Ein Windrad auf dem Kälbling steht still – und das schon seit mehreren Monaten. Jetzt kommt heraus: Der Schaden ist massiv – und die Reparatur extrem aufwendig.
Seit August des vergangenen Jahres ist der Windpark auf dem Bad Wildbader Kälbling in Betrieb. Obwohl, eigentlich stimmt das nicht so ganz. Denn wie sich jetzt herausstellt, hat eine der beiden Windkraftanlagen einen schwerwiegenden Defekt – und die Reparatur wird sehr aufwendig.
„Ja, das stimmt“, antwortet EnBW-Pressesprecherin Miriam Teige auf die Anfrage unserer Redaktion. Teige teilt weiter mit: „Die Anlage zwei auf dem Kälbling hat einen Defekt und ist tatsächlich im letzten Jahr nur kurz gelaufen.“
Hauptlagergehäuse defekt
Was genau ist kaputt? „Es hat sich herausgestellt, dass das Hauptlagergehäuse an der Anlage zwei beschädigt ist“, so die EnBW-Sprecherin weiter. Die Reparatur muss am Boden vorgenommen werden.
„Dafür müssen die Rotorblätter abmontiert und zwischengelagert werden. Auch das Maschinenhaus wird abgebaut, damit die Reparatur am Boden erfolgen kann“, erläutert Teige. Die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen für die Lagerflächen der Rotorblätter würden in Kürze festgelegt.
Grund noch nicht bekannt
Der Grund für den Schaden sei noch nicht bekannt und werde derzeit untersucht. Bis April soll die Maßnahme aber abgeschlossen sein und die Windenergieanlage dann auch Strom erzeugen. Als Grund für die lange Reparaturdauer teilt Teige mit: „Unser Anlagenhersteller Vestas hat das Ersatzteil erst kürzlich bekommen.“ Vestas müsse auch die Kosten für die Reparatur tragen, die über den Servicevertrag mit dem Hersteller laufe.
Den Ausfall könne man „nicht eindeutig zuordnen“, so die EnBW-Sprecherin, „aber wir schätzen rund 100 Megawattstunden, die ‚verloren‘ gegangen sind“.
Eine genaue Zahl des entgangenen Ertrags will sie noch nachliefern, bis Redaktionsschluss war diese Information aber noch nicht bei unserer Redaktion eingegangen.
Eigentlich 23 500 MWh
Allerdings erscheint die Zahl von 100 Megawattstunden (MWh) sehr niedrig angesetzt. Denn laut Projektseite der EnBW zum Windpark Kälbling erwartet der Betreiber eine Jahresleistung von 23 500 MWh, eine Strommenge, die rein rechnerisch für 5600 Haushalte reichen soll.
Das heißt also, dass eine Anlage pro Jahr nach EnBW-Angaben dann rund 11 750 MWh Strom im Jahr produzieren soll, also etwa 1000 MWh im Monat. Wenn die Anlage also nur kurz gelaufen ist, dürfte sie bereits seit mehreren Monaten stehen und die Zahl der „verlorenen“ MWh könnte sich auf deutlich mehr belaufen – auch wenn die Anlagen im Testbetrieb möglicherweise noch keine volle Kapazität lieferten.
Kosten deutlich gestiegen
Der Defekt ist ein weiteres Kapitel in der beinahe unendlichen Geschichte des Windparks auf dem Kälbling.
Bereits 2015 gab es die ersten Gespräche in Sachen Windräder auf dem Berg bei Calmbach. Erst zehn Jahre später ging er wirklich in Betrieb – und dann in Teilen nur kurz.
2019 wurde der erste Antrag eingereicht – kurz danach hat der Hersteller der damals geplanten drei Windkraftanlagen Insolvenz angemeldet. Es folgte die Umplanung auf zwei größere Anlagen der Firma Vestas, die insgesamt mehr Strom produzieren sollen. Wenn sie denn laufen.Auch die Kosten sind im Laufe der Zeit deutlich gestiegen: Statt der ursprünglich geplanten rund fünf Millionen Euro pro Anlage rechnete EnBW-Projektleiter Matthias Trenkel bereits 2023 mit Gesamtkosten inklusive aller Baukosten von neun bis zehn Millionen pro Windkraftanlage, also mit Gesamtkosten von etwa 20 Millionen Euro.
Zu den gestiegenen Kosten kommen nun auch noch fehlende Erträge durch den schwerwiegenden Defekt und die lange Reparaturdauer.