Von Bäumen bis zur Getreide-Ernte: Die geschützten Nagetiere verursachen im Haigerlocher Ortsteil nicht nur einige Probleme – sondern sind auch zahlreicher als früher. Ortsvorsteher Reiner Schullian berichtet über den Stand der Dinge.
Braunes Fell, platter Schwanz und richtig lange Zähne: Auch bei Haigerloch sind die Biber zurück. Die Spuren von Meister Bockert sind dabei oft deutlich zu sehen: Immer wieder gibt es im Eyachtal angenagte Bäume. Gerade im Ortsteil Gruol sind die Sorgen über die Aktivitäten der zweitgrößten Nagetierart der Welt durchaus groß: So wurde in einer Ortschaftsratssitzung kurz vor Jahresende berichtet, dass Biber sogar schon innerorts – im Baugebiet „Wöhrle“ – gesichtet wurden.
Unterirdische Höhlen sorgen für Einsturzgefahr
Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten berichtet Ortsvorsteher Reiner Schullian, dass man auf Gruoler Gemarkung Biber inzwischen an zehn verschiedenen Standorten gesichtet habe. Man gehe von locker sechs Familien aus – an jedem der Sichtungsorte seien ein- bis zwei der nachtaktiven Tiere – und teilweise sogar bis zu vier. Seit dem letzten halben Jahr seien die Nager vermehrt in Erscheinung getreten.
Bemerkbar machen sich die vielen Biber laut dem Ortsvorsteher etwa an verschiedenen Fischweihern: Dort graben die Nagetiere nicht nur Höhlen, sondern würden auch mit ihren Dämmen die Abläufe der Gewässer zumachen.
Man habe schon einige Probleme durch den Biber, lautet Schullians Einschätzung: So würden etwa teilweise Äcker von Landwirten überflutet werden. Zudem zeigen die Tiere auch diebische Tendenzen: Denn laut dem Ortsvorsteher würden sich die Tiere an Getreide und Meis bedienen und damit einen Teil der Ernte fressen: Als Ernteschädlinge seien sie aber deutlich weniger schlimm als zum Beispiel Wildschweine, fügt Schullian hinzu.
Auch die Landschaftsgestaltung der Biber sorgt für Probleme: An den Fischweihern seien das nicht nur die blockierten Abläufe. So gebe es auch die Gefahr, dass Leuten, die am Weiher entlang laufen, wortwörtlich der Boden unter den Füßen wegbricht: Denn Biberhöhlen sind von außen oft schwer erkennbar, aber können bei Belastung oft einstürzen.
Ebenfalls problematisch ist laut dem Ortsvorsteher auch, dass die Stunzach direkt durch Gruol fließt und sich die Tiere entsprechend auch an Bäumen auf Privatgrundstücken vergreifen.
Landwirte können sich mit Elektrozäunen helfen
Doch was kann man dagegen tun? „Wir dürfen selbst nichts machen“, erklärt Schullian: Denn der Biber ist streng geschützt. Bevor man von Seiten der Stadt- und Ortschaftsverwaltung etwas unternehmen könne, müsse man sich erst an die zwei Biberbeauftragten des Landratsamtes wenden und genau abklären, welche Maßnahmen ergriffen werden dürfen. Die Biberbeauftragten seien zwar sehr kompetent und man dürfe die Hoffnung nicht aufgeben, doch er selbst glaube nicht, dass eine zeitnahe Änderung der Gesetzgebung kommt.
Landwirte könnten sich aber durch das Aufstellen von Elektrozäunen vor Übergriffen der Biber schützen, so der Ortsvorsteher: Das dürfe man auch ohne vorherige Absprache mit einem Biberbeauftragten.