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Parkplätze unsicher gemacht Drifter gefährden Touristen in Freudenstadt

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Wenn Wintersport-Touristen und Drifter aufeinander treffen, ist die Unfallgefahr hoch. (Symbolfoto) Foto: Mikhail Starodubov/ Shutterstock

Verkehrschaos, Müll, Unrat: Das kleine Schwarzwalddorf Kniebis leidet seit Tagen unter dem corona-bedingtem Touristenansturm. Und dazu kommen noch sogenannte Drifter, die die schneebedeckten Parkplätze unsicher machen. Warum diese Fahrer dem Ortsvorsteher ein besonderer Dorn im Auge sind und er sogar um Leib und Leben der Wintersport-Gäste fürchtet, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Freudenstadt-Kniebis - Zwischen fünf und acht Fahrzeuge der Drifter-Szene rücken an den Wochenenden jeweils an, berichtet Kniebis-Ortsvorsteher Helmut Klaißle. Das gehe seit Jahren so - nicht erst seit der Corona-Pandemie. Sobald Schnee liege, würden die Fahrer auf den Parkplätzen ihre Runden drehen. Zwischendrin werde angehalten, vor den Kofferräumen etwas getrunken. "Was ist da mit dem Abstand?", fragt sich Klaißle. Er bezweifelt, dass sich die Fahrer an die Corona-Auflagen halten. Neben Driftübungen wurden auch schon Fahrmanöver, bei denen Schlitten oder Bobbycars an die Autos angehängt wurden, beobachtet.

Kind stirbt bei Drift-Unfall in Thüringen

Vor dem Lockdown seien die Fahrer erst gegen Abend gekommen, durch die nächtliche Ausgangssperre hätten sich die Treffen nun auf die Nachmittage verschoben. Was zuvor nur für die Anwohner wegen des Lärms ärgerlich war, ist so auch für die Wintersport-Gäste problematisch. Denn Klaißle ist überzeugt, dass die Manöver der Fahrer für andere gefährlich sind. Diese Einschätzung wird durch ein tragisches Unglück in Gera (Thüringen) bestätigt. Dort verlor ein Mann vor Kurzem beim Driften die Kontrolle über seinen Wagen und baute einen Unfall, bei dem ein vierjähriges Mädchen starb. Dass es auf dem Kniebis zu einer ähnlichen Tragödie kommt, will Klaißle verhindern. "Das können wir nicht dulden", sagt er.

Doch was tun? Der Ortsvorsteher erzählt, dass die Drifter-Gruppe immer verschwindet, sobald die alarmierte Polizei zum Kontrollieren auftaucht. Außerdem sei es schwer nachzuweisen, ob jemand absichtlich driftet oder das Fahrzeug einfach wegen Schnee ins Schleudern gerät. Das berichtet auch Polizeipressesprecher Dirk Wagner. Das "Drifter-Problem" sei bekannt und die Polizei sei - vor allem auch wegen der Touristenmassen - derzeit verstärkt in den Kreisen Freudenstadt und Calw unterwegs. Während dieser Einsätze werde auch auf Drifter geachtet. Sie zu ertappen sei jedoch schwer. 

Risiko eines Kontrollverlusts "ist enorm"

Dazu kommt, dass Driften per se in Deutschland nicht verboten ist. Diese Auskunft gibt ADAC-Pressesprecher Julian Häußler. Allerdings könnten den Fahrern Sanktionen drohen, wenn beim Fahren gegen Verkehrsregeln verstoßen wird. Das sei vor allem dann der Fall, wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Zudem könne Driften aus Sicht des Umweltschutzes als unnötiger Lärm und vermeidbare Abgasbelästigung gewertet werden, so Häußler weiter. Denkbar sei ferner auch eine Einstufung als Belästigung durch sogenanntes unnützes Hin- und Herfahren.

Der ADAC-Pressesprecher stuft die Fahrmanöver ebenfalls als Gefahr ein. "Grundsätzlich haben Fahrmanöver wie Driften im öffentlichen Straßenverkehr, auch auf einem Parkplatz, nichts zu suchen", führt er aus. Das Risiko eines Kontrollverlusts des Fahrzeugs und damit einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer sei enorm. Häußler appelliert: "Wer die Grenzen des Fahrverhaltens seines Autos erleben möchte, sollte das ausschließlich bei speziell dafür ausgelegten Kursen oder Fahrsicherheitstrainings tun. Diese finden unter Aufsicht und im sicheren Rahmen auf abgesperrten Geländen abseits des öffentlichen Straßenverkehrs statt."

Faszination Driften

Aber warum wagen Fahrer in der Öffentlichkeit rasante Manöver und gefährden dadurch andere und sich selbst? Florian Franz von drift.de erklärt: "Seit es Fahrzeuge gibt, gab es auch schon immer Fahrer mit dem Wunsch, diese Fahrzeuge im Grenzbereich zu bewegen." Deshalb seien vor rund 100 Jahren die ersten permanenten Rennstrecken entstanden. Für die meisten Menschen sei der klassische Motorsport allerdings unerreichbar, viele Veranstaltungen seien zu teuer geworden und speziell für Fans des kontrollierten Übersteuerns fehle es an Angeboten. Viele Fahrer experimentierten daher im öffentlichen Straßenverkehr und dabei gehe häufig etwas schief. "Diese Treffen haben in den Augen professioneller Drifter weniger mit 'Driften' zu tun, das ist eher 'Jugend forscht'", führt der Chefcoach einer Drift-Schule aus. Deshalb gehörten solche Experimente auch absolut nicht in den öffentlichen Straßenverkehr, betont er. 

Gleichzeitig berichtet Franz, dass es zu wenig legale Übungsplätze gibt. Das liege auch daran, dass sich Anwohner neben Drift-Plätzen häufig über Lärm beschwerten. "In Ermangelung legaler Alternativen wächst dann halt wieder die Anzahl der Fahrer, die ihre ersten Experimente auf der Straße machen", erklärt Franz. 

Bekommen Parkplätze Schranken?

Auf dem Kniebis spielt man indes mit zwei Gedanken, um der Sache Herr zu werden: Die Parkplätze könnten mit elektronischen Schranken versehen und dann Parkgebühren erhoben werden. Außerdem wäre eine Videoüberwachung denkbar. Bis diese Maßnahmen umgesetzt wären, wäre der Winter zwar vermutlich schon vorbei. Aber solche Lösungen würden auch in Zukunft weiterhelfen, so Ortsvorsteher Klaißle. Schließlich seien die Parkplätze schon vor der Corona-Pandemie im Winter bei einer Auslastung von 100 Prozent gewesen - durch die "Corona-Touristen" sei man derzeit bei 200 Prozent. Bedarf an Organisation und Regulierung existiert also zu Genüge. Tendenz steigend. Denn auch ohne die "Pandemie-Gäste" wird sich der Trend zum Deutschland-Urlaub - so ist der Ortsvorsteher überzeugt - fortsetzen. 

Direkt umsetzbare Maßnahmen wie die Sperrung der Parkplätze durch manuelle Schranken schätzt Klaißle wegen des Personalaufwands als nicht machbar ein. Derzeit werde ohnehin schon ein immenser Aufwand betrieben, um mit dem Corona-bedingtem Touristenansturm umzugehen. Feuerwehr, Bergwacht, Polizei seien im Einsatz, um an Wochenenden die Straßen zu sperren. Indes machen nicht nur die überfüllten Parkplätze Probleme. Vor Ort gibt es wegen des Lockdowns auch keine Infrastruktur zur Versorgung der Gäste. Keine Toiletten, keine Gastronomie. "Ich würde gerne eine öffentliche Toilette aufmachen, wenn ich jemand hätte, der sie betreut", sagt Klaißle. Aber wer sei derzeit schon bereit, dort zu arbeiten?

Touristen halten sich nicht an Verkehrsregeln

Derweil kämpfen Schwarzwaldorte wie Kniebis auch weiter mit ignoranten Wintersport-Touristen, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten. Klaißle erzählt von mehreren Vorfällen. So parkte beispielsweise ein Fahrer mit seinem Pickup auf einem Waldweg und blieb prompt mit dem Fahrzeug stecken. Ein weiterer Fahrer sei wiederum mit seinem SUV bei einem Parkversuch hinter einer Bushaltestelle im Graben gelandet. Andere Fahrer würden indes mit ihren Wägen in den Wald und sogar über Loipen fahren. "Das ist ein Riesenproblem", so Klaißle.

Er hat zwar Verständnis dafür, dass es die Leute derzeit in den Schwarzwald und nach draußen zieht. Der Ortsvorsteher würde sich jedoch wünsche, dass nicht alle Gäste geballt anrücken. Schließlich freut sich Helmut Klaißle trotz all der Herausforderungen über den vielen Schnee und sagt: "Ich hoffe, dass der Lockdown auch wieder vorübergeht und wir einen normalen Zustand erreichen."

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