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Ostelsheim Startschuss für Tunnel der Hesse-Bahn

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Spatenstich für die große Einzelbaumaßnahme der Hermann-Hesse-Bahn. Foto: Kunert

Ostelsheim - Zusammen mit Verkehrsminister Winfried Hermann hat der Landkreis Calw am Montag in Ostelsheim den Startschuss für den Bau des Tunnels für die Hermann-Hesse-Bahn gegeben.

Ein langer Zug mit Menschen – unterwegs auf der künftigen Trasse der Hermann-Hesse-Bahn (HHB). Das hatte am Montagmorgen schon großen Symbolwert. Zumal der alte und neue Bahndamm mit seinen Schottersteine auch "einen sehr steinigen Weg" darstellten – was auch sehr gut ins Bild passte.

Fahrt nach Stuttgart wird verkürzt

Das fand sicher nicht nur Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann, einer der endlos vielen Ehrengäste beim offiziellen ersten Spatenstich für den künftigen Tunnel Ostelsheim. Der soll – mit einer Länge von 498 Metern – künftig die Fahrzeit von Calw nach Stuttgart mit der HHB "deutlich verkürzen", spart immerhin eine Rundfahrt auf der historischen Hacksbergschleife mit ihren rund vier Kilometern Länge ein.

Und man spürte bei diesem Anlass, dass der Landkreis Calw mit Landrat Helmut Riegger an der Spitze den Beginn "der größten Einzelbaumaßnahme" für die Realisierung der HHB unbedingt so groß wie irgend möglich feiern wollte. Neben dem Minister war die Karlsruher Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder gekommen. Diverse Bürgermeister und Oberbürgermeister, nicht nur aus dem Kreis Calw – auch aus dem Nachbarkreis Böblingen. Die Vertreter des Nabus, der BI Schwarzwaldbahn, auch Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel – der in einem Randgespräch daran erinnerte, dass Helmut Riegger einst keine zwei Wochen nach seinem Amtsantritt als Landrat in Calw schon bei ihm auf der Matte stand, um über eine Bahnverbindung nach Stuttgart zu sprechen. Was erahnen lässt, wie steinig tatsächlich der Weg bis zu diesen Spatenstich jetzt wirklich war. Und ein bisschen jetzt auch noch ist.

Finanzierung noch nicht final geklärt

"Nein, die wirkliche Entspannungsphase kommt erst, wenn ich die rote Mütze aufhabe und den ersten Zug der Hesse-Bahn auf seine Reise schicken darf", gesteht Riegger auf eine Nachfrage nach seiner Gemütslage. Da sei noch die abschließende Finanzierung all der vielen Baumaßnahmen für die Trassen-Reaktivierung, die noch nicht final geklärt sei.

Darauf wird auch Minister Hermann in seinem Grußwort später eingehen, wobei das bei ihm durchaus hoffnungsvoller klingt als beim Kreis-Chef: Auch der Bund habe ja mittlerweile Mittel ausgelobt für solche Bahnprojekte, wobei es da allerdings noch einige Unwägbarkeiten gebe, so der Landesminister.

Modellcharakter für Reaktivierung historischer Bahnstrecken

"Das Warten hat sich wirklich gelohnt für den Kreis Calw", findet der Minister. Denn mittlerweile spreche man von einer Förderquote für die HHB "von 75 bis 90 Prozent" der Gesamtkosten. Wobei die Bedeutung der HHB für das Land vor allem in deren aktuell noch einzigartigen "Modell-Charakter" für die Reaktivierung historischer Bahnstrecken liege. Hermann berichtete davon, dass im Ministerium bis zu 50 Anfragen von Kommunen und Landkreisen lägen, die ebenfalls stillgelegte Bahntrassen wieder in Betrieb nehmen wollen.

Und auch diese Mitteilung des Ministers hörte man im Kreis Calw mit besonderen Wohlwollen: "Wir wollen beides" – neben der Hermann-Hesse-Bahn auch ausdrücklich den Metropolexpress für den Anschluss des südlichen Landkreises an die Metropolregion Stuttgart. Wobei man wohl davon ausgehen darf, dass dem Minister bei dessen Gang "auf dem steinigen Weg" zur neuen Tunnel-Baustelle und zum offiziellen Spatenstich Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann den entsprechenden "Floh" zuvor "ins Ohr" gesetzt hatte.

Womit man beim Nabu, dem Naturschutzbund Deutschland, und dessen Landesvorsitzenden Johannes Enssle angekommen ist. Auch er ist ausdrücklich einer der Ehrengäste. Es sei völlig in Ordnung, dass der Naturschutz die Politik auf deren möglichen Versäumnisse hinweise – auch wenn ihn, so Minister Hermann, schon sehr geärgert habe, dass dabei in Bezug auf die HHB (zeitweise) eine komplett kompromisslose Position eingenommen worden sei. Aber letztlich habe man sich auf beiden Seiten bewegt.

Wobei Michael Stierle, "Mister ÖPNV und S-Bahn" beim Landkreis Calw, im gemütlichen Teil berichtete, dass es eben Johannes Enssle war, der seinerzeit eine neutral moderierte Diskussion zwischen Naturschutz und Politik vorgeschlagen hatte, um nach einen für alle tragfähigen Kompromiss für die Fledermäuse zu suchen. Dadurch hätten beide Seiten gelernt, sich auch in die Position der jeweils anderen Seite hineinzuversetzen. Ein Moment mit echten Aha-Erlebnissen für alle Beteiligten – die ein Aufeinanderzugehen ermöglich habe. "Die Alternative wäre gewesen – jahre-, jahrzehntelange Prozesse." Genau in diesem Moment habe man im Landratsamt gespürt: "Jetzt klappt es wirklich mit der Hesse-Bahn!"

Der Tunnel-Neubau für die künftige Hermann-Hesse-Bahn bei Ostelsheim durch den Hacksberg ist mit einer Gesamtbauzeit von 24 Monaten veranschlagt. Das Bauprojekt gilt mit einem Kostenvolumen von 16,5 Millionen Euro netto als größte Einzelmaßnahme im Rahmen des HHB-Gesamtvorhabens.

Der Tunnel selbst wird später 498 Meter lang sein, dazu kommen ein südlicher Einschnitt von 150 Meter Länge und ein nördlicher Einschnitt von 50 Metern Länge. Zur Anwendung kommt eine "neue österreichische Tunnelbau-Methode mittels Bagger- und Sprengvortrieb", mit der sich das beauftragte Tunnelbau-Unternehmen, die Feldhaus Bergbau (Schmalenberg/NRW), von der Calwer Seite her durch den Berg (bestehend überwiegend aus Muschelkalk) arbeiten wird. Man rechnet mit einem dabei anfallenden Aushub von rund 37 000 Kubikmetern.

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