Grüner Strom aus Windkraftanlagenist auch Thema in Ostelsheim. Foto: Badenova

Im Bereich Lochwald könnten künftig Windräder in die Höhe ragen. Der erste Schritt ist zumindest gemacht: Der Gemeinderat entschloss sich dazu, die Stadtwerke Tübingen als Projektierer zu beauftragen. Wenn alles glatt läuft, drehen sich dort ab Winter 2027 drei Anlagen.

In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, mit den Stadtwerken Tübingen (SWT) einen Gestattungsvertrag über maximal drei Windenergieanlagen (WEA) im Bereich Lochwald abzuschließen. In diesem Bereich weist der Teilregionalplan Windenergie des Regionalverbands Nordschwarzwald das Vorranggebiet WC-13 für die Windkraft aus. Auf diesen gemeindeeigenen Flächen nutzt Ostelsheim die Möglichkeit, mit den SWT zusammen einen Windpark umzusetzen und davon zu profitieren.

 

Bereits seit Sommer 2023 beschäftigten sich zunächst die Verwaltung und dann auch der Gemeinderat in Klausuren mit dem Thema. Es wurden Gespräche mit vier Energieunternehmen als Projektierer geführt, sagte Bürgermeister Ryyan Alshebl. Die Stadtwerke Tübingen sind eine hundertprozentige Tochter der Stadt Tübingen und erweisen sich als der geeigneter kommunaler Partner zur Umsetzung des Windparks.

Gemeinde profitiert finanziell

Das Windkraftprojekt der Gemeinde habe sowohl ökonomische wie ökologische Bedeutung und sei Ausdruck verantwortlichen Handelns, machte Alshebl deutlich. Aus dem Windpark würden in den kommenden Jahren nicht unerhebliche Mittel in den Haushalt einfließen und es würden Zehntausende Tonnen CO2 eingespart. Und weiter: „Wenn wir heute ablehnen, werden wir in Zukunft auf WEA schauen, ohne dass wir etwas davon haben.“ Denn das Vorranggebiet BB-18 im Nachbarlandkreis schließt sich direkt an auf der Gemarkungsfläche Dätzingen.

Erster Entwurf Joachim Glaser, Abteilungsleiter Erneuerbare Energien bei den SWT, stellte in der Ratssitzung den ersten Entwurf für den Windpark vor. Die SWT betreiben aktuell deutschlandweit 13 Windparks mit 42 WEAs und 135 Megawatt Leistung, informierte er. Zwei visuelle Simulationen zum geplanten Ostelsheimer Windpark zeigten einmal von fünf verschiedenen Standorten aus den Blick auf die drei laut Gestattungsvertrag maximal 280 Meter hohen WEAs und zum anderen deren Schattenwurf. Die Schattenwurfanalyse ergab, dass der Kernort auch im Winter, wenn die Sonne tief steht, nahezu komplett verschont wird.

Vorteile für die Kommune Als Vorteile für die Kommune listete Glaser unter anderem die Pachtentgelte, die finanzielle Beteiligung an den Stromerträgen nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz in Höhe von 0,2 Cent pro Kilowattstunde oder etwa 25 000 Euro pro WEA und Jahr sowie Gewerbesteuereinnahmen auf. Notwendige Ausgleichsmaßnahmen könnten gemeinsam geplant werden und es gibt die Möglichkeit, sich an der Betreibergesellschaft direkt zu beteiligen, als Gemeinde wie auch als Bürger in Form einer Bürger-Energiegenossenschaft.

Zeitplan des Projekts Für den Herbst 2024 ist eine Bürgerinformation geplant, artenschutzrechtliche Untersuchungen finden in diesem und im kommenden Jahr statt und in 2025 werden die über das gesamte Jahr gesetzlich geforderten Windmessungen ausgeführt, die entscheidend dafür sind, ob überhaupt WEAs im Lochwald gebaut werden.

Wenn in der zweiten Jahreshälfte 2026 die Genehmigung für Bau und Betrieb des Windparks erteilt wird, können 2027 die Zuwegung, die Kabeltrasse und die Anlagen gebaut werden und im Winter 2027 in Betrieb gehen.

Diskussion „Wenn wir heute in den Vertrag eintreten, heißt das nicht automatisch, dass der Windpark kommt.“, sagte Alshebl mit Blick auf die vielen Voraussetzungen, die vorher zu erfüllen sind. Und wer trägt die Kosten, wenn es nichts wird, wollte Matthias Kröner wissen. Die trägt dann laut Glaser SWT. Nach dem Stand von Speichermöglichkeiten fragte Klaus Richter. Speicherung sei aktuell bei Solarparks möglich, so der SWT-Fachmann, bei Windparks gehe es um wesentlich größere Strommengen und damit viel größere Speicherkapazitäten „und die kosten richtig, richtig viel Geld.“ Allerdings gehe Glaser, davon aus, dass es in fünf Jahren keine Parks mehr ohne Speicher geben werde.

Anlagen sind 261 Meter hoch

Die Antwort auf die Frage des Bürgermeisters nach der Strommenge, die die drei WEAs in Ostelsheim liefern könnten, muss Glaser nachliefern. Rudi Schlienz interessierte die Dimension der Anlagen. Der Turm bis zur Nabe des Rotors wird 175 Meter hoch, bei einem Rotordurchmesser von 172 Metern beträgt die Gesamthöhe 261 Meter, kosten wird eine WEA zehn Millionen Euro. Der Gestattungsvertrag läuft über 20 Jahre Betriebszeit und kann zweimal um je fünf Jahre verlängert werden. Dann müssen die Anlagen rückstandsfrei zurückgebaut werden, sagte Glaser auf eine weitere Frage von Schlienz. Kröner fragte, ob sie darüber hinaus weiter betrieben werden können. Welche Sicherheitsprüfungen dann eventuell nötig wären, könne er im Moment nicht abschätzen, so Glaser.

Typ kann nicht mehr verändert werden

2700 bis 3000 Stunden pro Jahr läuft eine WEA auf voller Leistung, darauf ist die Wirtschaftlichkeitsrechnung ausgelegt, sagte Glaser auf die Frage von Schlienz. Deshalb werde ein Jahr lang der Wind gemessen und mit dem gewählten Typ verglichen.

Dieser wiederum liegt ab dem Zeitpunkt der Genehmigung fest und kann nicht mehr verändert werden, bekam Kröner zur Antwort, auch wenn es bis zum Bau noch zwei Jahre dauert und es zwischenzeitlich ertragsstärkere Typen geben sollte.