Doris Sannert, Ortsvorsteherin in Edelweiler und Gemeinderätin in Pfalzgrafenweiler, verabschiedet sich aus der Kommunalpolitik.
Nach 15 Jahren kommunalpolitischer Tätigkeit, davon die vergangenen zehn Jahre als Ortsvorsteherin von Edelweiler, ist für Doris Sannert der Zeitpunkt zum Aufhören gekommen. „Und aufhören soll man, wenn’s am schönsten ist“, stellt sie im Gespräch fest.
Die Redakteurin trat Ende 2022 eine Vollzeitstelle beim Schwarzwälder Boten an, für den sie zuvor als Freiberuflerin tätig war. Oft kollidierten Termine der Ortsvorsteherin seitdem mit ihrem Job. „Der Aufwand im kommunalpolitischen Ehrenamt steigt, und als Ortsvorsteherin sollte man greifbar sein“, erklärt sie auf die Frage hin, warum sie nicht erneut ihren Hut in den Ring wirft.
Sannert kandidiert weder für den Gemeinderat Pfalzgrafenweiler, in dem sie seit 2009 Mitglied ist, noch für den Ortschaftsrat Edelweiler.
Erste Ortschaftsrätin und erste Ortsvorsteherin
Vor zehn Jahren wurde sie als erste Frau in den Ortschaftsrat gewählt und wurde auch erste Ortsvorsteherin von Edelweiler. Begründet hatte Sannert ihre Kandidatur damit, dass ihr inzwischen verstorbener Mann Thomas nach 15 Jahren das Amt als Ortsvorsteher krankheitsbedingt nicht weiterführen konnte. Begonnene Projekte in Edelweiler fortzuführen und abzuschließen, für die sich ihr Mann und sie im Ortschafts- und Gemeinderat eingesetzt hatten, untermauerten ihre Bereitschaft zur Kandidatur.
Ihre Bilanz über die zehn Jahre beginnt mit dem Spatenstich zum ersten Bauabschnitt des Neubaugebiets Obere Gärten II, dem weitere Großprojekte folgten wie der Ausbau oder die Sanierung von Straßen, Veränderungen auf dem alten und neuen Friedhof und der Abschluss der Flurbereinigung. Eines der größten Projekte war die Sanierung des ehemaligen Schulhauses, dem jetzigen Bürgerhaus, und des angrenzenden Feuerwehrhauses. Nach dem Umzug der Ortschaftsverwaltung wurde im Bürgerhaus auch das Büro der Ortsvorsteherin eingerichtet, im einstigen Schulzimmer tagt nun der Ortschaftsrat.
Einwohnerzahl steigt wieder
Außer noch zu erledigenden Wegearbeiten am neuen Friedhof konnten die Projekte abgeschlossen werden. Das alte Rathaus wurde verkauft, im Neubaugebiet laufen aktuell zwei Baugesuche. An die Nahwärmeversorgung sind bereits einige Gebäude angeschlossen. Bis Ende 2025 sollen nach dem Bau des Heizhauses alle Häuser in Edelweiler anschließbar sein. Als laufende Projekte nennt Sannert die Sanierung der Kläranlage und des Teichwegs. Stolz ist die 1962 geborene Sannert darauf, dass die Einwohnerzahl – 1989 waren es 250, zwischendurch nur noch 210 – inzwischen wieder, mit steigender Tendenz, auf 230 gestiegen ist. Sannert bedauert, dass mangels Nachwuchs die Jugendfeuerwehr, die Kinderkirche und der Laternenlauf eingestellt werden mussten. Erfreulich sei, dass in Edelweiler in den vergangenen Jahren viele Häuser verkauft und gebaut wurden.
Stolz ist Sannert auch darauf, dass während ihrer Amtszeit und der ihres Mannes, also im vergangenen Vierteljahrhundert, viel erreicht worden sei. Im Ortschaftsrat habe sie große Unterstützung und starken Rückhalt erfahren. „Wir haben alles besprochen und offen diskutiert“, sagt Sannert, der die Teamarbeit wichtig ist.
Letzte Amtshandlung: die 300-Jahr-Feier
So auch die letzte große Amtshandlung ihrer Amtszeit, die im Festausschuss, also im Team, vorbereitet wurde: die 300-Jahr-Feier von Edelweiler am ersten Juli-Wochenende. „Was mit der 275-Jahr-Feier für meinen Mann vor 25 Jahren begann, endet für mich mit der 300-Jahr-Feier – ein schöner Abschluss“, meint Sannert.
Die Zeit als Ideengeberin, die nach eigenen Worten mitunter viel aushalten und viel schlichten musste und auch unbeliebte Entscheidungen zu vertreten hatte, tauscht Doris Sannert in ihrer Freizeit künftig gegen die Spontanität für Ausflüge und Reisen sowie Zeit für sich und für ihr Enkelkind.