Landtagsabgeordneter Jonas Hoffmann (links) und Ortsvereinsvorsitzender Marius Kipfmüller (rechts) ehrten die Jubilare Katja Schäfer (von links), Jochen Giesinger, Horst Hoffmann und Leon Intveen. Foto: Tim Nagengast

Der SPD-Ortsverein Grenzach-Wyhlen steckt in einem Dilemma. Wie die Genossen gegensteuern wollen und warum dies schwierig wird, zeigt sich an ihrer Streuobstwiese.

Als Beispiel dafür kann die SPD-Streuobstwiese am Bandweg herhalten. Erst vor sechs Jahren vom Ortsverein gepachtet und seither von Mitgliedern hergerichtet, belebt und gepflegt, steht das Projekt vor dem Aus. „Es gibt niemanden mehr, der sich um die Wiese kümmern will“, wie Co-Vorsitzender Marius Kipfmüller am Donnerstagabend im Rahmen der Mitgliederversammlung der Genossen im „Auerhahn“ mit Bedauern sagte. Zwar bot der ehemalige Ortsvereinsvorsitzende Robert Blum spontan an, die Pacht für die Obstwiese zu übernehmen, doch das Grundproblem wurde dadurch nicht gelöst. „Es macht niemand. Und wir können auch niemanden für diese Arbeit bezahlen“, sagte Kipfmüller resigniert.

 

Blum ruft nach einem Aufbruch

Nicht nur dieser Punkt war es, der Blum zu einem flammenden Appell an die Genossen verleitete. „Wir müssen sichtbarer werden. Wir müssen wieder Farbe bekennen und zeigen, wofür wir als SPD in der Gemeinde stehen, welche Themen wir haben. Wir müssen streitbarer, eckiger, kantiger, aggressiver auftreten mit den Themen der SPD und diese auch nach außen tragen“, schrieb der frühere Vorsitzende den an diesem Abend 15 anwesenden Genossen ins Stammbuch. Durch den Ortsverein müsse „ein Ruck“ gehen, rief Blum. Und dazu gehöre auch das Engagement jüngerer Mitglieder, derer die SPD in der Doppelgemeinde tatsächlich einige hat. „Beim Roten Stammtisch – ein fixer Termin im Monat – waren immer nur wir Alten. Wo sind die Jüngeren? Wir sollen kein Altvorderenverein aus dem 19. Jahrhundert sein“, hob Blum seine Stimme.

Angst vor der Vergreisung

Diese Kritik griffen sowohl Fraktionssprecherin Katja Schäfer als auch Heinz Intveen auf, der dem Gemeinderat mehr als 50 Jahre lang angehört hatte. Mit den Worten „Hier im Saal sind vielleicht drei Leute unter 40“, blickte Intveen in die Runde und fragte nachdenklich: „Was ist denn in zehn Jahren, wenn wir ganzen Alten nicht mehr da sind?“

Schäfer dagegen warb um Verständnis dafür, dass viele jüngere Menschen heute – auch beruflich – stark eingebunden seien. Zwar sei es richtig, dass die Sozialdemokraten vor Ort wieder sichtbarer werden müssten. „Dazu gehört dann aber auch, Punkte aus unserem Wahlprogramm umzusetzen und damit Zeichen zu setzen“, sagte Schäfer.

Genossen wollen mehr erklären

Gehe es beispielsweise um Themen wie die derzeit „gehypten“ (Schäfer) Kindergartenbeiträge, zeige die SPD zwar Gesprächsbereitschaft, „aber bis auf eine einzige Person ist niemand deswegen zu unseren Fraktionssitzungen gekommen“. Stattdessen kursierten „viele Fehlinformationen und Halbwahrheiten“. Hier seien die Genossen gefordert, den Bürgern zu erklären, dass die SPD als Partei zwar grundsätzlich für kostenfreie Kitas stehe, dies vor Ort aber so nicht umsetzen könne. Denn das eine sei ein Thema „für Stuttgart“, das andere ein Problem der klammen Gemeindefinanzen. „Viele Bürger können zwischen Ortsverein und Fraktion nicht trennen. Wir müssen den Menschen erklären, dass wir als Fraktion immer Kompromisse eingehen müssen und die Kindergartengebühren nicht einfach so erhöhen, weil wir das toll finden, sondern, weil wir einfach kein Geld haben“, brachte Marianne Müller es auf den Punkt.

Sorge vor weiterem Rechtsruck

Marius Kipfmüller hatte zu Beginn der Versammlung eine kurze Rückschau gehalten. Besonders sorgen bereite ihm der nach seinem Empfinden weitere Rechtsruck der Gesellschaft seit der Bundestagswahl. Die zu verzeichnenden Stimmenzuwächse für die AfD gingen einher mit einer Zunahme von „Gewalttätigkeiten und Zerstörungen, die auch vor unserer Gemeinde nicht haltmachen“. Ein Beispiel sei die zum wiederholten Male beschädigte und beschmierte Sitzbank der SPD. Aufgrund der Schriftzüge könne von einer politisch motivierten Sachbeschädigung ausgegangen werden, sagte Kipfmüller. Die SPD lasse sich davon aber keineswegs ins Bockshorn jagen, sondern werde weiterhin demokratische Werte verteidigen und im Kampf gegen rechts nicht nachlassen, versicherte der Vorsitzende.

Verdiente Genossen geehrt

Am Ende der Versammlung ehrten Kipfmüller und Hoffmann einige Jubilare. Leon Intveen besitzt seit zehn Jahren das rote Parteibuch. Dafür gab es nebst Urkunde und Ehrennadel auch eine rote Rose. Gleiches erhielten auch Katja Schäfer und Jochen Giesinger, die beide seit 25 Jahren SPD-Mitglieder sind, sowie Horst Hoffmann für 40 Jahre. In Abwesenheit geehrt wurden die frühere Vorsitzender Friedlinde Müller (40 Jahre), Erika Claßen (50), Denis Kummerer und Tobias Lämmlin (beide zehn Jahre), Jeanette Biester-Schmidt (25) Und Hagen-Gunter Kreuz (40 Jahre).