Ein Bild, das auch im Kreis Rottweil in ausgeprägter Form möglich sein wird. (Symbolfoto) Foto: Riedl/dpa

Gute Nachrichten von der Pandemie-Front: Da die Inzidenz in den vergangenen 14 Tagen insgesamt gefallen ist, folgt nun Öffnungsschritt 2. Das bedeutet Erleichterungen für Gastronomie, Kultur- und Vortragsveranstaltungen sowie den Sport. Vielleicht erfolgen am Samstag weitere Freiheiten.

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Kreis Rottweil - Das Corona-Regelwerk ist nicht einfach zu durchschauen. Doch so, wie sich die Pandemielage im Kreis Rottweil aktuell zeigt, folgt ab Donnerstag Öffnungsschritt Nummer 2. Darüber informiert die Landkreisverwaltung in einem Mediengespräch am Mittwochmorgen.

Das heißt unter anderem, dass die Gastronomie eine Stunde länger (bis 22 Uhr) öffnen darf, innen und außen kann unter Einhaltung der AHA-Regeln bewirtet werden. Möglich sind Kulturveranstaltungen (Theater, Kino) innen mit bis zu 100 Personen, im Freien sind bis 250 Personen erlaubt. Grünes Licht erhält auch kontaktarmer Freizeit- und Amateursport in Sportanlagen und Studios innen (eine Person pro 20 Quadratmeter) und außen.

Es kann wieder Wettkampfveranstaltungen ohne Begrenzung der Teilnehmerzahl geben – außen mit maximal 250, innen mit maximal 100 Zuschauern. Vortrags- und Informationsveranstaltungen (100 innen, 250 außen) sind möglich. Angebote von Volkshochschulen, Musik-, Kunst-, Jugendkunst-, Tanz- und Ballettschulen können von 20 Teilnehmern in der Summe wahrgenommen werden.

Schon ab Samstag könnten weitere Erleichterungen des öffentlichen und privaten Lebens folgen: Sollte die Inzidenz bis einschließlich Freitag weiter unter dem Wert von 50 liegen, sind ab dem Wochenende Treffen im privaten oder öffentlichen Raum wieder besser möglich. Zusammenkommen dürfen zehn Personen aus bis zu drei Haushalten. Eigene Kinder bis einschließlich 13 Jahre werden nicht mitgezählt. Zusätzlich dürfen laut Corona-Verordnung fünf Kinder bis einschließlich 13 Jahren aus fünf weiteren Haushalten dazukommen. So seien Kindergeburtstage im kleineren Rahmen wieder möglich.

Auch beim Einkaufen wird es einfacher – die Testpflicht entfällt, die Maske muss aber getragen werden. Archive, Büchereien, Bibliotheken, zoologische und botanische Gärten, Galerien, Gedenkstätten und Museen könnten ohne Auflagen besucht werden – Abstandsregeln und Maskenpflicht gelten indes weiterhin.

Soweit könnte es durchaus kommen. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis ist am Dienstag mit öffentlicher Feststellung durch das Robert-Koch-Institut am Mittwoch plötzlich auf 22,9 gesunken. Ursache ist, dass die 25 Fälle von vergangenem Dienstag aus der Statistik gerutscht sind. Am kommenden Donnerstag könnte es einen vergleichbaren Effekt geben. Dann verschwinden die 22 Fälle von Donnerstag vergangener Woche und die Inzidenz könnte eine weitere ruckartige Talfahrt nach unten nehmen, sich zumindest unterhalb von 50 stabilisieren. Darauf macht Stephan Vilgis vom Gesundheitsamt Rottweil aufmerksam. Voraussetzung sei natürlich, dass es in den kommenden Tagen zu keinen anderen Ausbrüchen komme.

Kritik an Landesregierung

Zu den Impfungen: Im Kreisimpfzentrum sind bislang 48 946 Spritzen gegen das Coronavirus gesetzt worden, die Hausärzte verabreichten 31 019 Dosen, mobile Impfteams impften vor allem in den Pflegeeinrichtungen 2500 Menschen. Mehr als 82 000 Menschen wurden im Kreis geimpft, davon sind 32 600 bereits vollständig immunisiert. Die Impfquote im Kreis Rottweil, nach Postleitzahlen ermittelt, beträgt bei der Erstimpfung 44 Prozent, bei der Zweitimpfung 25,5 Prozent.

Landrat Wolf-Rüdiger Michel weist darauf hin, dass man damit in der Gruppe vergleichbarer Landkreise an der Spitze liege. Michel äußert in diesem Zusammenhang Kritik am Sozialministerium. Der Landrat sieht bei der Verteilung zusätzlicher Impfdosen den ländlichen Raum benachteiligt – auch wenn das Land am Dienstag dem Kreis zusätzliche 1800 Spritzen zugesichert habe.

Bereits bei der Implementierung der Zentralen Impfzentren sah Michel Nachteile für die ländlichen Gebiete. Das spiegele sich in deutlich höheren Impfquoten der Landstriche wider, in deren Nähe es ein Zentrales Impfzentrum gebe.

Heime: keine aktiven Fälle

In den Heimen des Landkreises gebe es zurzeit keine Infektionen. Einrichtungen der Pflege und Betreuung seien vollständig geimpft, zudem seien auch jene Bewohner in den Heimen mit Impfstoff versorgt worden, die bei Kampagnenstart aufgrund einer Infektion nicht berücksichtigt worden seien.

Die öffentlich und in den sozialen Medien geäußerte Kritik an den Behörden könne er verstehen, so Michel. Auch er verzweifele mitunter an der Corona-Situation, zudem sei das Regelwerk kaum zu durchschauen. Die Bevölkerung sei unzufrieden und wolle den Sommer genießen. Das könne er nachvollziehen.

Ob er im Nachhinein die Dinge anders gemacht hätte? Nein, sagt der Landrat, er sehe keine Fehler. Das Virus bleibe unberechenbar. "Wir leben in einer Pandemie". Der Landrat verweist auf den März, als der Landkreis Rottweil sehr gut dagestanden sei und die Journalisten nach dem Geheimrezept gefragt hätten. Da habe er, so Michel, gesagt, man müsse zwar hart arbeiten, benötige aber auch Glück. Und er habe betont, man müsse die guten Inzidenzen mit Demut entgegennehmen. Zwei Wochen später wendete sich das Blatt zum Schlechten. Jetzt wiederum sieht es nach einer spürbaren Besserung der Lage im Kreis Rottweil aus.

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