Marco Schaffert, Sindaco Pierluigi Biondi und Ludwig Kohler beim Empfang. Foto: Volkshochschule

Ein Besuch zur Städtepartnerschaft nach L’Aquila wird für viele Rottweiler zum einmaligen Erlebnis.

Die Perdonanza Celestiniana (deutsch: Cölestinische Vergebungsfeier) geht auf die Bulle Inter sanctorum solemnia (Bulle der Vergebung) zurück. Mit ihr gewährte Papst Cölestin V. im Jahr 1294 allen Gläubigen einen vollkommenen Ablass, die am Festtag der Enthauptung Johannes des Täufers (29. August) ihre Sünden in wahrer Reue beichten, in der Basilika Santa Maria di Collemaggio beten, an der heiligen Messe teilnehmen und im Anschluss durch die für 24 Stunden geöffnete Porta Sancta (Heilige Pforte) schreiten.

 

Eine der Besonderheiten dieses Ablasstages ist seine jährliche Wiederholung. Dadurch entwickelte sich über die Jahrhunderte hinweg ein reiches Brauchtum mit Festumzügen, Bühnen- und Musikveranstaltungen.

Der 731. Ablass aller Sünden

2019 wurde die Perdonanza Celestiniana in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Drei Jahre später feierte Papst Franziskus persönlich die Vergebungsfeier in L’Aquila.

In diesem Jahr wurde sie zum 731. Mal gefeiert. Was wäre also nahe liegender, um die enge Verbundenheit der Städte Rottweil L’Aquila für die Zukunft zu festigen, als mit einer Gruppe zu genau diesem Zeitraum nach Italien zu reisen.

Hilfe beim Erdbeben von 2009

Denn diese Städtepartnerschaft, Ende der 1980er-Jahre geboren aus der Erinnerung an Adamo von Rottweil, der im 15. Jahrhundert als Buchdrucker und Schriftsteller nach L’Aquila kam, hat sich tief eingeschrieben in das kollektive Gedächtnis der L’Aquilaner.

Dies geht zum einen auf die vielen persönlichen Begegnungen und Reisen von Rottweilern und L’Aquilanern in den vergangenen drei Jahrzehnten zurück. Doch noch viel intensiver erlebten die Stadtbürger L‘Aquilas die schnelle und enorme Hilfsbereitschaft vieler Rottweiler nach dem schrecklichen Erdbeben von 2009.

Eine hohe Delegation

Das durfte 25 Mitreisende im Rahmen einer durch das europäische Programm Erasmus+ für Weiterbildungseinrichtungen unterstützen Bildungsreise, inhaltlich gestaltet durch Ludwig Kohler, Vorsitzender der Amici dell’ Aquila, erfahren.

Unter den Mitreisenden befanden sich Kulturamtsleiter Marco Schaffert als Vertreter der Stadt, Anja Rudolf, Leiterin der Volkshochschule als Organisatorin sowie Barbara Bihler, Heide Friederichs und Hildegart Keller, die sich nach dem Erdbeben als Stadtbotschafterinnen vor Ort in L’Aquila intensiv engagierten und seitdem den Kontakt eng pflegen.

Standarten und Fahnenschwinger

Beim Empfang der Partnerstädte überreichte Schaffert Oberbürgermeister (italienisch: Sindaco) Pierluigi Biondi und der Beigeordneten (italienisch: Assesora) Ersilia Lancia eine Stadtansicht Rottweils, gestochen von Merian. Im Gegenzug erhielt er einen in L’Aquila hergestellten Fayenceteller mit dem Wappentier Adler überreicht.

Foto: Volkshochschule

Beim sich anschließenden festlichen Corteo, dem Umzug durch die Stadt mit Honoratioren der Stadt, Vertretern der befreundeten Städte, Standartenträgern, Fahnenschwingern, den farbenprächtigen Mitgliedern der „Gruppo storico“ mit der „Dame der Bolla“ durfte die Delegation aus Rottweil mit der Stadtfahne mitgehen.

Rottweiler sind tief bewegt

Die anschließende Messe zelebriert Kurienkardinal Pietro Parolin, Sekretär von Papstes Leo XIV, der zum Abschluss mit dem Olivenholz klopfend um Einlass durch die Heilige Pforte bat.

Noch Tage später zeigten sich die Mitreisenden bewegt von der italienischen Gastfreundschaft, der Lebensart, der Schönheit der Abruzzen, der Bedeutung von San Vittorio, , dem köstlichen Essen, der wissenschaftlichen Bedeutung des National Institute for Nuclear Physics (INFN) und seinen Forschungsprojekten zur Schwarzen Materie „und all dem anderen Frau Rudolf. Ich kann es gar nicht in Worte fassen“, sagte eine Mitreisende.