Christian Lindner bringt die FDP als Bollwerk gegen Schwarz-Grün in Stellung. Doch das Argument ist nicht zu Ende gedacht. Es könnte sich am Ende sogar gegen die FDP wenden, kommentiert Hauptstadtkorrespondent Tobias Peter.
Christian Lindner ist ein Spieler. Der FDP-Chef hat darauf gesetzt, dass die Überlebenschancen seiner Partei besser werden, wenn er ein vorzeitiges Ende der Ampel betreibt. Jetzt hat er kurz vor der Wahl ein mäßiges Blatt auf der Hand, da seine Partei in Umfragen bei vier Prozent verharrt.
Der Spielzug, auf den Lindner jetzt setzt: Auf ihrem Parteitag hat die FDP ausgeschlossen, nach der Wahl mit den Grünen zu koalieren. Lindner wirbt damit, eine Stimme für seine eigene Partei sei eine, mit der Schwarz-Grün verhindert werden könne.
Die letzte Karte
Richtig daran ist: Wenn die FDP in den Bundestag einzieht, ist eine Mehrheit für Schwarz-Grün unwahrscheinlich. Lindner hat also ein Argument auf seiner Seite, das manche überzeugen könnte – zumal die Ablehnung gegenüber den Grünen teils riesig ist. Hat der Parteichef einen Hebel gefunden, um die FDP über die Fünf-Prozent-Hürde zu hieven? Lindner spielt nur die letzte Karte, die er in der Hand hält. Am Ende könnte sich seine Argumentation sogar gegen die FDP wenden.
Nach drei Jahren Ampel ist für viele Menschen vor allem eines abschreckend: ein erneutes Dreierbündnis. Schwarz-Grün gilt angesichts der Unterschiede in der Migrationspolitik und der Ablehnung eines solchen Bündnisses durch die CSU als eher unwahrscheinlich. Für Schwarz-Gelb dürfte es nicht reichen. Viele stellen sich auf Schwarz-Rot ein. Auch danach hat niemand Sehnsucht. Aber die Vorstellung einer Dreierkoalition aus Union, SPD und FDP dürfte vor der Wahl kaum mobilisierend für die FDP wirken.
Für diejenigen, die liberal denken, könnte eher etwas ausschlaggebend sein, das FDP-Vize Wolfgang Kubicki kürzlich gesagt hat. Wenn die FDP es nicht in den Bundestag schafft, werde die Partei „über kurz oder lang aufhören zu existieren“, warnte er. Ein gewichtiges Argument. Aber auch ein verzweifeltes.