Bürger erörterten mit dem Regierungspräsidium ihre Einwände an der Bahnstrecke Foto: Stocker Foto: Schwarzwälder-Bote

Regierungspräsidium beschäftigt sich mit Anliegen zur Hermann-Hesse-Bahn / Hausaufgaben für Landratsamt / Suche nach Optimierungen

Von Steffi Stocker

Ostelsheim. Bekanntlich hat das Projekt Hermann-Hesse-Bahn nicht nur Freunde. Speziell in Ostelsheim regt sich Widerstand gegen die bisherigen Planungen. Jetzt stellte sich das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe mittels einer Anhörung den Einwänden.

Während der Großteil der zehnseitigen Beanstandungen in der Gemeindehalle unter die Lupe genommen wurde, führte das wichtigste Anliegen, der Lärmschutz, die Beteiligten aus RP, Landratsamt, sowie Planer, Ingenieure, Gemeinderat und Bürger direkt an die vorgesehene Trasse.

Den geplanten Schienenstegdämpfern wurde als Alternative eine drei Meter hohe Wand gegenüber gestellt. Deren Ausführung sei in Holz, Beton oder auch Glas möglich, erläuterte Ingenieurin Svenja Ullmann. Allerdings würde deren Installation sich auf rund eine Million Euro belaufen, wie Holger Schwolow vom Landratsamt berichtete. Dem gegenüber stünden 250 000 Euro für den bisher eingeplanten Lärmschutz.

"Wir vermissen den Vergleich der verschiedenen Varianten nicht nur bei den Kosten", sagte Anwohner Dennis Bach, zumal der Lärmschutz gefördert würde. Allerdings nur im Rahmen der Notwendigkeit.

"Ich werde die Lärmschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg um Stellungnahme bitten", sagte Michael Kromer von der Planfeststellungsabteilung des RP. Der Jurist leitet das Anhörungsverfahren.

Im Vorfeld gab er dem Landratsamt die Hausaufgabe, die Varianten bezüglich Kosten und Dämpfungsgrad zu vergleichen. Darin müssen dann auch die Kosten für einen stabilen Sicherheitszaun enthalten sein, falls die Wand nicht realisiert wird.

"Ein zweites Gleis verursacht weitere Belastungen und Kosten", meinte Rechtsanwalt Dirk Herrmann, den vier Anlieger beauftragt hatten. Dieses Gleis dient dem Begegnungsverkehr auf einer Länge von 2,3 Kilometern. "Wenn wir diese Strecke verkürzen, dann entsteht Bestandschutz für die Eingleisigkeit und wir bekommen keinen Lärmschutz", gab die Rechtsanwältin des Landratsamtes Astrid Kappel zu bedenken. Zudem sei diese Streckenlänge erforderlich, um diesen Abschnitt mit Signalanlagen auszurüsten.

Darüber hinaus wurden Schallgutachten, Erschütterungsauswirkungen, Schadstoffbelastung, Baulärm und Ausführung der künftigen Züge erörtert. Insgesamt sind auf der Strecke tagsüber 58 Züge, zehn davon nachts, zu erwarten.

Deutlich sei geworden, dass das Projekt in jedem Fall realisiert werden soll, unabhängig davon, ob die Kosten im Rahmen blieben, so die Erkenntnis der Teilnehmer. Da werden notfalls Enteignungen für Grundstücke durchgeführt, falls keine Bereitschaft der Eigentümer vorliege, informierte Kromer, der die Verhandlungs leitet.

Bedenken äußerten die Bürger nicht zuletzt wegen der Sprengungen für den Tunnel und deren Auswirkungen. Kromer bat darum , Wissenswertes über das Umfeld des Gebietes, in dem der Tunnel geschlagen wird, mitzuteilen. Zudem erhalten die Häuser eine Sichtmarke. "Damit wird überprüft, ob die Maßnahme und der Betrieb der Bahn zu Schäden führen", berichtete Bach. Dabei entstehen Aufnahmen vor, während und nach Realisierung des Projekts.

Um in einzelnen Punkten Optimierungen zu erzielen, ziehen Bürger und Gemeinderat an einem Strang, wie Kromer nach der Anhörung feststellte.

Gespannt erwarten die Beteiligten deshalb des Protokoll und vor allem die Empfehlungen Kromers.