Peilt wieder die Goldmedaille an: Andrea Rothfuss Foto: Stratenschulte

Paralympics: Schwarzwälderin Andrea Rothfuss strebt bei vierter Teilnahme in Pyeongchang weitere Goldmedaille an.

"We came back stronger" (Wir kamen stärker zurück): Der Titel eines spektakulären Imagefilms gilt in besonderem Maß auch für die aus Loßburg im Nordschwarzwald stammende Andrea Rothfuss. Mit diesem Slogan wirbt der Deutsche Behindertensportverband (DBS) in den sozialen Medien und im Fernsehen nach dem Goldrausch der Olympioniken jetzt um Aufmerksamkeit für die mit der Eröffnungsfeier am Freitag beginnenden Winter-Paralympics in Pyeongchang.

Gleich zwei Höhepunkte für die 28-jährige alpine Para-Skiläuferin hatten die vergangenen Spiele 2012 in Sotschi parat. Als Fahnenträgerin führte sie die deutsche Mannschaft bei der Eröffnungsfeier an. Mit dem Sieg im Slalom holte sie bei ihrer dritten Teilnahme an Winter-Paralympics ihre erste Goldmedaille – nach Platz zwei in ihrer Lieblingsdisziplin Riesenslalom bei ihrem Debüt 2006 in Turin sowie je zweimal Edelmetall in Silber und Bronze vier Jahre später in Vancouver. Zwei weitere Silbermedaillen in Sotschi runden ihre bisherige paralympische Erfolgsbilanz ab, die jetzt noch ausgebaut werden soll, zwischenzeitlich aber durch einen schweren Sturz und den Bruch des linken Sprunggelenks in Gefahr geriet.

Drei Monate Reha folgten, aber: Die ohne linke Hand geborene Andrea Rothfuss kam stärker zurück als zuvor. Mit der Doppel-Weltmeisterschaft feierte sie 2017 in Tarvisio ihre bisher größten Erfolge und besiegte dabei im Riesenslalom und Slalom auch die Vierfach-Paralympicsiegerin von Sotschi und hohe Favoritin Marie Bochet.

Die Französin dürfte auch auf den Pisten in Jeongseon die Hauptkonkurrentin der für die VSG-Mitteltal-Obertal startenden Läuferin sein, die dennoch ein klares Ziel formuliert: "Eine Goldmedaille möchte ich schon wieder mitnehmen." Edelmetall soll es aber auf jeden Fall wieder sein, auch wenn die Konkurrenz in der stehenden Frauenklasse in den letzten Jahren deutlich stärker geworden ist. Junge Talente aus Kanada, den USA und Russland mischen mit, und auch im eigenen Lager ist im Slalom durch das Küken der deutschen Mannschaft, die 18-jährige Anna-Maria Rieder, eine ernsthafte Herausforderung aufgetaucht.

30 sogenannte Neutrale Athleten nehmen an den Wettkämpfen teil

Edelmetall erwartet man im Lager des Deutschen Behindertensportverbands im alpinen Bereich vor allem von den Monoskifahrerinnen Anna Schaffelhuber, in Russland vor vier Jahren gleich mit fünf Goldmedaillen dekoriert, aber schwer in diese Saison gekommen, und Anna-Lena Forster. Auf einen Podestplatz schielt bei ihrem Debüt bei Paralympics die Sehbehinderte Noemi Ristau, während bei den Herren die Monoskifahrer Thomas Nolte und Georg Kreiter eher als Außenseiter in ihre Rennen gehen.

Hoffnungen auf ganz vordere Plätze machen sich auch bei den nordischen Para-Skiläufern in erster Linie die Frauen. Ganz vorne weg die auch bei Sommerspielen erfolgreiche Andrea Eskau, die im Biathlon und den Langlauf-Wettbewerben trotz starker Konkurrenz – inzwischen wieder aus Russland – im Medaillenkampf mitmischen will.

Nach der kompletten Suspendierung für die Sommerspiele in Rio de Janeiro dürfen laut einem Beschluss des Internationalen Paralympischen Komitees 30 sogenannte Neutrale Paralympische Athleten, darunter ein Dutzend nordische Skisportler, an den Wettkämpfen teilnehmen. Sie mussten sich in den vergangenen sechs Monaten mindestens zwei offiziellen Dopingtests unterziehen.

Mangels Startplätzen, auch durch die erstmalige Teilnahme von sechs nordkoreanischen Skilangläufern an Paralympics, sind allerdings keine russischen Männer gemeldet, was die Aufgaben für den Freiburger Schlittenfahrer Martin Fleig und den für den SV Kirchzarten startenden Alexander Ehler aber nicht viel einfacher macht. Das Gleiche gilt für die Schwarzwälder Duos Florian Schillinger (Baiersbronn)/Vivian Hösch (Freiburg) sowie Lutz Klausmann (St. Georgen) und Nico Messinger (Freiburg) in den Wettbewerben der Sehbehinderten/Blinden.

Mit Trainingslagern am DSV-Stützpunkt in Bischofswiesen und Ridnaun (Südtirol) haben sich die deutschen Para-Skiteams alpin und nordisch vor dem Abflug am Sonntag mit einer Verabschiedung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bestens auf die Spiele vorbereitet und wollen an die Erfolge der Olympioniken an gleicher Stelle anschließen. Bereits einen Erfolg gegenüber ihren nichtbehinderten Sportkollegen verbuchen konnten die Rollstuhlcurler mit ihrer Qualifikation für Pyeongchang, die das insgesamt 20-köpfige Team plus vier Begleitläufer komplettieren. Nicht dabei sind dagegen die Para-Eishockeyspieler, die beim Final-Turnier den Sprung nach Südkorea verpassten.

Insgesamt 670 Athleten aus etwa 45 Nationen werden in sechs Sportarten und 80 Medaillenentscheidungen an den Start gehen, die von ZDF und ARD zum größten Teil live übertragen werden.

Schon in der Nacht zum Samstag geht es auch für Andrea Rothfuss los – mit dem Abfahrtslauf. Und der Hoffnung, dass für sie und die anderen Starter des DBS nach den ersten Medaillenentscheidungen anschließend auch die erste Party im Deutschen Haus steigen kann. Das Kommunikations- und Medienzentrum steht jetzt den Paralympioniken zur Verfügung, nachdem Eishockeyspieler und Bobfahrer bei ihrer Feier am Schlusstag das vorher angekündigte Vorhaben, "das Haus abreißen zu wollen", nicht umgesetzt haben.

Die ersten Eindrücke jedenfalls sind positiv, meint der zum zwölften Mal bei Paralympics als Chef de Mission angereiste Karl Quade: "Alle sind sehr zufrieden; wir haben schöne Unterkünfte, alles funktioniert, wir haben Platz genug. Das Essen ist gut, und die Wege sind kurz. Von daher sind das optimale Bedingungen, und ich hoffe, dass hinterher auch gute Leistungen erbracht werden."

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