Ein 41-Jähriger ist wegen versuchten Mordes an seiner Mutter angeklagt. Foto: Elena Baur

Ein 41-Jähriger steht wegen versuchten Mordes an seiner Mutter vor Gericht. Die Partnerinnen des Angeklagten konnten nun von einprägsamen Erlebnissen berichten.

Zwei unterschiedliche Frauen schilderten am Freitag vor dem Landgericht, wie sich der Zustand des Angeklagten über die Jahre verändert hat. Und beide berichteten von ähnlichen wahnhaften Erlebnissen.

 

Dem 41-Jährigen wird vorgeworfen, Mitte Februar versucht zu haben, seine Mutter in ihrem Haus zu verbrennen. Bereits in den Verhandlungstagen zuvor war durch die Mutter selbst und schließlich durch die Geschwister die Sprunghaftigkeit des Angeklagten beschrieben worden. Die Ex-Freundin und die Ehefrau konnten am dritten Prozesstag noch mehr über die Verschlechterung des Zustands des Vaters ihrer Kinder berichten.

Ex-Freundin hat Angst vor dem 41-Jährigen

Verängstigt und unsicher betrat als erstes die Ex-Freundin den Gerichtssaal. Sie hatte sich anwaltlicher Unterstützung geholt. Immer wieder schaute sie verunsichert in die Richtung des Angeklagten, der eine der wenigen Male im bisherigen Prozess seine Miene veränderte – und ihr ein Lächeln schenkte.

In ihrer Aussage gab sie an, Angst davor zu haben, dass der Angeklagte über den Tisch springen und ihr etwas antun könnte. Denn: In der zweiten Auflage ihrer Beziehung seien einige unschöne Dinge passiert. Ihr Anwalt ermutigte sie immer wieder, von ihren Erlebnissen zu berichten.

Angeklagte habe sich verfolgt gefühlt

Bereits mit 17 Jahren seien sie und der Angeklagte in einer Entzugsklinik zusammengekommen. Wenig später hätten sie bei seiner Mutter gewohnt und einen Sohn bekommen. Der 41-Jährige hätte damals liebe, aber auch extreme Seiten gehabt – mal radikal links, dann wieder überzeugter Nazi, berichtet sie.

Außerdem hätte sich der Angeklagte verfolgt gefühlt. Einmal habe er ihr sogar vorgeworfen, sie sei von der Polizei und spioniere ihn aus. Bei einem Gassenfest hätte er mit einer Armbrust auf Leute geschossen, bis er von der Polizei überwältigt werden konnte.

Ex-Freundin von Wiedersehen überrascht

Sie trennte sich von ihm, als er mit Freunden, so habe er berichtet, „zur Friedensnobelpreisübergabe“ gefahren sei, „um Barak Obama umzubringen“, erklärt die Ex-Freundin und nennt noch den vermeintlichen Zielort – dieser war nicht etwa Oslo, wo die Nobelpreise verliehen werden.

Nach langer Zeit ohne Kontakt und einem Sorgerechtsstreit vor Gericht war sie umso überraschter, als der Angeklagte im November 2023 plötzlich bei ihr in der Wohnung gestanden sei. Er wollte wieder einziehen und mit ihr zusammensein.

Angeklagter wollte Selbstmord begehen

Sein Verhalten in dieser Zeit sei ihr „komisch“ vorgekommen. Er habe sehr viel geredet und mehrfach berichtet, dass er Menschen getötet oder es zumindest vorhabe. Bei seiner Arbeit im Altenheim hätte er Sterbehilfe betrieben, habe er ihr einmal erzählt. Später soll er versucht haben, sich von einer Brücke zu stürzen. Die Polizei habe das verhindert.

Bei einem Wiedersehen nach diesem Vorfall, als sie ihm Medikamente bringen wollte, sei er „wie ihm Wahn“ gewesen, habe sie festgehalten und immer wieder betont, dass sie doch ein gutes Paar seien, beschreibt die 40-Jährige. Doch aus ihrer Sicht habe das nicht der Realität entsprochen.

„Da war niemand mehr“

Von ähnlichen Erlebnissen konnte auch die Ehefrau des Angeklagten berichten. Nach ein paar stabilen Jahren, wie sie fand, sei der Angeklagte wieder den Drogen und dem Alkohol verfallen. Sein Zustand sei zuletzt so schlimm gewesen, dass sie ihn gebeten habe, nicht mehr nach Hause zu kommen, da das kein guter Umgang für zwei kleine Kinder sei.

Die 44-Jährige beschrieb einen Vorfall, bei dem er nachts in seinem Zimmer gestanden sei und nicht mehr aufgehört habe zu schreien. Er sei nicht bei sich gewesen. „Da war niemand mehr“, sagt sie vor Gericht. Dreimal habe es solche Vorfälle gegeben. Er sei wirr gewesen und hätte neben sich gestanden. Einmal habe er auch einen Mann im Garten sitzen sehen, der gar nicht da war.

Ehefrau schätzt 41-Jährigen als gefährlich ein

Sie hätte lange Zeit die Hoffnung gehabt, dass er das Problem erkenne. Auch wenn er immer sage, dass er seine Kinder liebe, hätte er es nicht geschafft, stabil zu bleiben. Obwohl er sie nie körperlich angegangen habe, hätte sie denn doch Angst gehabt, dass er sie auf dem Weg zum Kindergarten mit den Kindern abfangen könnte. Es sei erschreckend, dass sie ihn jetzt für gefährlich einschätze.

Der Prozess wird am Dienstag, 25. November, fortgesetzt.