Saisonauftakt beim Weltcup im Para Ski nordisch in Kanada. Unter ihnen: der sehbehinderte Theo Bold aus Rottenburg mit seinem Guide und Bruder Jakob Bold.
Theo Bold und sein Jakob Bold wollen sich in Canmore für die Paralympics 2026 qualifizieren und sind dabei auf den Spuren eines Superstars des Para Sports.
Die Geschichte von Brian McKeever und seinem älteren Bruder Robin begeistert Theo Bold. „Es ist schlicht beeindruckend, was der Mann geschafft hat. Er ist der Star unseres Sports“, sagt er über McKeever. Der heute 46-Jährige bekam mit 19 die Augenkrankheit Morbus Stargardt diagnostiziert. Sein Bruder Robin wurde sein Guide und aus Brian der Beste seiner Klasse wurde. Zwischen 2002 und 2022 holte Brian McKeever bei fünf Paralympics-Teilnahmen 16 Goldmedaillen, so viele wie zuvor nur der deutsche Para Ski alpin-Fahrer Gerd Schönfelder.
Paralympics im Blick
In den nächsten Tagen wird der 19-jährige Theo vom WSV Isny seinem Vorbild in dessen Heimatort Canmore häufiger begegnen – bei seinem Versuch, zumindest in einer Beziehung in McKeevers Fußstapfen zu treten. Theo Bold will sich mit seinem zwei Jahre älteren Bruder als Begleitläufer für die Paralympics 2026 qualifizieren.
Die gemeinsame Wintersport-Geschichte von Theo und Jakob Bold begann vor etwa sieben Jahren, als die Familie aus dem Westen der Republik ins schwäbische Rottenburg zog. Über den Papa und einen Nachbar kamen sie mit Skilanglauf in Kontakt. Und Theo, der einen angeborenen Nystagmus und (wie McKeever) zehn Prozent Sehkraft hat, geriet mit seinem Talent schnell ins Visier des deutschen Nachwuchs-Bundestrainers Michael Huhn. 2020 nahm Theo im thüringischen Oberhof erstmals bei einer deutschen Meisterschaft teil – mit Jakob als Guide an seiner Seite.
„Wir hatten schon immer ein sehr gutes Verhältnis“, sagt Theo und Jakob ergänzt. „Es war auch nie so, dass er so sein wollte wie ich, eher umgekehrt: Ich beneide ihn ein wenig.“
Die Brüder umgibt eine faszinierende Energie. „Sie sind ein cooles Team, sehr eng miteinander“, sagt der deutsche Bundestrainer Ralf Rombach. In den vergangenen zwölf Monaten konnte er die Bolds ausführlich beobachten und ist auch sportlich angetan. „Theo ist sehr schnellkräftig. Da sieht man, dass er früher Leichtathletik-Sprint gemacht hat. Was ihm noch etwas fehlt, ist die Ausdauer. Aber die wird mit jedem gesammelten Schneekilometer besser.“
Olympisches Flair
Im Dezember 2024 feierten Theo und Jakob Bold ihr Weltcup-Debüt im finnischen Vuokatti – und zeigten anschließend schnell, dass das Trainerteam nicht zu Unrecht große Stücke auf sie hält. Unvergesslich war der siebte Platz im Para Sprint bei der nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Trondheim – nicht nur wegen der Tausenden von Zuschauern und den Kontakten zu den olympischen Athleten. „So wie es da war, habe ich mir immer Olympia vorgestellt“, sagt Jakob Bold.
Im Perspektivkader
Ihre Ergebnisse haben dazu geführt, dass die Bolds in den Perspektivkader aufgenommen wurden, nach dem Paralympicskader die zweithöchste Förderkategorie im Para Sport. Darüber erhalten sie monatlich finanzielle Mittel, die es den beiden erlauben, sich neben ihrem Studium ganz auf den Sport zu konzentrieren. „Es ist eine riesengroße Ehre, in diesem Kader zu sein“, sagt Theo Bold.
Während sein Bruder an der Universität Freiburg in Medizin promoviert, hat er im Herbst ein Studium der Volkswirtschaftslehre begonnen. Seitdem lebt er in einer vom Olympiastützpunkt Freiburg zur Verfügung gestellten Sport-Wohngemeinschaft. Der Umzug ins Breisgau hat dazu geführt, dass sich die Bolds wieder beinahe täglich sehen.
Tickets sind umkämpft
Der Fokus lag in den finalen Wochen der Saisonvorbereitung auf der Klassik-Technik. Ziel: den letzten Punch zu holen. In Canmore stehen zwei Klassisch-Rennen über zehn Kilometer an, dazu ein Sprint in der freien Technik. Der Sprint ist ihre Distanz, hier wollen sie sich beweisen – und sich für die Paralympics qualifizieren. Die Tickets sind allerdings umkämpft. Es stehen je sieben Startplätze für die deutschen Frauen und Männer zur Verfügung, bei den Männern ist der Bewerberkreis höher. Drei Athleten, die sich Hoffnung machen, werden die Reise nach Italien verpassen. „Uns beflügelt das eher. Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Theo.
Auftakt am 4. Dezember
Nach Kanada ist der deutsche Tross nicht vollzählig gereist. Vier Frauen und vier Männer (plus fünf Guides) gehen den Auftakt vom 4. bis 14. Dezember an; nach den drei Para Skilanglauf-Rennen folgen noch drei Para Biathlon-Wettkämpfe.
Der Rest des Kaders greift erst im neuen Jahr ins Geschehen ein – bei gleich zwei Weltcup-Heimspielen (8. bis 11. Januar, Para Biathlon am Notschrei im Schwarzwald und 14. bis 17. Januar, Para Langlauf in Finsterau im Bayerischen Wald). Das Weltcup-Finale steigt bereits kurz darauf im polnischen Jakuszyce (22. Januar bis 1. Februar, Para Biathlon und Para Langlauf). Danach beginnen die unmittelbaren Vorbereitungen auf die Paralympics (6. bis 15. März) und den Weg nach Val di Fiemme, wo möglicherweise neue Legenden geboren werden.