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Nach dem Handy-Debakel bei T-Mobile können Millionen betroffener Kunden nicht mit Entschädigung rechnen - sie dürfen aber am nächsten Sonntag kostenlos SMS verschicken.

Bonn - Nach dem Handy-Debakel bei T-Mobile können Millionen betroffener Kunden nicht mit Entschädigung rechnen - sie dürfen aber am nächsten Sonntag kostenlos SMS verschicken.

Die vertraglichen Geschäftsbedingungen von T-Mobile sähen bei solchen Störungen grundsätzlich keine Entschädigungen vor, sagte Unternehmenssprecherin Marion Kessing am Mittwoch in Bonn. Das Netz könne auch mal "anfällig sein". Das Management des Unternehmens bedauerte die Störung und entschuldigte sich bei den Kunden. Als Geste der Wiedergutmachung bot T-Mobile den Kunden an, sie könnten an diesem Sonntag umsonst und unbegrenzt Standard-SMS im Inland in alle Netze verschicken.

Stundenlang war am Dienstag ab 16.09 Uhr im T-Mobile-Netz wegen zentralen Computerproblemen kein Handy-Telefonieren möglich. Auch die Sendung und der Empfang von Textnachrichten (SMS) funktionierte nicht. Größtenteils war die Handy-Kommunikation nach einem schrittweise Wiederhochfahren des Systems bereits ab etwa 1900 Uhr wieder möglich. Gegen 2100 Uhr konnten nach Angaben von T-Mobile "alle Kunden" die Dienste wieder nutzen. Wie viele Kunden insgesamt genau von dem Kollaps betroffen waren, konnte T-Mobile nicht sagen.

Es dürfte sich aber um einen beträchtlichen Teil der insgesamt rund 39 Millionen Kunden gehandelt haben. T-Mobile ist vor Vodafone (rund 36 Millionen Kunden) in Deutschland Marktführer. Ungefähr ein Viertel der Gespräche hätten trotz der Panne nach vorläufigen Zahlen noch reibungslos abgewickelt werden könne, sagte Kessing. Die Ausfälle ließen sich nur schwer genau beziffern.

Als Ursache für die Panne wurden von T-Mobile Probleme mit der zentralen Computersteuerung für die Gesprächsvermittlung genannt. Es habe Störungen bei dem Server des sogenannten Home-Location-Register (HLR) gegeben. Das HLR sorgt für die Verbindungen zwischen Mobilfunkstationen und den zugehörigen Handy-Nummern. "Das Netz war da, aber die Erkennung funktionierte nicht", erläuterte Kessing. Warum die Störung entstanden sei, werde noch untersucht. Nach aktuellem Stand sei es aber "sehr unwahrscheinlich", das die technische Störung durch einen Eingriff von außerhalb verursacht worden sei.

"Wir bedauern den Vorfall und entschuldigen uns bei unseren Kunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten", erklärte der Sprecher der Geschäftsführung von T-Mobile Deutschland, Georg Pölzl. "Derzeit untersuchen wir den Vorfall genau, um eine Wiederholung auszuschließen."

Die Bundesnetzagentur fordert von dem Telekom-Unternehmen Auskunft über Ausmaß und Ursache der Panne. Die Netzagentur selbst habe zu dem Vorfall keine eigene Daten, sagte eine Sprecherin. Für mögliche Entschädigungsansprüche ist die Bonner Aufsichtsbehörde für die Telekommunikationsnetze nicht zuständig. Bei dem Ausfall handele es sich um Vertragsrecht und damit um Zivilrecht, sagte die Sprecherin.

Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen- Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, forderte eine schnelle und unbürokratische Entschädigung. "Alle 39 Millionen Kunden können erwarten, dass sie mit der nächsten Monatsrechnung eine angemessene Gutschrift erhalten."

T-Mobile Deutschland GmbH ist die Mobilfunk-Sparte der Deutschen Telekom AG und ging 1993 unter dem Namen DeTeMobil an den Markt. Das Unternehmen mit Sitz in Bonn hat knapp 5400 Mitarbeiter.

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