Die Delegierten der verschiedenen UN-Länder stellen in den jeweiligen Plädoyers ihre Klimaziele vor. Foto: Louisa Speicher

Schüler des OHG in Nagold gingen auf Exkurs: Im Rahmen eines Geografie-Aktionstags schlüpften sie in die Rolle Delegierter der UN-Länder – schafften sie das, woran die UNO scheitert?

Es wurde diskutiert, es wurde debattiert – und es wurde in Rollen geschlüpft. Schüler der elften Klasse des Otto-Hahn-Gymnasiums haben im Rahmen eines jährlichen Aktionstages, der sich an den Grundkurs Geografie richtet, eine UN-Klimakonferenz simuliert.

 

Generalsekretäre, Delegierte der Länder China, USA, Indien, der Entwicklungsländer sowie Lobbyisten und Klimaaktivisten diskutierten im Kubus, was das Zeug hält. Innerhalb von vier Unterrichtsstunden mussten sie eine Lösung finden: Wie schaffen es die Länder, den Temperaturanstieg bis in das Jahr 2100 auf unter zwei Grad Celsius zu beschränken, und dabei gleichzeitig die Interessen ihrer Länder zu berücksichtigen?

Die Plädoyers

Die Plädoyers beginnen. Die Lobbyisten der fossilen Brennstoffe sagen: „Der Wohlstand wird zerfallen, Klimawandel ist nicht dringend.“ – die Klimaaktivisten buhen sie aus, werfen sie mit Papierkügelchen ab. Die Klimaaktivisten halten ihre Rede: „Wir müssen handeln“ – und alle Länder jubeln, von den Inselstaaten gibt es sogar Standing Ovations.

Die USA setzen auf Wohlstand statt Wandel, erklären sie in ihrer Rede. Und: „So lange ihr nicht Initiative ergreift, machen wir gar nichts.“

Die EU-Delegierten möchten 350 Milliarden Euro in die Klimapolitik investieren, 20 Prozent davon sollen an die Entwicklungsländer gezahlt werden. Denn: „Wir müssen einen gemeinsamen Deich bauen – für unsere Zukunft“, appellieren sie.

China sieht das Problem vor der eigenen Haustür: Sie würden zu viel für andere Länder produzieren. Ihre Lösung sei eine Erhöhung der CO₂-Steuer für Exportländer, um von diesem Geld in die Green Climate Foundation zu investieren sowie Entwicklungsländer zu fördern.

Die Delegierten Indiens kündigen an, dass sie weiterhin auf Öl und Erdgas setzen. Aber: Mit moderner Klimatechnik der EU möchten sie bis 2030 eine klimaneutrale Abholzung ermöglichen. Sie plädieren: „Realismus statt Ideologie.“

Die Inselstaaten illustrieren ihr tägliches Leben: Überschwemmungen, Hungersnot, Armut – sie leiden unter dem, was die verantwortlichen Akteure anrichten. Sie wollen 40 Prozent der Abholzung vermindern, dafür 80 Prozent der Aufforstung fördern.

Entwicklungsländer leiden oft unter Klimakatastrophen wie Überschwemmungen. Foto: Speicher

Auf die Frage, was sie davon in der Realität für umsetzbar halten, antwortet Finn, EU-Delegierter, das Problem liege vor allem bei den großen Akteuren. So lange nicht im Sinne der Gemeinschaft gehandelt würde, könne sich nichts ändern. Realistisch hält er eine Veränderung durch weitere Fördermittel an Entwicklungsländer, um gegen Armut vorzugehen.

Nachhaltig in Nagold

Simulation hin oder her, die Klimakrise ist real – und zur Umwelt kann jeder etwas beitragen. Deliza, Rolle Klimaaktivistin, erzählt, ihr sei von klein auf Mülltrennung beigebracht worden. Warum ihre Eltern darauf so viel Wert legten, hätten die Gespräche über den Klimawandel und die Nachhaltigkeit in der Schule ihr erst richtig bewusst gemacht.

Zwei Zwölftklässlerinnen des Leistungskurses Geografie, Anni und Lena, haben eine ganze Liste an Möglichkeiten, umweltbewusster zu leben: mit dem Bus fahren oder zu Fuß gehen statt das Auto zu nutzen, zu Jutebeuteln oder Einkaufskörben greifen statt Plastiktaschen im Supermarkt zu kaufen. Im Bereich Kleidung setzen die beiden auf Second-Hand statt schnell vergängliche Mode.

Zurück zum Beginn der Simulation: Gelang es den Schülern, einen Plan für das Zwei-Grad-Ziel zu erarbeiten? Trotz Verhandlungen konnten sie keine Lösung finden – ganz so einfach ist es leider nicht. Aber: Was der Tag verdeutlicht hat, ist, dass eine Lösung für die Umwelt und gegen den Klimawandel nur gefunden werden kann, wenn jeder mitmacht.