Der anhaltende Mangel des Arzneistoffs Paracetamol bereitet Ärzten, Apothekern und Patienten auch in Villingen-Schwenningen große Sorgen. Foto: Julian Preuß

Der gegenwärtige Mangel an vielen wichtigen Medikamenten, die in jeder Hausapotheke benötigt werden, ist gerade für Eltern sehr beunruhigend – auch in Villingen-Schwenningen.

Villingen-Schwenningen - Der anhaltende Mangel des Arzneistoffs Paracetamol, der beispielsweise für viele Medikamente zur Behandlung von Schmerzen und Erkältungsbeschwerden wie Fieber verwendet wird, bereitet Ärzten, Apothekern und Patienten auch in VS und Umgebung große Sorgen.

 

Freilich macht sich der Mangel auch im Schwarzwald-Baar-Kreis bemerkbar. Unsere Redaktion hat sich bei mehreren Apotheken im Villinger Stadtgebiet nach den Auswirkungen, dem Umfang und möglichen Ursachen erkundigt.

Zäpfchen gibt es noch

In der Delta-Apotheke am Riettor kann man keine sicheren Aussagen zu den Ursachen des Mangels treffen. Apothekerin Natalie Kern sieht unter anderem in der sehr hohen Nachfrage bei gleichzeitigem Rückzug vieler Hersteller vom Markt eine denkbare Ursache. Besonders kritisch sei die Situation insbesondere bei fiebersenkenden Säften. "Zäpfchen hingegen werden noch geliefert." Bei Vorlage eines Rezepts ist es der Apotheke grundsätzlich möglich, entsprechende Säfte selbst herzustellen. Allerdings ist dies mit sehr viel höheren Kosten verbunden.

Papiermangel wird angegeben

Ähnlich stellt sich die Situation auch für die Berthold-Apotheke dar. Dort erhält man nahezu gar keinen Nachschub mehr. Ein Hersteller gab der Apotheke gegenüber Papiermangel als Grund an – dieser hat zwar keine unmittelbare Auswirkung auf die Medikamentenherstellung, aber auf das Erstellen der Beipackzettel – und ohne einen solchen darf kein Medikament in Verkehr gebracht werden. Eine Eigenherstellung ist ebenfalls möglich, jedoch wird auch hier darauf verwiesen, dass die Kosten den regulären Verkaufspreis um ein Vielfaches übersteigen; selbst hergestellte Säfte könnten "bis zu 30 Euro" kosten.

Ersatzwirkstoff möglich

Die Schwarzwald-Apotheke hat zwar noch Zäpfchen vorrätig, beklagt jedoch Schwierigkeiten bei der Beschaffung von fiebersenkenden Säften für Kinder. Als Ersatz für Kinder ab vier Jahren kann Apotheker Carsten Orth Tabletten mit dem Wirkstoff Paracetalgin empfehlen. Die Ursachen des Mangels sind seiner Ansicht nach vielschichtig: "Der wegen fehlender Wirtschaftlichkeit erfolgte Rückzug vieler Hersteller vom Markt und gestörte Lieferketten insbesondere in Asien spielen sicher eine wichtige Rolle." Eine Möglichkeit zur Eigenherstellung besteht auch hier.

Eventuell bald Mangel an Tabletten

Der Klosterring-Apotheke sind "in Ermangelung transparenter Kommunikation durch die Hersteller" keine sicheren Aussagen über die Ursachen des Mangels möglich. Die Mangellage erstreckt sich insbesondere auf Ibuprofen-Säfte und Zäpfchen, aber auch einige weitere verschreibungspflichtige Medikamente sind laut Apothekerin Lisa Rombach momentan nur in unzureichendem Maß verfügbar. Auch hier ist gegen Rezept eine teure und aufwändige Eigenherstellung möglich. Hierzu werden jedoch regelmäßig auch Tabletten benötigt – ein Produkt, "bei dem die nächste Knappheit auftreten könnte".