Am Schömberger Palmbühl wird auch in dieser Saison wieder die „AnsprechBar“ angeboten. Die Seelsorger stehen für jeglichen Gesprächsbedarf bereit.
Ich bin jetzt aufgeräumter, zuversichtlicher“ – Wenn die Menschen das sagen, nachdem sie die AnsprechBar auf dem Palmbühl besucht haben, dann sind Pfarrer Michael Holl und seine ehrenamtlichen Seelsorger mit ihrer Arbeit zufrieden.
„Man muss keine Probleme haben, um sich auszutauschen“, führt Holl aus. „Manchmal tut einfach jemand, der aktiv zuhört, gut. Es müssen auch keine Glaubensfragen sein. Die Menschen kommen mit allem, was das Leben bringt.“
Mit allem, was das Leben bringt
Mit dem Mai startet nicht nur die Palmbühlsaison der Kirchengemeinde, sondern auch das Seelsorge-Angebot der Profilstelle des Dekanats Balingen. Ein zentraler Pfeiler besteht rund um die rote Ape mit Wiedererkennungswert, die mit den frühlingshaften Temperaturen auch wieder die Sitzgelegenheiten auspackt und zum offenen Gespräch einlädt.
Jeden Freitag zwischen 16 und 18 Uhr dürfen die Menschen mit allem, was ihnen auf dem Herzen liegt, kommen. Einen Kaffee oder Tee gibt‘s kostenlos dazu. „Wir haben keine Lösungen und keine Rezepte in der Schublade“, führt Holl weiter aus. „Wir vertrauen darauf, dass die Menschen ihre Lösungen schon in sich tragen, und wir ermutigen, auch die positiven Seiten in einer Krise zu sehen.“
Nicht moralisch urteilen
Bereits der Prozess des Aussprechens bringe etwas in Gang. Denn um etwas Auszusprechen, müsse es zunächst innerlich geordnet werden, sowohl die Gedanken- als auch die Gefühlswelt betreffend, teilt der Seelsorger seine Erfahrung. „Wir nehmen dich ernst mit deiner Situation. Unsere Aufgabe ist nicht, moralisch zu urteilen – im Gegenteil“, so das Versprechen.
Zur Stelle ist nicht nur der Pfarrer persönlich, sondern auch fünf Ehrenamtliche. Weitere Interessenten sind immer willkommen. Begleitung erhalten die Freiwilligen von der Ökumenischen Psychologischen Beratungsstelle in Ebingen. In der Vergangenheit wurden bereits Basiskurse zum Thema Seelsorge von der Diözese angeboten.
Zu den bereitwillig Zuhörenden gehört der Schömberger Siegfried Bertsch. Er ist bereits 20 Jahre lang einer Beratungstätigkeit nachgegangen, da habe ihn das Open-Air-Seelsorge-Angebot einfach angesprochen. „Wenn man weiß, man hat was gemacht, dann geht man einfach besser heim“, berichtet er. „Es kommt auch viel vom Gegenüber zurück.
Seine Erfahrung zeigt, dass oftmals ein heilsamer Austausch zustande kommt. Er würde sich jedoch auch wünschen, dass das Angebot vor allem in den kälteren Monaten, in denen es von der Ape weg in die Innenräume geht, dann doch noch besser angenommen wird. „Diese Art von Gesprächen gibt es im Privaten weniger“, sagt Bertsch. „Hier kommt man sehr tief, da kommuniziert man auf ganz anderer Ebene. Das ist sehr wertvoll. Man gibt hier viel Vertrauen und viel Empathie – das ist ein Geschenk.“
Ein Open-Air-Seelsorge-Angebot
Die AnsprechBar ist ein Zuhör-Angebot des Katholischen Dekanats Balingen auf dem Palmbühl. Jeden Freitag von Mai bis September zwischen 16 und 18 Uhr sind ehrenamtliche Seelsorger für persönliche Gespräche frei. Für das gemütliche Ambiente sorgen die rote Ape mit Sitzgelegenheiten und eine warme Tasse Kaffee oder Tee. Es können mit Pfarrer Michael Holl auch individuelle Termine vereinbart werden, telefonisch unter 0174 1057563 oder per Mail mholl@drs.de
Zu den weiteren Angeboten gehört das Samstagspilgern zu einer Kapelle jeweils im Mai (Weilen unter den Rinnen), Juni (Gösslingen) und Juli (Dormettingen). Außerdem geht es bis Oktober monatlich an einem Montag um 19 Uhr „Schweigend um den See“, um innerlich zur Ruhe zu kommen und einen mitgeteilten Gebetsvers nachwirken zu lassen.
Zwar nicht öffentlich, aber interessant für Kirchengemeinderäte und alle, die Kirche aktiv mitgestalten, etwa als Mesner oder Kommunionhelfer, wird es bei den Nachmittagen auf dem Palmbühl. Thematisiert wird, wie die Prozesse „Kirche der Zukunft“ und „Seelsorge in neuen Strukturen“ mithilfe des Glaubens gemeistert werden können.