Der eingeplante Kostenrahmen für die Stützensanierung im Panorama-Bad reicht hinten und vorne nicht. Über das Ausmaß der Kostenüberschreitung und die Gründe wurde der Gemeinderat informiert. Dort gab es auch deutliche Worte.
Vergaben werden im Gemeinderat normalerweise eher zügig abgehandelt. Nicht so in der jüngsten Sitzung, als es um die Vergabe der Stützensanierung im Panorama-Bad gegangen ist. Und das aus gutem Grunde. Der jetzt vergebene Auftrag für diese Maßnahme liegt mit einem Nettoangebotspreis von 810 397 Euro um satte 352 397 Euro über dem ursprünglich dafür angesetzten Kostenrahmen. Dass die Vergabe dennoch einstimmig beschlossen wurde, lag an der nicht wirklich vorhandenen Alternative.
Architektin Julia Müller- Herzog vom Amt für Stadtentwicklung erläuterte die Details. Ein Gutachten der Materialprüfanstalt (MPA) war offenbar zum Ergebnis gekommen, dass die Stützen im Panorama-Bad zwingend saniert werden müssen, um den sicheren Badebetrieb auch künftig sicherzustellen. Wetterbedingt sollte die Sanierung der Außenstützen bereits vor dem ersten Schneefall abgeschlossen sein. Der Austausch aller Stützen dauert voraussichtlich bis April.
Viele Rissbildungen
Aktuell haben die Stützen so viele Rissbildungen, dass die Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet ist. Das Problem dabei ist, dass keine der Stützen der anderen gleicht. Eine Sanierung der bestehenden Stützen, so der ursprüngliche Plan, ist nicht möglich. Am Austausch führt deshalb kein Weg vorbei. Aufgrund der unterschiedlichen Stützen unterscheide sich bei der Sanierung auch die jeweilige Herangehensweise. Dies und die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen hätten das ganze so verteuert, erklärte Müller-Herzog.
Eingegangen ist nur das eingangs genannte Angebot der Firma Schaffitzel Holzindustrie aus Schwäbisch Hall, die aktuell auch mit der Querzugsanierung im Bad beauftragt ist.
Da zumindest die Querzugsanierung um 23 877 Euro unter dem Kostenrahmen geblieben ist, liegt die Gesamtüberschreitung für beide Maßnahmen bei 276 768 Euro. Eine rechtlich mögliche Aufhebung der Ausschreibung und Neuausschreibung mache wenig Sinn, weil ein günstigeres Angebot nicht zu erwarten sei. Zudem könne man dann das Panorama-Bad auch nicht wie geplant wiedereröffnen.
Stahl- statt Holzstützen
Hermann John (FW) regte an, sofort mit den Innenstützen zu beginnen, um die aktuelle Schließung bis 8. Dezember nicht unnötig zu verlängern. Bei der Sanierung der Außenstützen sei der Betrieb ja möglich. Auf Frage von Elisabeth Gebele (BA) betonte Müller-Herzog, dass sich eine Verlängerung oder Verkürzung der Bauzeit nicht auf die Kosten auswirke. Eingebaut werden Stahl-, anstatt der bisherigen Holzstützen.
Oberbürgermeister Adrian Sonder betonte, dass ihm eine transparente und öffentliche Diskussion auch solch unliebsamer Themen wichtig ist. Zur Wahrheit gehöre auch, dass mit dieser Sanierung noch längst nicht alle Themen im Panorama-Bad, die in den nächsten Jahren anstünden, abgearbeitet seien.
Kritik an Umgang mit dem Thema
In der Diskussion wurde vor allem Beate Gaiser (FW) deutlich und sparte nicht an Kritik darüber, wie mit dem Thema in der Vergangenheit umgegangen wurde. Ihr und auch den anderen Gemeinderäten sei die aktuelle Situation im Bad und der sich daraus ergebende Sanierungsbedarf überhaupt nicht klar gewesen. Hätte das Gremium Bescheid gewusst, hätte es manch andere Entscheidung vermutlich anders gefällt. Nach Bekanntgabe der Dringlichkeit des Sanierungsbedarfs habe sie nachts erst einmal gar nicht mehr geschlafen. Ein solcher Zustand im Bad passiere doch nicht von heute auf morgen, echauffierte sich Gaiser.
Bilder von andernorts eingestürzten Hallen habe vermutlich jeder im Kopf. Persönlich sei sie über die Art und Weise, wie das gelaufen sei, total enttäuscht. Sonders Weg, solche Themen künftig transparent und offen anzugehen, sei deshalb klasse.