Das Parkhaus „Innenstadt Ost“ gehört zu den beliebtesten in der Stadt Nagold. Foto: Heiko Hofmann

Mobilitätsdrehscheibe? Mobility-Hub? Wie immer das Kind letztlich heißen mag. Fakt ist: Die Stadt Nagold baut das Parkhaus Weihergässle aus. Die Kosten dafür bleiben umstritten.

Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann ging es um die Grundsatzfrage. Geht die Stadt Nagold im nächsten Jahr die Sanierung des Parkhauses an? Kann die Verwaltung mit den Planungen voranschreiten?

 

Ja, es kann weitergehen. Doch eine Selbstverständlichkeit war die Zustimmung im Gemeinderat nicht. Vor allem die veranschlagten Kosten waren und bleiben einigen Räten ein Dorn im Auge.

Dass letztlich dennoch nur drei Stadträte gegen die Sanierung stimmten, lag wohl auch daran, dass Nagolds OB Jürgen Großmann im Vorfeld die Bereitschaft signalisiert hatte, einen – wohl umstrittenen – Block aus dem Projekt zunächst nicht ganz auszubauen: den Wartebereich.

Entwicklung der Ausschreibungsergebnisse im Blick

Großmann warb dafür, den Raum nur vorzubereiten aber nicht endgültig auszubauen. Stattdessen sollte die Entwicklung der Ausschreibungsergebnisse abgewartet werden. „Da haben wir dann noch mal eine Kostenbremse“, so Nagolds OB. „Darüber entscheiden wir dann später noch mal.“

Das Nagolder Stadtoberhaupt zeigte sich aber optimistisch, dass das Projekt letztlich komplett realisiert werden könnte – so gut waren die jüngsten Ausschreibungsergebnisse der Stadt Nagold bei anderen Bauprojekten wie zum Beispiel der Zellerschule.

Das Gesamtprojekt ist mit 4,8 Millionen Euro veranschlagt

4,8 Millionen Euro soll das Gesamtprojekt kosten – nach der Debatte im Rat strebt man nun offiziell Einsparungen von mindestens 500 000 Euro an – und die könnten eben den Nicht-Ausbau des Aufenthaltsbereich bedeuten.

Offiziell geht es bei dem Projekt um mehr, als nur die Sanierung eines Parkhauses. Das Parkhaus „Innenstadt Ost“ (früher Weihergässle) soll attraktiver werden und – laut offiziellem Sprachgebrauch – zu einem „Mobility Hub“ oder auch einer „Mobilitätsdrehscheibe“ ausgebaut werden.

Das Oberdeck des Parkhauses Weihergässle Foto: Heiko Hofmann

So wird nicht nur neuer Parkraum geschaffen sondern auch ein stärkerer Akzent auf nachhaltige und vielfältige Mobilitätsangebote gesetzt. Dazu gehören eigentlich auch der Wartebereich, zusätzliche Motorradstellplätze, mehrere Fahrradboxen und eine eigene Photovoltaikanlage zur Versorgung der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge.

Mit den Begrifflichkeiten fremdeln einige Räte

Mobility Hub? Mobilitätsdrehscheibe? Mit diesen Begrifflichkeiten fremdelten einige Räte allerdings. Jürgen Gutekunst (FDP/Grüne) merkte an, dass man bei einer Mobilitätsdrehscheibe doch eher an einen Ort denke, wo auf den Zug oder die S-Bahn umgestiegen werden kann. Dennoch war er für das Projekt: „Nicht wegen der Parkplätze, wegen der Energieversorgung.“

Auch CDU-Stadtrat Carl Christian Hirsch befand: „Das geht in die richtige Richtung.“ Im Verbund überzeuge das sehr wohl. Besonders wichtig waren ihm aber die Einsparungen von mindesten 500 000 Euro.

Zuspruch kam auch von FWV-Stadtrat Eberhard Haizmann. „Das sollten wir weiterverfolgen“. Auch wenn er mit dem Namen etwas fremdle. „Wir sollten den Namen wie bisher lassen.“

Steinrode: „Das ist der falsche Zeitpunkt“

Drei SPD-Räte stimmten dagegen. Daniel Steinrode erörterte, dass man deutlich wichtigere Projekte derzeit aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt bekomme. „Das ist der falsche Zeitpunkt.“ Das Projekt sollte zurückgestellt werden, bis sich die Haushaltssituation wieder verbessert habe.

Und was wird es denn nun, wenn es ausgebaut ist? Eine Mobilitätsdrehscheibe? Ein Mobility-Hub? Oder bleibt es beim offiziellen Namen „Parkhaus Innenstadt Ost“? Nagolds OB gab zu, dass die Namensgebung auch etwas mit den Anträgen auf mögliche Zuschüsse zu tun habe. „Wenn die Zuschussgeber „Hub“ hören wollen und dann feuchte Augen bekommen. dann machen wir das so.“ Für die Nagolder dürfte die offizielle Namensgebung eh zweitrangig sein. Für sie ist und bleibt es schlicht das Parkhaus „Weihergässle“.