Unser Leser Hannes Reis äußert sich zum Protest gegen die AfD auf dem Obertorplatz in Hechingen. Foto: SB

Hannes Reis aus Hechingen bewertet den Protest gegen den Landesparteitag. Diese Bilanz zieht er.

Vergeblich wartete ich auf einen Pressebericht, der sich mit den Inhalten der sonntäglichen Kundgebung des breiten Hechinger „Bündnisses für Demokratie und Menschenrechte“ befasst. Der Forderung, die AfD inhaltlich zu stellen, und nicht mit gängigen flachen Parolen, sondern differenziert kam das Bündnis in hohem Maße nach. Was mir besonders gefiel war die Vielfalt der Beiträge nicht zuletzt die poetischen und philosophischen Texte.

 

Birgit Kruckenberg-Link trug ein Gedicht von Bodo Wartke vor, in dem er das Land beschrieb, „in dem ich (nicht) leben möchte“. Bernhard Hurm und Linda Schleps vom Theater Lindenhof Melchingen verlasen Texte von Ernst Bloch und Immanuel Kant aus seinem bekannten Alterswerk „Zum ewigen Frieden“ von 1795. Kant prägte auch den Satz „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“. Das ist nötiger denn je.

Dieter Grupp, Vorsitzender vom Gedenkstättenverein Bisingen, wies prägnant auf die Versuche der AfD hin, die NS-Zeit zu verharmlosen, die Erinnerung daran zu relativieren und allmählich aus dem Bewusstsein verschwinden zu lassen.

„Das war kein Vogelschiss“

Ich war kürzlich mit einer Pilgergruppe im Museum KZ Bisingen, in dem einem eindrücklich vor Augen geführt wird, wie vor unserer Haustür Häftlinge durch Arbeit in dem irrwitzigen Projekt „Wüste“ vernichtet wurden. Das war kein Vogelschiss. Mit dem gemeinsam gesungenen „All you need is Love“ endete die friedliche, Farbe bekennende Kundgebung. Saidon Train heizte den Verbliebenen ein, gegen die zunehmende Kälte.

Hannes Reis, Hechingen-Stetten

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