Partnervermittlung in Stuttgart Dating für Millionäre: „Unsere Klientel möchte nicht tindern“

Theresa Schäfer
Mutter und Sohn: Anita G. Schwarzenberg und ihr Sohn Philipp führen die Partnervermittlung Sympathica gemeinsam. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski/Montage: Ruckaberle

In ihrer Kundendatei sind Namen, die auf der „Forbes“-Liste stehen: Anita G. und Philipp Schwarzenberg sind Mutter und Sohn – und suchen für die „oberen Zehntausend“ nach der Liebe.

Am Klingelschild in der Stuttgarter Kronprinzstraße sucht man die Partnervermittlung Sympathica vergebens. „Unsere Kunden legen sehr viel Wert auf Diskretion“, erklärt Anita G. Schwarzenberg. Entweder weil sie sehr bekannt sind. Oder: sehr reich. Seit mehr als 40 Jahren sucht die heute 68-Jährige für die „oberen Zehntausend“ die Liebe. Seit 2016 zusammen mit ihrem Sohn Philipp (36). Sechs Büros hat Sympathica in Deutschland, eines in Österreich und eines in der Schweiz. Die Schwarzenbergs empfangen in repräsentativen Räumen mit Blick auf die Königstraße, die Mutter trägt Blazer und Bleistiftrock, der Sohn ein Einstecktuch in der Brusttasche seines dunkelblauen Anzugs.

 

Frau und Herr Schwarzenberg, wie flirten Schwaben?

Anita Schwarzenberg (lacht): Auch Schwaben sind nur Menschen und flirten ganz normal. (An ihren Sohn gewandt): Oder wie siehst du das?

Philipp Schwarzenberg: Ich kann nicht sagen, dass in unserer Klientel Menschen von hier so viel anders flirten als Berliner oder Hamburger. Aber hier achtet man sehr aufs Menschliche. Man ist weniger statusorientiert. Ich erinnere mich an einen Unternehmer aus dem Südwesten – seine Firma ist ein Weltmarktführer. Das war so ein sympathischer und bodenständiger Mensch, er hat es überhaupt nicht raushängen lassen, dass er ein echtes Schwergewicht der deutschen Wirtschaft ist.

Haben Sie in Stuttgart und Baden-Württemberg viel Kundschaft?

Anita Schwarzenberg: Absolut. Wir eröffnen immer nur ein Büro, wenn wir auch eine Nachfrage sehen. Das war hier definitiv der Fall.

Woran liegt das? Am solventen schwäbischen Mittelstand?

Anita Schwarzenberg: Ganz sicher. In Baden-Württemberg gab es schon immer Menschen mit guten Ideen, nirgends werden ja auch mehr Patente angemeldet.

Philipp Schwarzenberg: Wo Menschen wirtschaftlichen Wohlstand schaffen, entsteht die Klientel, für die unsere Leistungen interessant sind.

Was sind das für Menschen, die sich an Ihre Agentur wenden? Aus welchen Bereichen kommen sie? Adel, Politik, Wirtschaft?

Anita Schwarzenberg: Das alles und mehr.

Philipp Schwarzenberg: Wir haben eine wirklich sehr interessante Kundschaft. Der Großteil ist akademisch gebildet, das ist aber keine Zugangsvoraussetzung. Es sind Medizinerinnen und Mediziner dabei, Menschen aus dem juristischen Umfeld – das geht bis hoch zu Menschen, die auf der „Forbes“-Liste stehen. (Anmerkung der Redaktion: Das Magazin „Forbes“ listet jedes Jahr die vermögendsten Menschen in Deutschland und der Welt auf.)

Und warum kommt für die nicht die Disco oder Tinder infrage, um ein Date zu finden?

Anita Schwarzenberg: Unsere Klientel möchte nicht tindern. Für diese Menschen ist es unvorstellbar, auf irgendeiner Dating-Plattform ein Foto hochzuladen. Kleines Beispiel aus der Praxis: Ein erfolgreicher Unternehmer schaut sich bei Parship um – und findet dort das Profil seiner Sekretärin. Das ist für diese Menschen wirklich heikel.

Philipp Schwarzenberg: Ab einem gewissen Status ist es einfach schwieriger, eine Partnerin oder einen Partner zu finden. Jemanden für eine Beziehung auf Augenhöhe, bei dem man sich sicher sein kann, dass er oder sie es nicht auf das Vermögen oder den Status dieses Menschen abgesehen hat.

Ok, kein Tinder. Aber was ist mit der Nebensitzerin an der Uni oder dem netten Herrn in der Schlange an der Operngarderobe?

Anita Schwarzenberg: Wenn das tatsächlich so einfach wäre, würden viele Menschen nicht den Weg zu uns finden. Unsere Kunden haben meist ganz klare Vorstellungen und Werte, die ihnen wichtig sind – und sie wünschen sich jemanden, der diese teilt. Genau das macht die Suche oft so herausfordernd.

Philipp Schwarzenberg: Auf einer Vernissage oder bei einem Charity-Event jemanden anzusprechen, dafür muss man auch gemacht sein. Für alle, die es etwas ruhiger, aber dennoch zielgerichtet mögen – ohne Umwege –, sind wir die passende Adresse.

Anita Schwarzenberg: Ein ganz wichtiger Punkt ist auch Sicherheit. Dass man weiß, wenn ich mich hier für ein Date verabrede, kann sich daraus auch etwas entwickeln. Mein Gegenüber meint es wirklich ernst.

Anita G. Schwarzenberg und ihr Sohn Philipp. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Und wie sortieren Sie Menschen aus, die es nicht ernst meinen? Heiratsschwindler zum Beispiel?

Anita Schwarzenberg: Vor nicht allzu langer Zeit hatten wir eine Mail von einem gut aussehenden 25 Jahre alten Mann. Der schrieb, dass er sich für ältere, wohlhabende Damen „zur Verfügung stellen“ würde. Solche Mails landen bei uns direkt im Papierkorb.

Wäre das bei jungen Frauen genauso?

Philipp Schwarzenberg: Ganz genauso. So etwas machen wir nicht, wir sind keine Sugar-Daddy-Agentur. Die Männer, die uns beauftragen, legen großen Wert darauf, dass ihre potenziellen Partnerinnen finanziell auf eigenen Beinen stehen. Sie betrauen uns mit der Suche nach einer Partnerschaft auf Augenhöhe.

Haben Sie da über die Jahre ein Gespür entwickelt, eine Art Radar für schwarze Schafe?

Anita Schwarzenberg: Ich höre das in den ersten Sätzen raus.

Philipp Schwarzenberg: Man merkt sofort, wenn ein Mensch nicht authentisch ist. Das sind oft ganz kleine Anzeichen. Und dann haben wir einen mehrstufigen Prozess, um die Menschen auf ihre Integrität zu überprüfen. Um den kommt auch niemand herum, der in unsere Kartei aufgenommen werden will.

Und diese Kartei hüten Sie vermutlich wie Ihren Augapfel, oder?

Philipp Schwarzenberg: Die ist gesichert wie Fort Knox. Diskretion ist in unserem Bereich das A und O.

Und wie läuft eine Vermittlung dann ganz praktisch ab?

Philipp Schwarzenberg: Wenn der erste Kontakt für beide Seiten stimmt, gibt es ein ausführliches Beratungsgespräch. Da wird der eigene Background besprochen und die Erwartungen, die man an eine Partnerschaft hat. Welche Werte hat man, welche Wünsche, was ist nicht verhandelbar? Auf dieser Basis machen wir Partnervorschläge – bei bekannten Persönlichkeiten mit einem Alias. Geben beide Seiten grünes Licht, kommt es zum ersten Treffen. Darauf bereiten wir unsere Kunden auch vor. Aber zum Date mitgehen – das tun wir nicht. Das bekommen die Zwei ganz allein hin.

Was lassen sich Ihre Kunden eine solche Partnervermittlung kosten?

Anita Schwarzenberg: Das kommt vor allem darauf an, wie intensiv die Betreuung sein soll. Wenn wir das erste Rendezvous organisieren, den Flug buchen, den Tisch im Restaurant reservieren und dafür sorgen, dass ein Blumenstrauß auf dem Tisch steht . . .

Das machen Sie?

Philipp Schwarzenberg: Wenn es gewünscht ist, natürlich. Dass wir da nicht über 500 Euro sprechen, sollte relativ offensichtlich sein. Das ist mit sehr hohem Aufwand verbunden. So eine Art von Leistung ist nur im fünfstelligen Bereich abzubilden. Das schätzen diese Kunden aber auch, das ist ihnen das Private wert.

Und wie schnell geht’s, bis es funkt?

Anita Schwarzenberg: Das kommt ganz stark auf den Einzelnen an. Wie offen jemand ist – und ob er beim Treffen den richtigen Ton trifft.

Was ist denn ein No-Go-Gesprächsthema fürs erste Date?

Anita Schwarzenberg: Ex-Partner. Wie schrecklich der Ex-Mann oder die Ex-Frau war.

Philipp Schwarzenberg: Oder wie toll! Beides ist Mist.

Anita Schwarzenberg: Wir raten unseren Kunden, beim ersten Date allen Ballast zu Hause zu lassen. Alles Negative, Belastende, Angst, Ärger bleiben daheim. Sie sollen mit der Einstellung in dieses Treffen gehen: Jetzt schaue ich einfach mal, was das Leben mit heute schenkt.

Liebe auf den ersten Blick – gibt es die auch bei Ihnen?

Anita Schwarzenberg: Die gibt es immer.

Philipp Schwarzenberg: Ich würde schätzen, dass wir ungefähr acht Prozent unserer Kunden beim ersten Kontakt vermitteln. Puff, verknallt – haben wir wirklich immer wieder.

Anita Schwarzenberg: Wobei richtige Liebe wachsen will. Niemand sollte davon ausgehen: Ich gehe zu einer Agentur . . .

Philipp Schwarzenberg: . . . und dann ist es wie in Hollywood. So funktioniert das mit der Liebe nicht.

Gibt es auch Fälle, bei denen Sie die Waffen strecken müssen?

Anita Schwarzenberg: Es gibt die Unbelehrbaren. Die ziehen knallhart ihre Strategie immer wieder durch und wundern sich dann, dass die nicht zum Erfolg führt. Und wir können uns den Mund fusselig reden, diese Menschen hören einfach nicht auf uns. Was es auch nicht einfacher macht: Wenn die Vorstellungen zu spezifisch werden. 1,90 Meter groß, durchtrainiert, maximal 60, möglichst wesentlich jünger als die Partnersuchende, neunstelliges Vermögen – karierte Maiglöckchen können wir nun mal nicht liefern.

Apropos durchtrainiert – wie wichtig ist die Optik?

Philipp Schwarzenberg: Natürlich spielt Aussehen eine Rolle. Man möchte nun mal morgens neben jemandem aufwachen, den man gerne anschaut. Die Optik ist einer von mehreren Faktoren, die bei der Partnersuche eine Rolle spielen. Und das ist der Grund, warum wir alle unsere Kunden zu einem professionellen Fotografen schicken. Dunkle oder unscharfe Handyfotos erhöhen nicht eben die Erfolgschancen. So ein Foto muss die beste Version der Persönlichkeit widerspiegeln.

Auf Ihrer Homepage beziffern Sie Ihre Erfolgsquote mit 90 Prozent. Wie definieren Sie Erfolg?

Philipp Schwarzenberg: Da haben wir klare Messkriterien. Wenn wir zwei Menschen matchen und die sind danach ein Jahr in Kontakt, dann kann man davon ausgehen, dass sie zusammenbleiben. Wir halten das immer ein bis anderthalb Jahre nach und definieren das dann als Erfolg.

Wird denn da letztendlich wirklich die wahre Liebe gefunden – oder ist das nicht eher eine Verbindung zweier großer Vermögen oder namhafter Familien?

Philipp Schwarzenberg: Wir knüpfen keine Zweckehen. Aber es gibt einen Grund, warum es heißt „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Meine Verlobte kommt zum Beispiel auch aus einer Unternehmerfamilie. Sie kennt das, sie kann verstehen, was ich mache, was mich bewegt, welche Verantwortung ich habe.

Anita Schwarzenberg: Man kommt zu uns, weil man die Liebe sucht. Punkt.

Zur Person
Anita G. Schwarzenberg ist seit den 1980er Jahren in der Partnervermittlung tätig. Nebenher zog sie vier Kinder groß. Heute führt die 68-Jährige die Agentur Sympathica mit ihrem Sohn Philipp. Der 36-Jährige sagt, er habe schon als kleines Kind im Büro die Schreibtischschubladen ausgeräumt. Nach dem Studium stieg er 2016 voll ins Unternehmen ein.