Der Gewerbe- und Handelsverein (GHV) berichtet von einem deutlichen Rückgang der Kundenfrequenz. Foto: Otto

Die Kritik um die neuen Parkgebühren in Rottweil reißt nicht ab. Jetzt fordert der GHV: Die Stadt soll zu den bisherigen Parkregelungen zurückkehren – zumindest bis Jahresende.

Kaum etwas bringt die Rottweiler so in Rage wie die neuen Parkgebühren, die Mitte September eingeführt wurden. Das wirkt sich auch spürbar auf den Handel aus, wie Tobias Rützel und Marcus Frank vom Gewerbe- und Handelsverein beklagen. Sie warnen vor ernsten Konsequenzen und fordern die Stadt zum Gegensteuern auf.

 

„Viele Bürger meiden derzeit die Innenstadt – aus Protest gegen die neuen Gebühren“, geben Rützel und Frank die zusammengefassten Eindrücke der GHV-Mitglieder weiter. Leidtragende seien aber nicht die Entscheidungsträger, sondern jene, die tagtäglich um Kundschaft und Gäste bemüht seien. „Händler, Gastronomen und Dienstleister berichten übereinstimmend von einem deutlichen Rückgang der Kundenfrequenz.“

Einführung der Parkgebühren trifft Innenstadt ins Mark

Die Parkgebühren hätten spürbar Bewegung in die Innenstadt gebracht – allerdings in die falsche Richtung: Sie träfen diese ins Mark. Aus den Reihen der Innenstadtakteure heiße es, man habe sich im Vorfeld für einen „moderateren und späteren Einstieg“ stark gemacht.

Dennoch seien die Gebühren nun in Kraft – mit unmittelbaren Folgen: weniger Besuchern auf dem Wochenmarkt, leeren Stühlen in den Gastronomie-Betrieben und rückläufigen Umsätzen im Handel.

Auch kirchliche Einrichtungen, die Volkshochschule und Kulturbetriebe spürten die angespannte Stimmung. Und Kirchgänger hätten jüngst beklagt, sogar für den sonntäglichen Gottesdienst Parkgebühren entrichten zu müssen.

Kunden geht es ums Prinzip

Im Gespräch mit den Kunden zeige sich, dass es dabei weniger ums Geld als vielmehr ums Prinzip gehe. In einer Zeit zahlreicher Baustellen und Einschränkungen in der Stadt habe sich die Aufenthaltsqualität ohnehin verschlechtert – nun kämen zusätzliche Kosten hinzu. „Wenn die Leistung schlechter und der Preis höher wird, passt das Verhältnis einfach nicht mehr“, so laut Rützel und Frank ein Kommentar aus dem Handel.

GHV befürchtet Teufelskreis

Und sie weisen auf die Konsequenzen hin, die sich nun bereits deutlich abzeichnen würden: „Sinkende Umsätze führen zu ersten Leerständen, Filialisten denken laut über eine Verlagerung nach. Je weniger Geschäfte geöffnet haben, desto weniger Besucher zieht es in die Innenstadt – ein Teufelskreis, der auch die Organisation traditioneller Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt oder Abendmärkte gefährden könnte.“

Darüber hinaus gebe es bei Wirtschaftsvertretern die Befürchtung, dass ein Attraktivitätsverlust der Innenstadt langfristig auch die gesamte Stadt und Region schwäche, schreiben die GHV-Vertreter.

So könne es für die Industrie schwieriger werden, Fachkräfte zu gewinnen, wenn die Lebensqualität in der Stadt sinke. Und: „Auch Steuerberater, Rechtsanwälte oder Handwerksbetriebe, die vom Stadtleben profitieren, spüren die Folgen“, heißt es.

Kulturelle Einrichtungen wie das Zimmertheater, die Volkshochschule oder kleinere Veranstalter hätten ebenfalls von rückläufigen Publikumszahlen berichtet.

Das soll nun geschehen

Was also tun? Die Akteure vor Ort forderten nun ein rasches Gegensteuern, meinen Rützel und Frank. „Kurzfristig solle die Stadt zu den bisherigen Parkregelungen zurückkehren – zumindest bis zum Jahresende. Für das Weihnachtsgeschäft wird ein sichtbares Signal gefordert, etwa freies Parken auf zentralen Plätzen wie dem Nägelsgraben oder im Kapuzinerparkhaus.“ Im neuen Jahr könne dann in Ruhe über ein überarbeitetes, partnerschaftlich entwickeltes Konzept entschieden werden.

Man müsse nun gemeinsam an Lösungen arbeiten, um die Stadt wieder positiv erlebbar zu machen – gerade mit Blick auf die kommenden Jahre bis zur Landesgartenschau 2028. „Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob es gelingt, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen – und Rottweils Herz wieder zum Schlagen zu bringen“, schließen die beiden Einzelhändler ihr Statement ab.