Auch in Horb und Umgebung ist die Trauer groß: Papst Franziskus, der als Brückenbauer, Anwalt der Armen und Reformpapst galt, ist tot. Doch wie blicken Gläubige aus der Region auf sein Wirken zurück? Welche Hoffnungen setzen sie in seinen Nachfolger?
Der Tod von Papst Franziskus beschäftigt auch Katholiken aus der Region. „Wie blicken sie auf die Amtszeit des verstorbenen Papstes zurück? Was soll der neue Papst bewirken? Aus welcher Region der Welt sollte er stammen? Sollte er Reformen anstoßen und wenn ja, welche?
Wir haben mit bekannten Katholiken aus Horb und Umgebung gesprochen.
Pater Jennis: Neuer Papst soll die Kirche weiter erneuern „Für mich ist Papst Franziskus der Papst des Jahrhunderts“, sagt Pater Jennis. „Er war der richtige Papst für die heutige Zeit, für Junge und Alte.“ Auch für ihn selbst spielte Papst Franziskus eine große Rolle: „Er war für mich ein großes Vorbild. Er hatte ein großes Herz für die Armen und war sehr menschlich. Er hat gezeigt, wie auch ein Papst bescheiden und einfach leben kann.“
„Er kann aus jeder Ecke der Welt kommen“
Pater Jennis wünscht sich vom neuen Papst, dass er „den inspirierenden Weg von Papst Franziskus fortsetzt“. Er konkretisiert: „Für mich soll der neue Papst unsere Kirche weiter erneuern und der Einheit der Kirchen Priorität geben. Er sollte die Menschen begeistern und besonders den jungen Menschen Hoffnung geben können.“
Woher der neue Papst kommt, ist dem Geistlichen aus Horb dabei egal: „Er kann aus jeder Ecke der Welt kommen, er ist willkommen.“
Diakon Konrad: Am Anfang Reformdrang von Franziskus, später merkte man sein Alter Diakon Klaus Konrad erinnert sich an seine vielen Rom-Reisen und seinen dortigen Begegnungen mit Papst Franziskus. „Ich habe ihn bei zahlreichen Audienzen erleben dürfen und bei Messen auf dem Petersplatz.“
Konrads Fazit zum Wirken von Papst Franziskus fällt zweigeteilt aus. „Bei seinem Amtsantritt war ich begeistert – auch dass er Franziskus heißt. Er war auch Franziskaner. Ich bin ein Verehrer des heiligen Franz von Assisi.“ Am Anfang sei der Reformdrang zu spüren gewesen. „Er hat schon etwas bewirkt – als Außenseiter aus Lateinamerika.“ Später habe man ihm aber sein hohes Alter angemerkt. Der Reformdrang habe dementsprechend abgenommen.
Konrad wünscht sich einen Papst im Bereich „der Mitte bis zur Moderne“, der auch weitere Reformen anstößt. Dabei seien auch einige Forderungen von „Maria 2.0“ nicht unwichtig.
Pfarrer Tschullik: Hoffnung, unangebrachte Kritik und Sorge vor Spaltung Auch Eutingens Pfarrer Bernhard Tschullik würdigt Papst Franziskus. „Er war durchaus ein bedeutsamer Papst. Er hat sich für die armen Menschen eingesetzt.“ Und: „In den letzten Monaten hat er sich trotz der Krankheit unablässig für den Frieden eingesetzt, unter anderem für Israel und Gaza.“ Was Tschullik beeindruckt hat: „Er hat sich nie den Mund verbieten lassen, sich nie verbiegen lassen.“
„Wir in Deutschland urteilen sehr schnell“
Was sagt er zur Bewertung, dass Reformen nicht zu Ende gebracht wurden? „Ich glaube, viele Menschen denken da ein wenig zu kurz, wenn man die Zahlen liest. Er ist das Oberhaupt von über 1,4 Milliarden Katholiken gewesen. Da den Konsens zu finden, es allen recht zu machen, ist nicht einfach.“ Tschullik merkt kritisch an: „Wir in Deutschland urteilen sehr schnell.“ Was ihm persönlich sehr gefallen hat: „Papst Franziskus hat am ersten Advent das heilige Jahr unter dem Motto „Pilger der Hoffnung“ aufgerufen. Das bedeutet mir persönlich sehr viel. Die Hoffnung ist gerade in schwierigen Zeiten sehr wichtig.“
Und was erhofft sich der Eutinger Pfarrer vom neuen Papst? „Ich wünsche mir vom neuem Papst, dass er das, was angestoßen wurde, weiterführen kann. Dass er uns als Gesamtkatholiken weltweit auch eine gute Richtung vorgeben kann. Das Schlimmste wäre, wenn es Spaltungen geben würde.“
Dabei solle gar nicht die Frage „konservativ oder progressiv“ eine Rolle spielen. „Wünschenswert ist es natürlich, dass die Menschen wieder mehr zum Glauben finden. Den Menschen den Glauben wieder so nahe bringen, dass es für das Leben etwas Positives gibt. Mir geht es dabei gar nicht so um das Wort Kirche.“
Pfarrer George: Der neue Papst soll ein Spiegelbilder der menschenfreundlichen Kirche sein Rajesh Jose George ist der Pfarrer der Seelsorgeeinheit Steinachtal. Er sagt. „Papst Franziskus war ein außergewöhnlicher Mensch, ein Mann der Tat, der die Kirche durch sein eindrucksvolles Zeugnis von Menschlichkeit nachhaltig geprägt und damit verändert hat. Er war und ist ein Vorbild mit seinem authentisch gelebten Glauben und der tiefen Liebe zu jedem Nächsten.“ Der Pfarrer hebt hervor: „Er war ein ‘Mann aus dem Volk‘, er vertrat die marginalisierten Menschen in Buenos Aires. Die Menschen liebten ihn, denn wo immer er hinkam zog sein Charisma die Menschen an. Er setzte sich ein für alle Menschen, besonders für die Benachteiligten. Wann immer Menschenrechte verletzt wurden, erhob er seine Stimme dagegen. Er war wirklich der Papst des Volkes.“
Papst aus Asien oder Afrika?
Pfarrer George erhofft sich nun vom neuen Papst, dass er „ein Spiegelbild der menschenfreundlichen Kirche“ ist. Der Mann aus Indien kann sich gut vorstellen, dass der Nachfolger von Franziskus aus der Region Asien oder Afrika kommen wird, „denn das sind die Kontinente, auf denen die Kirche exponentiell wächst“.
Sollte er Reformen anstoßen? George sagt: „Ich würde eher das Wort Erneuerung als Reformen verwenden, weil ich eine Erneuerung und einen neuen Aufbruch in der Kirche erwarte. Ich hoffe und bete, dass der neue Papst neuen Enthusiasmus und neue Hoffnung in die Welt bringen kann, in der Krieg, Hass und Feindseligkeit zunehmen.“