Ein Werbespruch des Hauptsponsors Winamax löst beim Sportwagenhersteller Ärger aus. Aber wie kam es überhaupt dazu – wir liefern die Hintergründe.
In den vergangenen Tagen stand eine schöne Reihe von Porsche-Autos in der Mercedesstraße. Sichtbar platziert vor dem Clubgelände des VfB Stuttgart. Einer der Sportwagen war dabei nicht nur in Blau lackiert, sondern er trug sogar das Logo des Lokalrivalen Stuttgarter Kickers. Aufmerksame Beobachter könnten meinen, dies sei die kleine Rache des großen Unternehmens, weil sich Porsche, der künftige VfB-Investor, zuvor über ein Vorkommnis beim Fußball-Bundesligisten geärgert hatte – aber weit gefehlt.
Nun handelte es sich tatsächlich um einen Kickers-Porsche, aber es parkten dort auch ein schnittiger Wagen mit VfB-Emblem und Autos, die Borussia Mönchengladbach und den FC Erzgebirge Aue repräsentierten. Denn bei all diesen Vereinen engagiert sich die Edelmarke mit ihrem Nachwuchsförderkonzept „Turbo für Talente“.
Wie ist der Spruch überhaupt gemeint?
Der VfB trug das stark besetzte Jugendturnier des neuen Partners jetzt erstmals aus. Und bis zum ersten Anpfiff mussten zwischen Bad Cannstatt und Zuffenhausen einige Wogen geglättet werden, weil sich der Porsche-Finanzchef Lutz Meschke dazu veranlasst sah, sich vom aktuellen VfB-Trikot- und Hauptsponsor Winamax klar zu distanzieren.
Eine Werbeanzeige des Wettanbieters im Stadionmagazin löste den Unmut aus. Auf der letzten Seite des Hefts wurde sie veröffentlicht – dem traditionellen Platz für den Hauptsponsor. Jahrelang warb dort die Mercedes-Benz-Bank, jetzt Winamax mit dem Marketingspruch „Von den besten Autos zu den besten Quoten. Das Beste bleibt – Zusammen für den VfB.“
Erstmals erschien das Ganze vor dem ersten Heimspiel in der Bundesliga gegen den VfL Bochum. „Diese Werbeanzeige war unsere Ankündigung im Stadionheft, dass wir beim VfB jetzt am Ball sind. Sie ist mit einem Augenzwinkern gemeint gewesen“, sagt Felix Boddenberg, bei Winamax für das Marketing in Deutschland verantwortlich.
Ein zweites Mal erschien die Anzeige zum Landesduell gegen den SC Freiburg – und da bezogen Meschke und Co. die Botschaft auf das eigene Unternehmen. Der Ärger am vergangenen Donnerstag war groß, als die Rede darauf kam. Was unmittelbar beim Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle und dem Marketingvorstand Rouven Kasper im Clubhaus mit dem roten Dach ankam.
Vor allem Kasper klärte den Hintergrund auf. Porsche sei nicht gemeint und die Aktion ausschließlich auf den Wechsel im Sponsorenbereich gemünzt gewesen. Bisher fungierte ja der Ankerinvestor Mercedes als Trikotsponsor. Das bestätigt Boddenberg: „Wir wollten hier eine werbliche Assoziation erzeugen, da Deutschland als Autoland die besten Autos produziert. Dabei ging es nie um spezielle Automarken.“
Wird die Anzeige jetzt geändert?
Unabhängig von den Geschehnissen wird der Inhalt der Anzeige zum nächsten Heimspiel geändert. Dennoch wird klar, dass sich der VfB bei allem Verständnis für Anlaufschwierigkeiten in einem sensiblen Bereich bewegt – kommunikativ und atmosphärisch. Porsche will nicht in Verbindung mit dem Hauptsponsor genannt werden. Die bei den Fans umstrittene Wettbranche erachtet man nicht als passendes Umfeld. Sie lässt sich schlicht nicht mit den Firmenwerten vereinbaren. Das soll Meschke auch vor dem Aufsichtsrat der VfB AG verdeutlicht haben.
Noch sitzt aber kein Porsche-Vertreter im Kontrollgremium. Ende September sollen die Investorenverträge unterschrieben werden und Porsche für 20 Millionen Euro die erste Tranche für fünf Prozent der Anteile an der VfB AG überweisen. Weitere fünf Prozent und 20 Millionen Euro folgen, um sich mit Mercedes auf Augenhöhe zu bewegen. Gemeinsam ergibt das mit MHP das sogenannte württembergische Weltmarkenbündnis. Dieses will jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Sponsorendeal rund um den französischen Wettanbieter auftauchen.
Der VfB weiß das. „Wir sind zu allen Themen mit unseren Partnern im direkten und vertraulichen Austausch“, sagt Kasper. Die entstandenen Irritationen wurden in einem Gespräch ausgeräumt. Das Verhältnis zwischen Porsche und dem VfB hat sich wieder entspannt. So weilte Wehrle zur Begrüßung der U-15-Fußballer im Porsche-Museum, und Meschke, der auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist, war wie der VW- und Porsche-Chef Oliver Blume an der Mercedesstraße, um die Turniersieger zu ehren.
Auch die Porsche-Vorstandsmitglieder Albrecht Reimold und Andreas Haffner sowie Sebastian Rudolph, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, waren da. Eine prominente Porsche-Riege – was wohl zweierlei ausdrückt. Erstens: wie wichtig dem Unternehmen die Nachwuchsförderung ist. Zweitens: dass der baldige VfB-Investor seine Rolle aufmerksam und aktiv gestalten wird.