67 Euro für ein paar Stunden Parken: Mit dieser Forderung sahen sich viele Besucher der Gartenschau konfrontiert. Zahlen der Gemeinde zeigen nun das ganze Ausmaß des Problems.
Es war eine böse Überraschung Monate nach dem Besuch der Gartenschau in Baiersbronn: Eine Betroffene berichtete unsere Redaktion, dass sie kurz vor Weihnachten einen Brief von einer Inkassofirma bekommen habe. Die Forderung: 67 Euro, weil sie auf dem offiziellen Parkplatz der Gartenschau kein Parkticket gelöst habe. Dabei war sich die Frau sicher, dass ihr Mann ein Ticket gekauft hatte.
Schon im Dezember war offensichtlich, dass sie mit ihrem Problem nicht allein ist. Die Gemeinde nannte zwar keine konkreten Zahlen, bestätigte damals aber zumindest indirekt, dass es mehrere Fälle gab und empfahl den Betroffenen, bei dem Unternehmen, das den Parkplatz betrieben hatte, Widerspruch einzulegen.
Rund zwei Monate später nennt die Gemeinde nun offizielle Zahlen, die erstmals das ganze Ausmaß des Problems offenbaren. Demnach haben 348 Gartenschaubesucher wegen angeblicher Parkverstöße Post von einem Inkassounternehmen erhalten. Von den Betroffenen hätten 215 Personen dann in der einen oder anderen Form Widerspruch eingelegt.
Lösung auf dem Kulanzweg
Offenbar mit Erfolg: „In (...) 197 Fällen konnten auf dem Kulanzweg einvernehmliche Lösungen gefunden werden“, erklärt Marko Burkhardt, der Leiter des Baiersbronner Ordnungsamts. In diesen Fällen sei eine fehlerhafte Eingabe des Kennzeichens am Parkautomaten die Ursache gewesen. Weitere 13 Fälle seien aus unterschiedlichen Gründen storniert worden. Zum Beispiel seien manche Autos bei reinen Wendemanövern von den Kameras erfasst worden.
Unterm Strich bedeutet das: Die meisten Einsprüche waren offenbar tatsächlich erfolgreich. Nur in zehn Fällen, in denen es einen Einspruch gab, konnte noch keine Einigung erzielt werden.
Gespräch mit Betroffenen ergibt gemischtes Bild
Rechnet man diese mit den Fällen zusammen, in denen es noch keinen Einspruch gab, gibt es insgesamt 138 Fälle, bei denen laut der Gemeinde der Ausgang noch unklar ist. Erst nach Abschluss aller Verfahren könnten genauere Angaben gemacht werden. Allerdings: In diese Kategorie fallen auch jene Fälle, in denen die Autofahrer die geforderte Summe schon bezahlt haben. Denn natürlich muss davon ausgegangen werden, dass es im Laufe der Gartenschau auch zu einigen realen Parkverstößen kam.
Im Gespräch mit den Betroffenen ergibt sich indes ein gemischtes Bild. So konnte die Gartenschaubesucherin, die im Dezember unsere Redaktion über den Parkärger informiert hatte, mittlerweile eine der genannten Kulanzlösungen für sich erreichen. „Die 40 Euro haben die uns erlassen und wir haben im Prinzip nur den Kostenaufwand bezahlt“, berichtet die Frau. „Für uns war das dann so ok.“
Tippfehler bei der Eingabe
Sie geht davon aus, dass ein Tippfehler bei der Kennzeicheneingabe die Ursache war, oder dass der Automat die Eingabe nicht richtig angenommen hat. „Um ehrlich zu sein, lag der Fehler wohl mit an uns.“
Eine andere Betroffene, die sich erst jetzt an unsere Redaktion gewandt hat, hat hingegen vergeblich Einspruch eingelegt. Ihre Auseinandersetzung mit dem Unternehmen geht vorerst weiter.
Gemeinde zieht trotz Aufregung positive Bilanz
Die Gemeinde selbst zieht indes eine positive Bilanz. Der Dienstleister habe während der Gartenschau circa 16 000 kostenpflichtige Parkvorgänge abgewickelt. „Die aktuell offenen Fälle betreffen also weniger als ein Prozent der Parkvorgänge, rechnet Burkhardt vor.
Und er stellt klar: Insgesamt waren und sind wir mit der Auftragsabwicklung durch unsere Vertragspartner sowohl während der Gartenschau, als auch jetzt im Nachgang sehr zufrieden.“