Mit einem Ostermarsch, der vom Bahnhof in den Alpirsbacher Kurgarten führte, und einer Kundgebung haben gut 160 Demonstranten am Karsamstag ein Zeichen gegen die aktuelle Aufrüstungspolitik und die weltweiten Kriege gesetzt.
Entgegen der sonstigen Gewohnheit hatten die Veranstalter vom Arbeitskreis „Zivile Sicherheitspolitik“ im SPD-Kreisverband den Ostermarsch von Freudenstadt nach Alpirsbach verlegt und damit auch die „Friedensstimmen Schramberg“ mit ins Boot geholt. Unterstützt wurde die Aktion zudem von Vertretern des DGB, der IGM, Verdi und von Pulse of Europe.
Nach einem kurzen Marsch vom Bahnhof zum Kurgarten kritisierte Friedensaktivist Theodor Ziegler aus Baiersbronn bei der Kundgebung die aktuell parteiübergreifend unterstützte Aufrüstungspolitik. „Wohin soll das führen?“, fragte Ziegler und bedauerte, dass „andere Wege“ zum Frieden aktuell weder in der Politik noch in der Gesellschaft thematisiert würden.
Die Teilnahme so vieler Menschen an den deutschlandweiten Ostermärschen unter dem Motto „Kriege stoppen – Frieden jetzt“ oder auch „Friedensfähig statt kriegstüchtig“ in 70 verschiedenen Städten sei deshalb erfreulich.
Kirchliches Friedenswort
Der örtliche Pfarrer Christian Honold erinnerte in seinem kirchlichen Friedenswort an die Kriege in Israel und Gaza, im Sudan, in der Ukraine und vielen weiteren Ländern. Die damit einhergehende Verwüstung ganzer Landstriche und Tötung Tausender stimme fassungslos. Doch auch bei uns sei man nicht frei von Gewalt und unschuldig, sagte Honold mit Verweis auf die Gewalt gegen Personen des öffentlichen Lebens und die Gewalt untereinander, etwa bei Meinungsverschiedenheiten. Frieden im biblischen Sinne sei mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Es sei „ das unversehrte Ganze, die Erfüllung des Heils“. Frieden sei auch nicht einfach verfügbar. Wer ihn wolle, der müsse sich bewegen.
Edith Koerber aus Alpirsbach präsentierte gemeinsam mit den Kindern Lisbeth, Sandro und Mirko spielerisch die Geschichte „Ferdinand, der Stier“ von Munro Leaf. Die pazifistische Botschaft des Buchs habe die Nazis seinerzeit veranlasst, das Buch sogar zu verbrennen.
Die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Ute Finckh-Krämer erinnerte an das Kriegsende vor 80 Jahren und die daraus erwachsenen Konsequenzen wie Artikel 4 (3) des Grundgesetzes („Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden“) und den „nuklearen Nichtverbreitungsvertrag“ vor 55 Jahren.
Feindbilder hinterfragt
All dies sei das Ergebnis langer diplomatischer Verhandlungsprozesse gewesen. Friedensbewegungen und Antikriegsproteste hätten solche Verhandlungen schon immer eingefordert und pauschale Feindbilder hinterfragt.
Die Friedensbewegung verurteile alle Angriffskriege und unterstütze diejenigen, die sich – egal auf welcher Seite – dem Krieg verweigerten, sagte Finckh-Krämer. „Nachhaltiger Frieden entsteht nicht durch Abschreckung und Aufrüstung, sondern durch den Aufbau gerechter Strukturen, die Förderung von Dialog und Kooperation sowie die Stärkung zivilgesellschaftlicher Teilhabe“, zitierte sie die Plattform Zivile Konfliktbearbeitung in einer Stellungnahme zum Koalitionsvertrag. Ostern sei jedenfalls ein guter Zeitpunkt, sich an das berühmte Jesuswort „Selig sind, die Frieden stiften“ zu erinnern.
Für die musikalische Umrahmung der Kundgebung sorgten Theodor Ziegler (Gesang und Gitarre), Mark Finnern (Ukulele) und Hans Kurt Rennig (Trompete) mit teilweise neu getexteten Liedern wie „Die Gedanken sind frei“, „Bella Ciao“ oder „Sag mir, wo die Blumen sind“. Die Liedtexte wurden verteilt und die Lieder deshalb gemeinsam gesungen.
Preisgekrönter Film
Nach der Kundgebung wurde im Subiaco-Kino der preisgekrönte Dokumentarfilm „Zur Hölle mit dem Teufel“ über den gewaltfreien und erfolgreichen Widerstand liberianischer Frauen im Bürgerkrieg Anfang des Jahrtausends gezeigt.