In den französischen Partnerstädten der Wolftal-Gemeinden gab es nach den Urnengängen neue Chefs in den Rathäusern. Gerade in Cavalaire-sur-mer gab es Theaterdonner.
Im Großen galt die französische Kommunalwahl Mitte März als letzter großer Stimmungstest vor der Präsidentschaftswahl 2027 – mit einem eher diffusen Gesamtbild ohne klaren Sieger.
Im Kleinen schlugen die Wellen in den Partnerkommunen von Wolfach und den Wolftal-Gemeinden teilweise hoch und bescherten in zwei Fällen auch neue Chefs in den Rathäusern.
Cavalaire-sur-mer: Nicolas Rodriguez heißt der neue Bürgermeister von Wolfachs Partnerstadt an der Côte d’Azur. Mit seiner Liste Cavalaire notre Commune erhielt er direkt im ersten Wahlgang 55,3 Prozent der Stimmen (2848 Stimmen). Obwohl der Abstand zum bisherigen Amtsinhaber Philippe Leonelli und dessen Liste L’Énergie du Coeur (44,7 Prozent, 2303 Stimmen) auf den ersten Blick knapper wirkt, liegen im Gemeinderat Welten zwischen den Lagern: 23 Sitze hält Cavalaire notre Commune, gerade sechs Sitze gingen an L’Énergie du Coeur. Grund ist eine Besonderheit im französischen Kommunalwahlrecht, wonach nur die Hälfte der zu vergebenden Sitze proportional nach den Stimmen aufgeteilt werden. Die andere Hälfte erhält obendrauf automatisch die Liste mit den meisten Stimmen.
Maßgebliches Thema im Wahlkampf und auch jetzt im Nachgang: das Multi-Millionen- Projekt Coeur de Ville. Philippe Leonellis 2018 angestoßenes Herzensprojekt sollte Cavalaire ein echtes Stadtzentrum bescheren. Dazu sollte ein Areal von 32 000 Quadratmetern, unter anderem mit dem ehemaligen Stadion und dem Marktplatz, komplett neu gestaltet werden. Nicolas Rodriguez (32), aus Cavalaire stammender Architekt, kritisierte das Vorhaben mit seiner Liste im Wahlkampf als „überdimensioniertes Projekt“. In einer Mitteilung vom Dienstag dieser Woche erklärte Rodriguez, den Stopp des Stadtzentrum-Projekts eingeleitet zu haben. Laut Rodriguez sei ein großer Kredit nicht bewilligt worden und aufgrund niedrigerer Zuschüsse „fehlen heute mehr als 40 Millionen Euro in den Kassen der Gemeinde, um dieses Projekt zu finanzieren“.
Philippe Leonelli, der seit 2014 Bürgermeister war, meldete sich seinerseits am 1. April auf Facebook zu Wort: „Dieser Wahlkampf wird eine ganz besondere Spur hinterlassen.“ Er sei geprägt gewesen „von einer bislang beispiellosen Gewalt in den sozialen Netzwerken“. Der Austausch von Ideen sei zugunsten der Ablehnung einer einzelnen Person oft in den Hintergrund gedrängt worden. Das Wahlergebnis akzeptiere er dennoch „voll und ganz“. Und, so kündigt Leonelli für den Gemeinderat an: „Von nun an werden wir eine konstruktive, wachsame und entschlossene Opposition sein.“
Still: Zum Start-Ziel-Sieg wurde die Kommunalwahl für Alexandre Goncalves: Der 2020 erstmals gewählte Bürgermeister trat mit seiner Liste „Still, notre village, notre engagement“ als einziger Bewerber in der Oberwolfacher Partnergemeinde an. Bei einer Wahlbeteiligung von 52,8 Prozent erhielt Goncalves 648 Stimmen. Der neue Gemeinderat von Still umfasst 20 Sitze.
La Tranche-sur-mer: Auch in Bad Rippoldsau-Schapbachs Partnergemeinde gibt es einen neuen Bürgermeister: Philippe Moussion. Mit seiner Liste Unis pour la Tranche erzielte er 69,4 Prozent der Stimmen (1592 Stimmen, 20 Sitze im Rat). Konkurrent Thierry Née kam mit seiner Liste Une nouvelle ènergie pour La Tranche auf 30,6 Prozent (702 Stimmen, drei Sitze).
Ein bestimmendes Thema im Vorfeld der Wahl: Ein seit 2023 schwelender Strafprozess gegen den bisherigen Bürgermeister Serge Kubryk. Erst im Frühjahr hatte Kubryk erklärt, nach 18 Jahren im Amt nicht mehr zu kandidieren. Im Juni 2023 war Kubryk wegen Belästigung, Bedrohung und Einschüchterung einer Rathaus-Angestellten zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 10 000 Euro verurteilt worden. Endgültig rechtskräftig wurde das Urteil im Dezember 2025, nachdem Kubryk seine Berufung zurückgezogen hat.
Der neue Bürgermeister Philippe Moussion ist 67 Jahre alt und ehemaliger Geschäftsführer im Ruhestand. „Mein Ziel: La Tranche-sur-mer zu einer dynamischen, geeinten und zukunftsorientierten Gemeinschaft zu machen“, warb er im Vorfeld.