Immer gleiche Hits, immer gleiche Muster – der deutsche Schlager bleibt sich treu. In der Schleyerhalle bei DJ Ötzis „Mountain Mania“ funktioniert das trotzdem erstaunlich gut.
DJ Ötzi ist an diesem Freitagabend passend zur noch jungen Wasensaison in Stuttgart zu Gast, er bringt nicht nur die Berge in die Landeshauptstadt, sondern auch seine liebsten Freunde und Kollegen aus dem deutschsprachigen Schlager-Universum.
Ballermann trifft Wasen: Das Publikum bei DJ Ötzi im Ausnahmezustand
Die Schleyerhalle ist bereits um 19 Uhr großzügig besucht. Herz des Bühnenbildes ist eine hölzerne Almhütte, aus der am Abend ein Schlagersternchen nach dem anderen durch die Türe spazieren wird. Dahinter – was auch sonst? Die mit Schnee bedeckten Gipfel. Jener Sehnsuchtsort des Gastgebers.
Das Publikum ist an diesem Abend sichtlich gut gelaunt. Man sieht Tracht, Fußballtrikots, leuchtende Krönchen und blinkende Haarkränze. Kurzum: Als hätte man den Ballermann, Après Ski in Ischgl und das Oktoberfest in einen Raum gesteckt, um zu schauen, wer bei den eingängigen Hits am meisten Textsicherheit aufweist. Auffällig außerdem: Dutzende Ötzi-Fans; auf dem Kopf die ikonische weiße Mütze des Sängers. Der ein oder andere Gast hat sich wohl schon das ein oder andere Getränk vor Start der Veranstaltung genehmigt, die Zungen liegen beim Mitsingen schon etwas bleiern im Mund, es wird geschwankt, der ein oder andere muss kurz frische Luft schnappen.
Hitparade ohne Überraschung: Schlagerstars bei „Mountain Mania“ im Dauerdurchlauf
Auf Die Draufgänger folgen Matty Valentino, Anna-Maria Zimmermann, DJ Ramazotti, Stereoact, Mr. President und Anja Bavaria – ein Line-up wie aus der Après-Ski-Playlist.
Ein Höhepunkt ist der Auftritt von Florian Silbereisen mit Hits wie „Ich war noch niemals in New York“. Am Instrument treffen schließlich Mickie Krause, Silbereisen und DJ Ötzi zusammen. Gemeinsam singen sie „Aber bitte mit Sahne“ und „Er gehört zu mir“.
Leicht bekleidete Tänzerinnen werden vom Publikum angefeuert, während bei „Sing Halleluja“ goldenes Konfetti durch die Halle regnet. Drei in die Jahre gekommene Männer, umgeben von jungen, aufreizend gekleideten Frauen – braucht es das? Beim Publikum kommt es auf jeden Fall an.
Spätestens bei „Völlig losgelöst“ ist die Halle im kollektiven Ausnahmezustand.
Der Gastgeber kommt spät: DJ Ötzi zwischen Zurückhaltung und Dauerbrennern
Nach drei Stunden steht er da, im schwarzen Hoodie: DJ Ötzi. Mit „Anton aus Tirol“, „A Mann für Amore“ und „Der hellste Stern“ übernimmt er das Ruder – ganz schön Zeit gelassen hat er sich, der Mann, auf den alle gewartet haben. Auffällig dabei: Ötzi bleibt den ganzen Abend über zurückhaltend, ohne Starallüren. Er wirkt weniger wie der große Promi als vielmehr wie ein Gastgeber, der anderen gerne die Bühne überlässt – angenehm unaufgeregt.
Nur nebenbei verweist er auf sein neues Album ÖHA, das pünktlich zur Show erschienen ist. Darauf findet sich auch der virale Hit „Tirol“, der über Social Media ein zweites Leben bekommen hat. Das Release-Konzert folgt am 30. April in Aspach.
Zwischen Eskalation und Klischee: Warum „Mountain Mania“ von DJ Ötzi trotzdem funktioniert
Dann noch einmal Eskalation mit Mickie Krause: Flammen lodern hinter der Almhütte, „Geh mal Bier holen“ und „Schatzi schenk mir ein Foto“ funktionieren wie erwartet. Betrachtet man die Texte aus feministischer Perspektive, kommt man in Teufelsküche – nach einigen Bier und in einer vollen Schleyerhalle kommen sie trotzdem an.
Zum Finale stehen noch einmal alle gemeinsam auf der Bühne, Lametta rieselt von der Decke, bevor DJ Ötzi den Abend am DJ-Pult mit 2010er-Partybangern ausklingen lässt.
Was bleibt, ist ein Abend ohne Überraschungen. Der deutsche Schlager scheint sich ungern neu zu erfinden – stattdessen dominieren Cover und immer gleiche Klassiker von Marianne Rosenberg und Co., weil sie funktionieren. Der Stimmung tut das keinen Abbruch.
Die „Mountain Mania“ ist ein unterhaltsames Konzept – eines, das im Bierzelt oder im Après-Ski-Lokal vermutlich noch besser funktionieren würde als im Konzertkontext. Denn so sehr es sich danach anfühlt: Man steht eben nicht auf der Bierbank, sondern in einer Konzerthalle.