Armin Redzepagic ist in der Region als erfolgreicher Fußballtrainer bekannt. Auch beruflich wollte er sich nun ganz dem Sport widmen und einen Padel-Club in Calw eröffnen.
„Die lassen mich wirklich im Regen stehen. Ich bin schon ziemlich enttäuscht von Calw“, schimpft Armin Redzepagic. Der Stammheimer ist einer der erfolgreichsten Fußballtrainer aus dem Kreis Calw, führte den VfL Nagold zweimal in die Verbandsliga und war zuvor fünf Jahre lang beim VfL Stammheim, den er von der Kreisliga B in die Bezirksliga brachte. Aktuell steht er beim Oberligisten 1.CfR Pforzheim an der Seitenlinie.
Und auch beruflich wollte sich der 47-Jährige nun voll und ganz dem Sport widmen. 25 Jahre lang arbeitete er bei Mercedes-Benz in Sindelfingen als Lieferantenmanager, doch bekam vergangenes Jahr Lust auf etwas ganz Neues. Seine Idee: Zusammen mit seinen beiden Söhnen, die aktuell beim VfL Nagold und Zrinksi Calw Fußball spielen, einen Padel-Club eröffnen. „Eine absolute Trendsportart. Padel-Hallen schießen gerade überall wie Pilze aus dem Boden“, weiß Redzepagic, der selbst gerne Tennis und Padel spielt.
Calwer Bürgermeisteramt macht Mut
Zwei Standorte fasste er für sein Projekt ins Auge: seine Heimatstadt Calw oder aber Nagold, wo er sieben Jahre lang Trainer war und auch gut vernetzt ist. Mit dieser Idee sei er auf die Stadt Calw zugegangen und habe dort mit dem Bürgermeisteramt gesprochen. „Nach einem ersten Gespräch mit dem Bürgermeisteramt in Calw war man von der Idee sehr begeistert, denn man wollte die Stadt mit diesem neuen Trend aufwerten“, sagt Redzepagic und erinnert sich: „Ich solle damit auf keinen Fall damit nach Nagold. Calw wolle das unbedingt. Man riet mir, mich auf ein Gewerbegrundstück im Stammheimer Feld zu bewerben. Fairerweise sagte man, dass der Gemeinderat das letzte Wort hat.“
Redzepagic beauftragte einen Architekten, verhandelte mit Hallenbauern und den Herstellern der Plätze. Eine rund 2000 Quadratmeter große Halle mit vier modernen Indoor-Felder sollte entstehen, dazu zwei Außenspielfelder. „Da war so viel geplant. Events, Turniere, Kooperationen mit Schulen und Krankenkassen, Gastronomie für das Gewerbegebiet, die Halle rund um die Uhr geöffnet, auch für Spät- und Nachtschichtler, Außenplätze mit Außenterasse“, erklärt Redzepagic seine Pläne und zeigt auf: „Wir haben wenig bis gar nichts für Jung und Alt in Calw anzubieten. Wir haben kein Kino mehr, keine Bowlinghalle, keinen Soccerpark, nichts. Ich bin gut vernetzt und wollte als in Calw Geborener und hier Wohnhafter auch etwas zurückgeben. Calw wäre dann sogar einer der Ersten, die so ein Highlight anbieten würde, also noch vor Böblingen, Herrenberg, Sindelfingen, Nagold und Pforzheim. Es gibt zwar schon die ersten Plätze, aber die sind alle noch outdoor.“
Redzepagic war optimistisch, dass er die Fläche im Stammheimer Feld – nur zwei Autominuten von seinem Wohnort entfernt – bekommen würde. „Anscheinend war ich wohl einer der wenigen Bewerber, welcher Unterhaltung und Sport für Jung und Alt anbietet. Ich hatte mitbekommen, dass sich acht andere gewerbliche Bewerber auf die vier Grundstücke beworben hatten“, sagt Redzepagic. Zudem unterschrieb er im November beim 1.CfR Pforzheim den Trainer-Vertrag nur bis Ende April 2026, um sich danach voll auf den Padel-Club konzentrieren zu können. Doch dann kam kurz vor Weihnachten die Absage von der Stadt Calw.
Redzepagic wartet noch immer auf richtige Antwort
„Ein Schock für mich, meine Familie und alle Bekannten, die in die Pläne eingeweiht waren“, sagt Redzepagic über die Absage, die zuerst ohne Begründung erfolgte. Nach einer ersten Mail habe er nur knappe Antwort bekommen, dass es zu viele Bewerber gegeben habe. Er schimpft: „Leider habe ich auf alle meine weiteren E-Mails und Fragen nie mehr eine Antwort erhalten. Ich wollte nur verstehen, wie und ob überhaupt bewertet wurde, welches die Kriterien waren und ob ein Punktesystem zur Ermittlung genutzt wurde. Nichts! Man hat einfach den Mantel des Schweigens darübergelegt. Das ist für mich als Calwer alles andere als okay. Niemand schuldet mir etwas, es war meine Entscheidung und das Risiko liegt nur bei mir, aber drei oder vier unbeantwortete E-Mails und nichtssagende Ausreden sind einfach nicht fair. Und wenn es wettbewerbskonform gelaufen wäre, ist es auch kein Problem für mich.“
Stadt Calw weist Vorwürfe von sich
Auf Nachfrage unserer Redaktion sagt Rathaus-Sprecher David Mogler zu der Sache: „Die Stadt Calw hat auf Beschluss des Gemeinderates Gewerbegrundstücke im Stammheimer Feld öffentlich ausgeschrieben und dafür viele Bewerbungen und Interessensbekundungen erhalten. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei einer Ausschreibung nicht alle Interessenten zum Zuge kommen oder nicht alle Bewerbungen der Strategie für Gewerbeansiedlungen entsprechen.“ Weitere Details könne Mogler nicht nennen, denn: „Da es sich um Grundstücksangelegenheiten handelt, finden die Beratungen dazu grundsätzlich nicht-öffentlich statt, weshalb auch die Gründe für oder gegen Bewerber nicht öffentlich gemacht werden, um das Vertrauensverhältnis zwischen Bewerbern und Stadt nicht zu gefährden und um Interessen von Gewerbetreibenden nicht zu gefährden.“ Nicht richtig sei es, dass die Stadt Calw im Vorfeld Redzepagic eine Einschätzung gegeben habe, wie gut seine Chancen stehen, ein Grundstück im Stammheimer Feld zu bekommen. „Da dies in der Hoheit des Gemeinderates liegt“, so Mogler, der noch hinzufügt: „Wenn der Bewerber eine Ansiedlung an einem anderen Ort realisieren kann, dann freuen wir uns für alle Beteiligten. In Calw hat es leider nicht gereicht, insbesondere da Gewerbegrundstücke sehr rar sind.“
„Calwer verdienen coole, neue Unterhaltungsspots“
Redzepagic hat indes noch nicht aufgegeben. Er sagt: „Ich suche jetzt woanders nach Gelegenheiten.“ Und er appelliert: „Fragt die gewählten Gemeinderäte selbst, was die Beweggründe waren, um so eine Hype-Sportart nicht zu berücksichtigen und was anstelle dessen kommen wird. Ich selbst hoffe stark, dass im Stammheimer Feld etwas kommt, das unsere Stadt tatsächlich aufwertet. Das würde das ganze erträglicher machen. Die Calwer verdienen coole, neue Unterhaltungsspots. Meine Jungs müssen immer 30 bis 40 Kilometer in andere Städte fahren, um Spaß zu haben.“