Ob Haustierbesuch oder Hubschrauber im Klinikgarten – das Palliativzentrum VS zeigt seit zehn Jahren, wie individuell und menschlich Begleitung am Lebensende sein kann.
Zehn Jahre ist es nun her, dass der Bau des Palliativzentrums des Schwarzwald-Baar-Klinikums vollendet wurde. In einem Pressegespräch anlässlich des Jubiläums erfahren wir – was sich dort getan hat und was die Zukunft für diese Krankenhausstation mit sich bringt.
2009 sei der Verein Palliativzentrum-VS gegründet worden, berichtet das Vorstandsmitglied Juliane Tritschler. Ein Jahr nach der Gründung hätten sie bereits eine Million Euro an Spenden für den Bau des Zentrums gesammelt, aber dass am Ende insgesamt 4,3 Millionen Euro zusammen bekommen, das habe sie nie gedacht.
Mit einem Landeszuschuss von 1,45 Millionen Euro, Eigenmitteln des Schwarzwald-Baar-Klinikums in Höhe von 350 000 Euro und einer Förderung über 200 000 Euro der Deutschen Krebshilfe wurde der Grundstock für den Bau des Zentrums gelegt.
Den Löwenanteil brachte allerdings der Verein Palliativzentrum-VS mit insgesamt 1,7 Millionen Euro an den Tisch. Mit Spenden, Benefizveranstaltungen wie Konzerten und dem Verkauf von selbstgestrickten Socken auf Weihnachtsmärkten habe diese Summe erreicht werden können, erzählt Tritschler.
Hürden und Vorbehalte abbauen
Das Jubiläum wollen Tritschler, Geiser und der Leiter des Palliativzentrums und Onkologe Paul Graf La Rosée nutzen, um auf die wichtige Arbeit der Station 2 des Klinikums hinzuweisen sowie Hürden und Vorbehalte abzubauen, so Geiser.
Denn beim Palliativzentrum handele nicht um eine Sterbestation, erklärt der Geschäftsführer. Vor allem gehe es allerdings darum, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und zu erhalten sowie sie auf ihre nächste Station vorzubereiten – sei es nun in einem Hospiz oder zuhause.
Deshalb werde auch besonderen Wert auf den ambulanten Palliativdienst gelegt, zwei Ärzte des Klinikums sowie zwei Hausärzte seien für diese Patienten 24 Stunden sieben Tage die Woche erreichbar, erklärt Tritschler.
Auch auf anderen Stationen des Krankenhauses seien Palliativpatienten untergebracht, die durch offene Wunden nicht auf die Station 2 verlegt werden können, erläutert La Rosée. Mit einem palliativmedizinischen Konzildienst, der ab Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten soll, erhalten auch diese die Behandlungsmethoden des Palliativzentrums.
Eine Hauptaufgabe des Palliativzentrums
Eine der Hauptaufgaben des Palliativzentrums bestehe darin, Schmerzen und andere Beschwerden zu lindern. „Bestrahlung kann besser helfen als Morphin“, erläutert der Facharzt.
Auf der Palliativstation geht es um einen ganzheitlichen Ansatz: Symptomkontrolle, aber auch Gespräche und Aufklärung sowohl für die Patienten als auch für die Angehörigen seien ebenfalls wichtig Punkte. So sei es auch mal wichtig, einem todkranken Patienten zu sagen, dass man „sterben darf“, erklärt La Rosée.
Bei einem sehr jungen Patienten mit einer Lungenerkrankung habe man es beispielsweise geschafft, dass er „geheilt gestorben“ sei – indem man ihm die Angst vor dem Tod genommen habe und er sein Schicksal akzeptieren konnte, meint der Onkologe.
„Das Leben steht im Vordergrund“
Aber: „Das Leben steht im Vordergrund“, hebt der Leiter des Palliativzentrums hervor. So wurde es einer Patientin ermöglicht, ihren Servicehund dauerhaft mit auf die Station zu bringen.
Wenn es wichtig für die Behandlung sei, werde das auch möglich gemacht, fügt Tritschler hinzu. Auch ein stinkendes Frettchen sei einmal unter den Besuchern gewesen, berichtet sie lachend.
Doch auch speziellere Wünsche werden möglich gemacht – so beispielsweise die Landung eines Hubschraubers im Garten vor dem Palliativzentrum, erzählt La Rosée. Das sei der Wunsch eines Flugschullehrers gewesen – mit diesem Helikopter im Zentrum abgeliefert zu werden.
Logistische Probleme und Herausforderungen treten dabei in den Hintergrund. „Nicht fragen – einfach machen“, ergänzt Geiser schmunzelnd.
Zehn Jahre Palliativzentrum
Öffentliche Vernissage
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Palliativzentrums wird am 29. November ab 13 Uhr im Palliativzentrum des Schwarzwald-Baar-Klinikums eine Kunstausstellung mit Porträts von Patienten gezeigt. Bis zum 31. Dezember ist die Fotoausstellung „Menschenbilder“ zu besichtigen.