Der 63-jährige Walter Würger tritt vom Amt des Langenauer Ortsvorstehers zurück. Bereits im September hat er seinen seinen Stuhl im Gemeinderat geräumt.
Es war nicht nur seine Hausgeburt, die ihn besonders mit Langenau verbunden hat. Auch die gesamte Familienprägung und tiefe Verwurzelung ließ unweigerlich ein intensives Engagement im Ort erwarten. Das 63 Jahre alte Langenauer „Urgestein“ Walter Würger sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Die kommunalpolitische und vereinsmäßige Betätigung liegt mir wohl in den Genen“. Opa, Vater und Onkel betätigten sich bereits kommunalpolitisch und waren in den Langenauer Vereinen aktiv.
Sein Lebensweg startete in der Grundschule Langenau, führte weiter nach Schopfheim. Es folgte die Wirtschaftsschule und eine kaufmännische Ausbildung, auch in der EDV-Abteilung der Spinnerei und Weberei Zell-Schönau mit Sitz in Zell. Hier lernte er auch seine spätere, aus Zell im Wiesental stammende Ehefrau Elke kennen. Die EDV entwickelte sich als sein Steckenpferd und er arbeitete sich zügig hoch als Chef des dortigen Rechenzentrums. Bald wechselte er zu einem IT-Service Unternehmen in Lörrach und betreute unter anderem den Haupteigner KBC.
Auch als leidenschaftlicher Tischtennis-Spieler, unter dem Dach der Turnerschaft Langenau, wurde er bereits mit 19 Jahren Abteilungschef. Er war zudem im Jahre 1974 Mitbegründer der Jugendabteilung der Feuerwehr. Als Feuerwehrkommandant konnte er 1998 das 125. Feuerwehrjubiläum mitfeiern. Nach weiteren beruflichen Stationen im IT-Bereich war es nun für ihn Zeit, sich in der Schweiz selbstständig zu machen. Die Tätigkeit in Basel war zeitlich sehr anspruchsvoll, so dass er notgedrungen sein Ehrenamt bei der Feuerwehr aufgeben musste. In seiner neuen Aufgabe war er weltweit unterwegs und baute sein Unternehmen mit bis zu 40 Mitarbeitern aus. 2018 beschloss er, sich als Firmenchef zurückzuziehen und die Leitung in jüngere Hände abzugeben. Er arbeitet bis heute noch tageweise für die Firma und bleibt im Aufsichtsrat. Er sagte: „Ich hatte Lust auf etwas Neues“. Dann erzählte er schmunzelnd: „Bei einem Spaziergang während unseres Urlaubes in Teneriffa im November 2018 überzeugte mich Elke, für den Ortschafts- und Gemeinderat zu kandidieren“. Die Ehefrau selbst musste wegen der Pflege ihrer erkrankten Eltern ihr Amt als Ortsvorsteherin aufgeben. Ebenfalls ein Gespräch mit Gemeinderätin Hildegard Pfeifer-Zäh von den Freien Wählern überzeugte ihn, sich neben dem Amt im Ortschaftsrat auch für die Wählervereinigung im Gemeinderat zu bewerben.
„Ich muss nicht mehr in der ersten Reihe stehen“
Der 63-jährige Walter Würger tritt nun auch vom Amt des Ortsvorstehers zurück, nachdem er bereits seinen Stuhl als Gemeinderat im September geräumt hatte und sagte: „Ich muss nicht mehr irgendwo in der ersten Reihe stehen“. Seine Ehefrau war ab 2004 Ortschaftsrätin in Langenau und saß seit 2014 für die SPD am Ratstisch in Schopfheim. Für zwei Amtsperioden, von 2009 bis 2019, war Elke auch Ortsvorsteherin und seine Amtsvorgängerin. Aus der Ehe stammen zwei Kinder und mittlerweile drei Enkel, alle leben in Langenau.
„Der Weg war immer mein Ziel“
Er sagte: „Der Weg war immer mein Ziel“, dies sei für ihn immer das Reizvollste gewesen. Zu seiner Verwunderung wurde er 2019 in den Gemeinderat gewählt, im Ortschaftsrat wurde er auf Anhieb Vorsteher. Auch 2024 erfolgte seine Wiederwahl im Ortschaftsrat. In der Rückschau hatte er in den mehr als sechs Jahren Tätigkeit in Langenau einiges auf die Füße gestellt: Breitbandausbau, Baugebiet Stalten, Sanierung der L 139, neue sanitäre Anlagen der Löwenzahnhalle, Raumbeschaffung im Rathaus für die Kita-Kernzeitbetreuung, Sanierung der Talstraße oder die Verschönerung des Friedhofes. Er sagte: „Das Wichtigste war für mich immer, bei den ,Jour-Fix’-Terminen mit den Straßenbauern vor Ort zu sein“.
Er fasste sein Leben zusammen und sagte: „Ich hatte ein ausgefülltes und glückliches Leben. Ich habe nie etwas gemacht, was mir keinen Spaß machte“. Drei teilweise lebensbedrohliche Operationen im Frühjahr innerhalb kurzer Zeit verursachten ein Umdenken. Er sagte: „Mein Körper signalisierte mir: Du musst nicht immer an der ersten Front stehen“.
Würger hat keine Angst vor Langeweile
Würger bleibt als stellvertretender Ortsvorsteher im Amt, sein Amt tauschte er quasi mit der bisherigen Stellvertreterin Dinah Frey. Würger möchte auch weitere, kleinere Termine für den Rat wahrnehmen. Ansonsten wird er sich keineswegs langweilen: Seine Hobbies sind Tennis - natürlich beim TC Langenau in der Ü50-Mannschaft - Golf, und jede Menge Reisen. Eine Reise nach China ist schon angedacht. Sein großer Traum wäre es, einmal als Gast in einer namhaften Talk-Show den Bundeskanzler nach dem „Überlebenskampf“ in einer finanziell völlig überforderten, ländlichen Kommune befragen zu dürfen. Würger weiß jetzt schon dessen Antwort: „Diese dürfte sicherlich diplomatisch ausfallen“.