Die Rottenburgerinnen, die für den österlichen Palmenschmuck im Dom sorgen, sind in Not. Sie brauchen dringend Menschen, die ihnen das nötige Grünzeug beschaffen.
Die beinahe 80-jährige Gerda Huggenberger ist zum zweiten Mal binnen weniger Jahre in tiefer Sorge ums Palmbinden in Rottenburg.
Anfang der 1980er-Jahre hatte die gebürtige Oberschwäbin im damaligen Bastelkreis junger katholischer Frauen vorgeschlagen, am Wochenende vor Palmsonntag doch mal Palmen zu binden. Mit vollem Erfolg: Die gemeinschaftliche Aktion im Domgemeindehaus wurde zu einem festen Termin im Rottenburger Kirchenkalender. Doch die Frauen wurden älter, und dann kam Corona. Auf den jährlichen Rundbrief mit der Frage, wer beim Binden mitmachen kann, meldeten sich 2023 nur fünf Frauen. Der Brauch drohte auszusterben.
Vor dem Osterfest der Rottenburger Dom geschmückt
Ein Zeitungsartikel sorgte damals dafür, dass sich neue Mitstreiterinnen fanden. Das Binden der Palmen, mit denen am Sonntag vor dem Osterfest der Rottenburger Dom geschmückt wird, war fürs Erste gerettet. Die mit rot bemalten Eiern besteckten Gebinde sollen an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern. Das Volk soll ihm damals zugejubelt und Palmzweige ausgestreut haben. Weil es in hiesigen Gefilden keine Palmen gibt, nehmen die Rottenburgerinnen frisches Grün von Buchsbaum, Thuja und Eibe.
Die Beschaffung eben dieses Grünzeugs steht jetzt auf der Kippe. Die Gärten, in denen es zur Verfügung steht, sind zwar vorhanden. Aber die Männer, die noch vergangenes Jahr auf die Leiter stiegen, um es von den Sträuchern zu schneiden, sind zu alt dafür geworden oder fallen krankheitsbedingt aus. Deshalb sucht Gerda Huggenberger dringend nach drei oder vier Leuten, die diese Arbeit heuer am 20., 21. oder 22. März und auch in den kommenden Jahren verlässlich übernehmen möchten. Und die die Buchs-, Eiben- und Thujazweige außerdem im Kofferraum oder auf dem Hängerle zum Domgemeindehaus transportieren.
Mit mehr als einem herzlichen Dank können Huggenberger und ihre Konsortinnen diesen Einsatz allerdings nicht entlohnen. „Wir haben kein Geld, um jemandem etwas zukommen zu lassen“, sagt Huggenberger. „Wir machen das Palmbinden ja selbst ehrenamtlich.“
Die Aktion ist nur einmal im Jahr
Die 79-Jährige hofft inständig, dass sich Freiwillige nach der Lektüre dieses Artikels unter der Telefonnummer (07472) 3418 bei ihr melden. „Es ist ja nur einmal im Jahr“, fügt sie hinzu.