Keine guten Nachrichten für Autofahrer: Die Sperrung der Tiefgarage am Marktplatz naht – und dauert länger als geplant. Einen Parkplatz zu finden, könnte dann noch schwieriger werden.
Freudenstadt - Gerade erst ist der ominöse "Tag X" am 19. Januar verstrichen, da steht den Freudenstädtern schon das nächste apokalyptisch anmutende Datum ins Haus: Ab dem 9. März wird die Tiefgarage am Marktplatz komplett gesperrt. Denn die marode Einfahrt der Anlage muss aufwendig saniert werden.
Schon seit rund drei Jahren steht fest, dass die Einfahrt zwingend erneuert werden muss. Doch Jahr für Jahr wurde das Vorhaben verschoben, weil die Stadt nicht genug Geld hatte. Im vergangenen Jahr schlug dann die Stadtverwaltung im Gemeinderat Alarm: Die Sanierung dürfe nicht mehr aufgeschoben werden.
Sperrung schon vier Tage vor Baubeginn
Schon am 29. August vergangenen Jahres sollten die Arbeiten losgehen, mussten dann aber verschoben werden, da es Lieferengpässe bei einigen Baumaterialien gab. Diesen Mittwoch gab die Stadtverwaltung nun in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Arbeiten am 13. März starten sollen.
Doch auf Nachfrage unserer Redaktion präzisiert Rudolf Müller, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, dass bereits am 9. März das Parkhaus gesperrt wird. "Es ist sinnvoll, am 8. März bis 24 Uhr das Auto rauszuholen", empfiehlt Müller. Zwar werden Autobesitzer, die ihren Wagen vergessen, von der Stadt informiert. Doch wer sein Auto nicht rechtzeitig abholt, muss dann damit warten, bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind.
Bis zu einen Monat länger als geplant
Und das kann dauern. Denn laut Angaben der Stadtverwaltung werden die Bauarbeiten zehn bis zwölf Wochen in Anspruch nehmen. Dabei hatte die Stadt ursprünglich mit nur zwei Monaten kalkuliert. Allerdings entsprach das der Schätzung des Planungsbüros. Die mit den Arbeiten beauftragte Firma hingegen halte eine Verlängerung für notwendig, erklärt Müller. "Wir können denen nicht sagen: ›Macht schneller!‹", meint Müller. Schließlich seien die Arbeiten auch relativ aufwendig. "Das nimmt Zeit in Anspruch."
Und diese Zeit könnte ziemlich unangenehm für all jene werden, die in Freudenstadt parken müssen. Seien es Anwohner, Arbeitnehmer oder Kunden des Einzelhandels. Denn durch die Sperrung fallen auf einen Schlag 417 Parkplätze weg. Und Ersatzparkplätze werden von der Stadt nicht geschaffen.
Parkplatzsuche könnte länger dauern
Wo sollen also all die Autos hin? Zumindest ein Teil könnte sich auf bisher überschüssigen Parkplätzen in der Innenstadt verteilen. Müller schätzt, dass derzeit rund 100 Parkplätze übrig sind. Auch bestehe die Option, auf die Tiefgarage beim Kurhaus auszuweichen. Im Schnitt seien dort die Hälfte der 224 Parkplätze frei.
Zudem seien an normalen Tagen auch in der Tiefgarage am Marktplatz viele Parkplätze nicht belegt, wie Müller zu bedenken gibt. Er schätzt die übliche Auslastung auf 200 bis 250 Autos. Somit könnte tatsächlich ein Großteil der wegfallenden Parkplätze ausgeglichen werden – wenn die Stadt mit ihren Schätzungen richtig liegt. Deshalb geht Müller nicht davon aus, dass Autofahrer vergeblich nach einem Parkplatz suchen werden: "Es wird nur mehr Zeit benötigen, bis man einen Parkplatz findet."
Für Dauerparker wird es schwierig
Doch natürlich geht diese Kalkulation nur so lange auf, wie man von einem normalen Wochentag ausgeht. Wenn aber besondere Veranstaltungen mehr Besucher in die Stadt locken, ist auch die Auslastung der Tiefgaragen wesentlich größer. Dann könnte die Parkplatzsuche tatsächlich noch schwieriger werden.
Und es gibt noch ein zweites Problem: In der Tiefgarage am Marktplatz gibt es 193 Dauerparker. Manche von ihnen sind Anlieger, andere Arbeiten in Freudenstadt. Sie zahlen dafür, dass für sie immer ein Parkplatz in der Tiefgarage frei ist. Zwar müssen die Dauerparker für die Zeit der Bauarbeiten keine Gebühren zahlen, doch fehlt es an alternativen Dauerparkplätzen. "Für die Dauerparker wird es schwierig", räumt Müller ein.
Bis auf Flyer nicht viel geplant
Denn die Tiefgarage am Kurhaus nimmt keine neuen Dauerparker mehr auf, wie Müller berichtet. Die zuständige Betreiberfirma wolle stattdessen die übrigen Parkplätze für die Allgemeinheit frei halten. Die Stadt empfiehlt Dauerparkern daher, sich für einen Anliegerparkplatz anzumelden. Doch stehen davon wirklich noch so viele zur Verfügung? "Das kann man mengenmäßig nicht einschätzen", räumt Müller ein.
Vergünstigungen für die betroffenen Dauerparker gibt es nicht. Auch plant die Stadt vorerst keine weiteren Maßnahmen, um die Parksituation zu entspannen. Derzeit beschränken sich die Maßnahmen der Verwaltung auf Flyer, die bei Einzelhändlern ausliegen und Hinweise auf alternative Parkplätze beinhalten. Auch empfiehlt die Stadt die Nutzung der "Parkster-App" und ruft Pendler dazu auf, wenn möglich auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen.
Im Notfall will die Stadt kurzfristig reagieren
Doch während das für manche Pendler eine Option sein mag, haben Anwohner diese Möglichkeit nicht. Sie müssen irgendwo ihr Auto abstellen. Dennoch beabsichtigt die Stadt derzeit noch nicht, weitere Parkplätze provisorisch in Anwohnerparkplätze umzuwandeln – zumindest nach derzeitigem Stand. "Wenn wir feststellen, dass sich die Situation dramatisch entwickelt, müssen wir kurzfristige Lösungen finden", kündigt Müller an. Dann wären auch die provisorischen Anwohnerparkplätze denkbar. "Das könnte eine Lösung sein."