Als Peter und Annemarie Heintz vor einem Vierteljahrhundert ihren Friseursalon eröffneten, galt das Arbeitszeitmodell noch als ungewöhnlich. Rückblickend betrachtet war es visionär. Das sind ihre Erfahrungen mit der Vier-Tage-Woche.
25 Jahre ist es her, dass sich Peter und Annemarie Heintz in Alpirsbach mit ihrem Friseursalon P&A Friseure selbstständig gemacht haben. Die Vier-Tage-Woche gehörte von Anfang an zu ihrem Leitbild. Was sich in erster Linie gut für die Mitarbeiter anhört, birgt auch für die Kunden Vorteile, erklärt Inhaber Peter Heintz im Gespräch mit unserer Redaktion.
„Dadurch entsteht Flexibilität.“ Und das brauche es im Dienstleistungsgewerbe. „Ich bringe dann Leistung, wenn andere Leute Zeit haben: Schichtarbeiter, Ärzte, Krankenschwestern, Selbstständige“, zählt Heintz auf. Die beliebtesten Termine seien die frühen am Morgen und die späten am Abend. Und so haben die P&A Friseure aus der Not eine Tugend gemacht.
Eine Win-win-Situation
Mitarbeiter sind von Dienstag bis Freitag von 8 bis 19 Uhr im Friseursalon. Samstags stehen regulär nur die Inhaber Peter und Annemarie Heintz im Laden in der Karlstraße 6. Sonntags und montags ist geschlossen.
Die derzeit drei Mitarbeiter arbeiten an drei Tagen je zehn Stunden, an einem sieben Stunden – sie haben also eine 37-Stunden-Woche. So haben die Mitarbeiter je einen festen freien Tag in der Woche. „Auf den können sie Arzt- oder Physiotermine, Treffen mit Freunden legen“, fährt Heintz fort. Es sei eine Win-win-Situation.
Und auch andere Branchen werden nicht um die Vier-Tage-Woche herumkommen, vermutet er. „Man muss das anbieten, wenn man die Leute halten will. Und der Gesetzgeber muss die Bedingungen dafür schaffen.“
Nachfolger fehlen
Peter Heintz ist seit 42 Jahren im Beruf. Seit langem beobachtet er, dass die Zahl der Friseure stetig abnimmt. Den Grund dafür sieht er auch in den Arbeitszeiten. In Großstädten werde beim Friseur aufgrund der fehlenden Mitarbeiter samstags schon nicht mehr gearbeitet. Und Heintz weiß, wovon er spricht. Der Friseurmeister reist regelmäßig als Trainer durch Deutschland, um andere aus der Branche zu schulen.
Die kommenden zehn Jahre werden seinen Prognosen nach zahlreiche Friseursalons in Deutschland altersbedingt schließen müssen – auch, weil die Nachfolger und die Mitarbeiter fehlen. „In zehn Jahren werden Friseure vermutlich so rar sein wie Hautärzte jetzt“, sagt er.
Industrie als Konkurrent
Von Kunden höre er ab und an die Frage: „Wo sind die fehlenden Mitarbeiter denn alle?“ Seine Antwort: In der Industrie. Denn eine Konkurrenz zwischen Industrie und Handwerk bestehe durchaus, meint er. „Die Industrie konnte in Zeiten, in denen es gut lief, mit 35-Stunden-Wochen, Weihnachtsgeld und flexiblen Arbeitszeiten punkten und Mitarbeiter aus dem Handwerk auch abwerben“, sagt er. Lange Zeit habe die Wertschätzung für das Handwerk gefehlt.
Jedoch spürt Heintz nun einen Wandel. „Manche wollen jetzt wieder zurückkommen – zehn Jahre nachdem sie aus dem Beruf raus sind.“ Nur sei das nicht so leicht, denn es habe sich viel getan im vergangenen Jahrzehnt. „Stillstand ist schließlich Rückschritt“, sagt Peter Heintz.
Nicht mehr nur Haare schneiden
Im Friseurberuf gehe es schon lange nicht mehr nur ums Haare schneiden. Ein Friseur sei zugleich Marketing-Manager, Stilberater, Gastronom, Unterhalter, Seelentröster. Dieses Gesamtpaket erwarte der Kunde mittlerweile.