Die Osternacht lockt seit vielen Jahren zahlreiche Menschen in die evangelische Johanneskirche in Schwenningen.
Es ist noch dunkel, als die Menschen um 5 Uhr die dunkle Kirche betreten. Trotzdem zieht die Osternacht nun schon seit 40 Jahren Besucherinnen und Besucher an.
Jedes Jahr wird der Gottesdienst eindrücklich von einem Team gestaltet, mit eigenen Texten, besonderer Musik und intensiver Vorbereitung. Dieses Jahr war das Thema „auf(er)stehen“.
„ In den Texten wurde spürbar, wie schwierig es sein kann, aufzustehen und standhaft zu bleiben“, schreibt Pfarrerin Britta Mann-Horváth in einer Pressemitteilung. Die Besucher wurden mithineingenommen in biblische Texte, aber auch in unterschiedliche Lebenssituationen.
Alltagsthemen
Da wurde der Alltagsrassismus spürbar, den eine Frau im Wartezimmer erlebt. Da wurde von der Sinnkrise und Niedergeschlagenheit angesichts der Weltpolitik erzählt. Die Geschichte einer jungen Frau, die von ihrem Chef bedrängt wird, kam zur Sprache.
Und auch das, was das Team zu dem Thema inspiriert hatte: die Frage, wie man eigentlich standhaft sein kann, wenn weltweit Autokraten und Rechtspopulisten an Einfluss gewinnen, und dazu auch noch das Christentum instrumentalisiert wird. Klaviermusik aus Schumanns „Kinderszenen“ nahm die Texte sensibel auf.
Vom Osterlicht erhellt
Die Dunkelheit, die in den Texten spürbar wurde, wurde durch das Osterlicht erhellt. Die Osterkerze, deren Licht an die Teilnehmenden weitergegeben wurde, erhellte nicht nur die Kirche, sondern brachte auch sinnbildlich Licht und Kraft zum Aufstehen und zur Standhaftigkeit in diese Lebenssituationen.
„So wurde das Osterevangelium, die Botschaft der Auf(er)stehung, fassbar“, teilt Pfarrerin Britta Mann-Horváth mit.
Musikalisch erleuchtete ein Instrumentalensemble und Sängerinnen und Sänger die Dunkelheit, geleitet von Kantor Christof Wünsch, der auch einige Stücke speziell für diese Osternacht arrangierte.
Singend und mit Kerzen trafen sich die Teilnehmenden im großen Kreis zum Abendmahl. Anschließend waren alle zum gemütlichen Osterfrühstück eingeladen, wo Menschen, die schon die erste Osternacht in Schwenningen miterlebten, mit jenen zusammenkamen, die in diesem Jahr zum ersten Mal dabei waren.