Erneut gut gefüllt war der Gottesdienst„ wie zu Hebels Zeiten“ am Ostermontag in der evangelischen Dorfkirche in Grenzach. Vor den Pfarrern zogen einige Mitglieder der Trachtengruppe ins Gotteshaus ein. Foto: Rolf Rombach

Liedgut aus dem 18. Jahrhundert und eine zu Lebzeiten nie gehaltene Predigt von Johann Peter Hebel: In der Grenzacher Dorfkirche fand ein wirklich besonderer Gottesdienst statt.

Der „Gottesdienst wie zu Zeiten Johann Peter Hebels“ lockte jede Menge Gläubige in die evangelische Dorfkirche Grenzach. Zu Gast waren neben der Kantorei unter Dieter Zeh auch Vertreter der Markgräfler Trachtengruppe, die damit ein authentisches i-Tüpfelchen setzten. Auch einige Gläubige waren in Tracht zum Gottesdienst gekommen.

 

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren hatte Pfarrer im Ruhestand Axel Huettner bereits einen ähnlichen Gottesdienst geleitet und die Predigt zu Ostermontag 1788 vorgelesen.

Bei der zweiten Auflage des historischen Gottesdienstes konzelebrierte Huettner mit Pfarrer Jörg Winkelströter. Sie behandelten einerseits die nie gehaltene „Wunschpredigt“ Hebels, die er für seinen Amtsantritt in einer ländlichen Gemeinde begonnen hatte, und andererseits seine letzte Osterpredigt aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Gesangbuch von 1786

Die Lieder entstammten dem Badischen Gesangbuch von 1786. Darin fanden sich Stilblüten wie „E freie frohe Mueth, E gsunds und fröhlich Bluet, Goht über Geld und Guet“ oder „‘S währt alles churzi Zit, Der Chilchhof isch nit wit, Wer weiß, wer bal dört lit?“

Huettner zeichnete das Bild, dass Hebel gerne im Markgräflerland tätig geworden wäre als Pfarrer.

Heimat als Sehnsuchtsort

Doch wie Hebel selbst schrieb, sei er „an einer unsichtbaren Hand immer höher […], immer weiter von dem Ziel meiner bescheidenen Wünsche“ weggeleitet worden. Nach dem Tod der Eltern ging Hebel auf das Gymnasium in Karlsruhe, kam als Haus- und Hilfslehrer nochmals nach Südbaden zurück und blieb ab 1791 in Karlsruhe in würdevollen Ämtern.

Historische Zeugnisse wie diese Bücher konnten in Augenschein genommen werden. Foto: Rolf Rombach

„Weihe mich ein in das Amt“, schrieb der bescheidene Geistliche zur Einleitung seiner Predigt und bat um das Vertrauen seiner Gemeinde. „Was wir Gutes tun in Wort und Tat, ist nie verloren“, wäre sein Appell in der „Wunschpredigt“ gewesen.

Vertrauen statt Sorgen

Nach dem von Felix Mendelssohn Bartholdy vertonten „Neujahrslied“ Hebels übernahm Jörg Winkelströter das Vorlesen der Osterpredigt Hebels aus dem Jahr 1801. „Wir sollten uns auf dem Weg zur Gottseeligkeit nicht von Bedenken aufhalten lassen“, schrieb Hebel und verwies dabei auf die Ostergeschichte, in der sich die Frauen auf den Weg zum Grabe Jesu machten, ohne zuvor bedacht zu haben, wie sie den Stein vom Grabe entfernen könnten, um den Leichnam zu salben. „Wir sollten in Demut, Vergebung und Vertrauen auf Gott leben“, sprach Hebel und hätte damit auch heute Recht gehabt, dass man, anstatt sich zu sorgen, einfach anpacken sollte, um Probleme zu lösen. Der Tod sei gefürchteter als das Leben, wobei das menschliche Leid nur im Leben vorkomme. Jesus habe daher „dem Tod den Schrecken genommen“, las Pfarrer Winkelströter vor und lud die Gemeinde dazu ein, eigene Bezüge zu Hebels Worten zu entdecken.