Verwirrung auf dem Bahnhof Foto: Melanie Jilg

Die Autorin beschäftigt sich mit den Geheimnissen der Gleis-Numerierung.

6-2-1-3: Kennen Sie, liebe Leser, diese Zahlenfolge? Nein, das ist nicht die geheime Telefonnummer des Bürgermeisters, die Anzahl der Erdmännchen in den Gehegen im Stadtpark oder die Schulnoten, die die Stadt Lahr für ihren Nahverkehr erhalten hat. Die Auflösung? Es ist die Reihenfolge der Gleise auf dem Lahrer Bahnhof. Vor allem bei Nicht-Lahrern sorgt das regelmäßig in Verwirrung. Würde man doch eher eine aufeinanderfolgende Zahlenreihe erwarten. Und wo sind eigentlich Gleis vier und fünf abgeblieben?

 

Mit der Numerierung habe es schon seine Richtigkeit, erklärt die Deutsche Bahn. Die Gleise seien in der Reihenfolge ihrer historischen Entstehung numeriert, damals, als in den 1990ern der Lahrer Bahnhof aus der Stadt rausverlegt wurde. Das heißt: Gleis eins war zuerst da, bevor auf einer Seite Gleis zwei und dann auf der anderen Seite Gleis drei gebaut wurde. Und auch ein Gleis vier gibt es. Da ist allerdings nur für die Durchfahrt beziehungsweise für den Güterverkehr gedacht und hat deshalb keinen eigenen Bahnsteig.

Gleis fünf führte in die Sackgasse

Auch Gleis fünf gab es einmal, nämlich zu der Zeit, als Lahr noch mehr Güterverkehr hatte. Allerdings war es nur ein Stumpfgleis – eine Art Gleis-Sackgasse, in die nur in eine Richtung eingefahren werden konnte. Inzwischen wurde es jedoch „aufgelassen“ – sprich abgebaut – , erklärt die DB.

Die Gleisnumerierung anzupassen, käme aber auf keinen Fall in Frage. Die aktuelle Verwirrung der durch Lahr Reisenden wäre nichts im Vergleich zu der der anderen Betroffenen. Denn wenn aus dem langjährigen Gleis sechs plötzlich Gleis eins, aus Gleis eins plötzlich Gleis drei und so weiter würde, könne das nur zu Chaos führen.

Vermutlich hat die DB damit recht. Denn so sehr es Durchreisende stören mag: Nach all den Jahrzehnten haben sich die Lahrer inzwischen an die Reihenfolge „6-2-1-3“ gewöhnt.

Vielleicht ein kleiner Trost für alle Zahlenverwirrten: Lahr ist nicht der einzige Bahnhof, der eine für den Personenverkehr ungewöhnlichen Gleisnumerierung aufweist. Efringen-Kirchen etwa gehe es da ganz ähnlich, erklärt die DB.