Zeuginnen und Zeugen der christlichen Botschaft zu sein. Unabhängig von Amt und Würden – und schon gar nicht von „Hochwürden“.