Dauerhaft genutzte Überlaufparkplätze, Staus und Dauerbeschallung von Rulantica: Im Ruster Gemeinderat gab es einige Beschwerden gegen den Europa-Park. Es wurde jedoch auch angemahnt, dass es Rust nur wegen des Parks so gut gehe.
Sie sind das Dauerthema in der Bürgerfragestunde des Ruster Gemeinderats: die Überlaufparkplätze des Europa-Parks, die eigentlich nur übergangsmäßig genutzt werden sollen, weil sie sich im Grünstreifen befinden. Auch bei der ersten Sitzung des Gemeinderats nach der Sommerpause fragte ein Bürger erneut: „Wie lange soll die vorläufige Nutzung noch dauern?“ Die Antwort von Bürgermeister Kai-Achim Klare blieb dieselbe: „So lange bis der Masterplan Verkehr komplett umgesetzt ist.“
Das heißt, so lange bis die geplante Monorail-Bahn gebaut, der ruhende Verkehr Richtung Autobahn verschoben und die Umfahrung Großparkplatz abgeschlossen ist. Ein konkretes Datum dafür gebe es noch nicht. Die Umfahrung Großparkplatz sei bislang zum großen Teil verwirklicht worden. Als Nächstes werde das 3,5-geschossige Parkdeck hinter dem Tipi-Dorf gebaut und auch am Wasserpark entstehe ein weiteres Parkdeck. Im Winter solle nun der Haupteingang so umgebaut werden, dass der ÖPNV diesen besser anfahren könne, um so den Individualverkehr einzudämmen. Die Fernbus-Parkplätze werden auf den alten Festplatz ausgelagert.
Zudem seien die Tage, an denen die Überlaufparkplätze genutzt werden, zurückgegangen, weil der Europa-Park sich selbst eine Tages-Besuchergrenze von „30 000 Gästen plus“ auferlegt habe. „Wir konnten sehr, sehr viel erreichen“, betonte Klare, wenngleich „es ein stetige fortschreitender Prozess ist“.
Viel Lärm und Lichtshow in den Sommerferien
CDU-Gemeinderat Benjamin Peter kritisierte später zum neuen Verkehrskonzept, dass es im Sommer an mehreren Tagen Rückstau im Dorf gegeben hatte. Dieser sei deswegen entstanden, weil der Europa-Park das Tor beim Sportplatz geöffnet hatte. Wenn es geschlossen ist, ist es seit der Inbetriebnahme der neuen Umfahrung des Großparkplatzes nicht möglich, den Europa-Park durch das Dorf anzufahren, sondern es ist nur ein Zufahrt über die Kreisstraße und die Umfahrung möglich. „Die neugebaute Straße hat ihren Sinn und Grund“, erklärte er. Nämlich eine Belastung des dörflichen Verkehrs durch den Park zu vermeiden. Bürgermeister Klare antwortete, dass man das bereits weitergegeben habe und das Tor zukünftig geschlossen bleibe.
Des Weiteren mahnte Peter an, dass durch den Bau der Großparkplatz-Umfahrung die Feldwege und deren Bankett in Mitleidenschaft gezogen werden. Er bitte auch darum, dieses wiederherzustellen. „Das kriegen wir hin“, so Klare.
ABfR-Rat Jörg Herdrich erklärte, es habe während der Monate August bis September viel Lärm, Musik und Lichtshows bei der Wasserwelt Rulantica gegeben. Er selbst sei „von so vielen Leuten im östlichen Teil von Rust“ angesprochen worden und könne dies auch bestätigen. Obwohl er gut einen Kilometer vom Wasserpark entfernt wohne, habe er in seinem Haus immer noch den wummernden Bass wahrgenommen. „Das war viel zu laut und viel zu oft. Das kann nicht die neue Realität sein“, erklärte er. Das Landratsamt habe einmal von maximal zehn Veranstaltungen im Jahr gesprochen.
Rust ist vom Europa-Park abhängig
Lukas Scheub, Beauftragter der Geschäftsführung Public Affairs und stets im Rat als Zuhörer, erklärte, man nehme die Kritik mit. Er bitte jedoch auch das Gesamtbild zu sehen – insbesondere auch im Hinblick auf den in der Sitzung festgestellten Jahresabschluss 2021. Dieser macht deutlich, wie stark die Wirtschaft in Rust vom Tourismus abhängig ist. „Der Tourismus muss hier laufen für die wirtschaftliche Stabilität“, machte er deutlich. Die Sommerferien seien wichtige Monate für das Dorf. Im ganzen Land gebe es derzeit massive strukturelle wirtschaftliche Probleme. „In Rust jedoch läuft es gut, wir sind wirtschaftlich stabil“, erklärte er. Der Europa-Park und die Gemeinde Rust erhielten weltweit Auszeichnungen für diese Entwicklung .
Erst jüngst habe man Österreich unter enormer Kraft- und finanzieller Anstrengung wieder aufgebaut. Zudem wies Scheub darauf hin, dass bislang immer Lösungen gefunden wurden. Die neue Achterbahn Voltron sei im Bürgerbeteiligungsverfahren entwickelt worden. Die Wodan habe man nach Bürger-Beschwerden mit Lärmschutz ausgestattet. „Es gibt Themen, aber ich bitte diese in den Gesamtzusammenhang einzuordnen“, betonte Scheub.
Man nehme auch den Erfolg wahr und schätze ihn, beschwichtigte Bürgermeister Klare. Man habe viel ermöglicht und geschafft, aber gleichzeitig gebe noch Themen zum Austarieren. „Wir wissen , was vom Europa-Park geleistet wird. Und hinter jeder Kritik steht ja auch der Wunsch, dass es einfach noch besser wird“, so Klare.
Das Jahr 2021 zeigt die Auswirkungen von Corona
„Man sieht, wie stark wir im positiven, aber auch im negativen Sinne vom Tourismus abhängig sind“, bilanzierte Bürgermeister Kai-Achim Klare anlässlich des Jahresabschlusses 2021. Es sei der zweite Jahresabschluss nach der Umstellung auf Dopik und der zweite unter den Auswirkungen von Corona. Auch wenn der Haushalt 2021 mit einem Minus abschließe, sei es immerhin nicht so schlimm gekommen, wie in der Planung befürchtet, erklärte Kämmerin Marion Fleig. Da 2021 der Tourismus stärker als erhofft wieder angezogen habe, waren die Erträge 942 000 Euro höher gewesen, als in der Haushaltsplanung festgesetzt. Auch die Ausgabenseite war um 1,2 Millionen Euro besser ausgefallen als gedacht – auch durch die Bemühungen des Rates zu sparen und Projekte zu schieben. Zudem seien aufgrund der Schließung der Kitas rund 210 000 Euro weniger Kosten eingefallen. Der Haushalt 2021 fiel somit insgesamt 2,2 Millionen Euro besser aus als veranschlagt. Der vorgesehene Kredit in Höhe von 7,8 Millionen Euro wurde aber trotzdem aufgenommen. 12,9 Millionen Euro Einnahmen standen 17,6 Millionen Euro Ausgaben entgegen, wodurch sich ein Verlust von 4,7 Millionen Euro ergab. Gemeinsam hat Rust für die beiden Coronajahre 2020 und 2021 einen Verlust von 12,7 Millionen Euro zu verzeichnen. „Einen großen Anteil können wir aber mit dem Jahresgewinn 2022 verrechnen. Es sieht also nicht so schlecht aus“, machte Fleig Mut. Man habe Corona letztendlich gut gemeistert, betonte Ewald Scherer (FW) auch für seine Ratskollegen. „Weil wir eine große Solidargemeinschaft sind und viele verzichtet haben, weil sie den Ernst der Lage erkannten.“